Bad Kissingen
Familie

Wenn Ferien zum Problem werden

Die Schule hat zu, und nun? Gerade im Sommer kämpfen viele Eltern mit der Betreuung ihre Kinder. Zu wenig Hortplätze und ungünstige Öffnungszeiten machen die Situation nicht gerade einfacher für sie.
Elia, acht Jahre, spielt allein in einem Sandkasten.
Elia, acht Jahre, spielt allein in einem Sandkasten. Foto: Symbolfoto: Milena Meder

Die Ferien sind das Beste an der Schulzeit - zumindest für die Kinder. Für viele berufstätige Eltern kann die freie Zeit ihrer Schützlinge allerdings schnell zum Problem werden. So auch für Paulina*, eine Mutter aus Bad Kissingen. Wie alle Schulkinder hat auch ihr neunjähriger Sohn Collin 15 Wochen Schulferien im Jahr. Bedeutet: Zusammengerechnet 75 Werktage müssen die Kinder selbstständig zu Hause von ihren Eltern betreut werden - vor allem die Kleinsten. Was also tun, wenn die Urlaubszeit nicht ausreicht, der Hort vor Ort ausgebucht ist oder die Öffnungszeiten nicht mit den eigenen Arbeitszeiten übereinstimmen?

Urlaubstage reichen nicht

Das Problem vieler Eltern wird schnell klar: "Ich habe nie genug Urlaubstage, um mich um meinen Sohn zu kümmern", berichtet Paulina. Bei einem durchschnittlichen Urlaubsanspruch von 25 bis 30 Werktagen reicht die Zeit, selbst bei verheirateten Paaren die sich getrennt frei nehmen können, bei weitem nicht aus. Wie viele andere ist auch Paulina froh, hier auf die Unterstützung ihrer Verwandtschaft zählen zu können. "Wir teilen die Zeit einfach auf die gesamte Familie auf", erklärt sie. Wenn sie selbst also keinen Urlaub hat, kümmern sich der Vater, die Großeltern oder ihre Geschwister um ihren Sohn. Denn: Einen Platz im Hort hat sie für ihren Sohn in Bad Kissingen nicht bekommen - und da ist sie nicht die einzige.

Betreuung nicht am Wohnort

Auch eine Mutter aus Maßbach berichtet ähnliches. Sie hätte zwar die Möglichkeit, ihren Sohn während der schulfreien Zeit in einem Hort betreuen zu lassen, kann diesen aber nicht nutzen. Das Problem: Die Hortbetreuung in Maßbach selbst hat geschlossen, ihr Sohn müsste also ins nahe gelegene Poppenlauer ausweichen. Da die Öffnungszeiten allerdings überhaupt nicht zu ihren Arbeitszeiten passen, kann sie das Angebot nicht nutzen. "Noch dazu müsste ich meinen Sohn jeden Tag fahren und das während der Arbeitszeit", ärgert sie sich. Für die alleinerziehende Maßbacherin ist die Betreuung zu Hause deshalb einfacher.

Der Wunsch vieler Eltern: Mehr Hortbetreuungsplätze. Für die Maßbacherin würden sich schon durch ein Fahrdienst, der ihren Sohn zum Betreuungsplatz bringt und wieder abholt, einige ihrer Probleme lösen. "Auf dem Land steht und fällt alles mit dem Transport", ist sie sich sicher.

Auf den Arbeitgeber angewiesen

Viele Eltern sind also, um die Betreuung ihrer Kinder gewährleisten zu können, auf den Arbeitgeber angewiesen. "Jemand, der nicht die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten, hat es da sehr schwer", weiß die Alleinerziehende. Und auch die Urlaubstage immer in der Ferienzeit zu bekommen, ist keine Selbstverständlichkeit. Seit Kurzem kommt nun noch ein weites Problem dazu. "Bei vielen Eltern sind die meisten Urlaubstage aufgrund der Corona-Pandemie schon verbraucht", vermutet die Maßbacherin. Denn schon im Frühjahr waren die Kinder während der Home-Schooling Phase viel zu Hause und mussten betreut werden. Kommt noch die eine oder andere Quarantänezeit hinzu, sind die Urlaubstage schnell verbraucht.

Hortplatz ist Glückssache

"Wir haben das große Glück, dass unsere Kinder im Hort sind", freut sich Elisabeth, Mutter aus Bad Kissingen. Und auch die Öffnungszeiten passen perfekt zu ihrer Arbeitszeit. Nur drei Wochen im Jahr hat der Hort geschlossen. Um diese Zeit zu überbrücken, nehmen sich die beiden Elternteile dann frei. "Es ist nicht selbstverständlich, dass man vom Arbeitgeber auch die drei Wochen am Stück bekommt", weiß auch diese Mutter. Sie ist sich bewusst: "Wir sind da wirklich privilegiert, sonst müssten auch mein Mann und ich uns getrennt Urlaub nehmen."

Ferienprogramm oft nur stundenweise

Der Wunsch nach mehr Betreuungsplätzen ist also da, doch auch die Eltern sind sich über das Problem des Personalmangels in Kindergärten und Schulen im Klaren. Das Ferienprogramm vieler Gemeinden ist zwar für die Kinder eine spannende Sache, eine Entlastung für die Eltern stellen die Veranstaltungen allerdings nicht dar. "Vieles ist nur stundenweise, da muss man dann auch wieder frei haben", erzählt eine Mutter.

Aber: Ab einem Kindesalter von ungefähr zehn Jahren werde die Situation dann etwas leichter, da die Kinder dann auch für kurze Zeit mal allein gelassen werden können.

(* Diese Menschen haben mit uns gesprochen, möchten aber nicht namentlich oder nicht vollständig namentlich genannt werden.)