Wie nehmen die Rhöner mögliche Folgen des Klimawandels wahr? Dieser Frage geht die Universität Frankfurt mit Blick auf das Wasser in der Region nach. Klar ist, dass es in Zukunft weniger Wasser im Biosphärenreservat gibt. Aber: Gibt es Vorschläge aus der Bevölkerung? Und: Wie hoch ist die Bereitschaft, sein Verhalten zu verändern?

Forschergruppe bezieht verschiedene Institutionen ein

Das Projekt der Forschergruppe heißt "KlimaRhön". In dem Vorhaben kommen Sozial- und Geowissenschaften zusammen. Wissen, wie sich die Wasserverfügbarkeit verändert, sowie Einschätzungen und Meinungen der Bürger und Kommunen, werden miteinbezogen. Dies soll zu Methoden führen, die helfen, den Wasserverbrauch besser anzupassen. Geplant ist, die Methoden mit der Bevölkerung abzustimmen und auf das Biosphärenreservat auszurichten.

Die naturwissenschaftliche Seite decken die Hydrologin Prof. Petra Döll und Doktorandin Laura Müller ab. Letztere betont, dass eine ausreichende Wasserversorgung wichtig ist. "Durch den Klimawandel hat sich die Wasserverfügbarkeit verändert. Deswegen muss das Wassermanagement, das man bisher gemacht hat, angepasst werden."

Wasserspeicher und das Problem der Rhön

Studien zeigen, dass in der Rhön die durchschnittliche Jahrestemperatur ansteigt und sich der Niederschlag innerhalb des Jahres verändert. So falle im Winter mehr Niederschlag und im Sommer weniger als bisher. Müller erklärt: "Das Problem in der Rhön ist: Es gibt viele kleine Grundwasserleiter." Also Gesteinskörper mit Hohlräumen, die zur Leitung von Grundwasser geeignet sind. "Wir können uns vorstellen, dass das Grundwasser durch die erhöhte Neubildung im Winter durch die kleinen Grundwasserleiter nicht gespeichert werden kann", meint Müller. Die Folge wäre, dass im Sommer der Grundwasserstand sinkt. Das ist für die Rhön ein Problem. Dort ist die Wasserversorgung fast ausschließlich durch Grundwasser sichergestellt. Erste Indizien darauf haben sich bereits gezeigt, etwa in Stangenroth. Dort versiegte in den vergangenen Jahren im Sommer bereits eine Quelle.

Weg der Wissenschaft

"Was wir bisher gemacht haben ist, dass wir geschaut haben, wie sich die Wasserverfügbarkeit in Zukunft ändert", sagt Müller. Im nächsten Schritt wollen die Frankfurter Forscher sogenannte Stakeholder, also Betroffene befragen. Das sind unter anderem Kommunen, die Wasserwirtschaft oder die Landwirte. In den Gesprächen sollen sich die Betroffenen zu Risiken bei der Wasserqualität und dem Vorkommen äußern aber auch ihre Lösungen für die Probleme kundtun. Anschließend stellen die Forscher ihre Erkenntnissen in der Öffentlichkeit zur Diskussion.

Bei den Gesprächen ist auch das Wissen der Sozialwissenschaft wichtig. Prof. Birgit Blättel-Mink und Doktorand Max Czymai lassen derzeit die Rhöner eine Umfrage ausfüllen (siehe Infokasten). In dieser geht es um das Empfinden der Einwohner, wie instabil das Gleichgewicht der Natur ist. Aber auch um die Bereitschaft, sich selbst für den Umweltschutz einzuschränken. Zum Beispiel, ob die Bürger bereit wären, Regenwasser für die Toilette zu nutzen. Czymai erläutert: "Die Umfrage ist ein wichtiger Teil des Projektes, da es um die Problemwahrnehmung der Bevölkerung und auch um die Anpassungsmaßnahmen geht."

Bevölkerung mit einbeziehen

Darüber hinaus planen Czymai und Prof. Blättel-Mink Fokusgruppen: Hier diskutieren verschiedene soziale Gruppen - etwa junge und alte Menschen - über die Problematik. Anschließend sollen Arbeitskreise stattfinden, in denen die Betroffenen gemeinsam in einer größeren Runde miteinander diskutieren. Döll sagt: "Dort gehen die Ergebnisse der Bürgerbefragung der Soziologen ein. Genauso unsere naturwissenschaftlichen Infos, wie sich der Klimawandel auf die Wasserressourcen in der Rhön auswirken könnte." Das Ziel sei, Anpassungsstrategien zu entwickeln. Die Ergebnisse diskutieren die Forscher dann mit den Fokusgruppen.

Warum sie sich für die Rhön entschieden haben? Prof. Döll sagt: "Das Biosphärenreservat Rhön hat ja das Ziel, ein gutes Zusammenleben zwischen Mensch und Natur zu gewährleisten. Somit ist es ein sozialökologisches Projekt."