Es ging vor allem um zwei Grabstätten, die noch ein Eisengitter haben, jedoch vollständig von Efeu überwuchert waren. Als erstes Grab nahmen sich die vier Helfer das Grabmal von Betty Edle von Braun, geborene Sichert von Sichertshofen, vor, die 1882 als Frau des damaligen Bezirksamtmanns Friedrich von Braun gestorben ist. Braun war der fünfte Bezirksamtmann (das entspricht dem heutigen Landrat) von Bad Kissingen und hat sich wohl wegen des Todes seiner Frau 1884 versetzen
lassen. Nach der Entfernung des Efeus fand sich in der Grabstätte eine völlig überwucherte Grablaterne.


Fast wäre das Grab verschwunden

Als nächstes nahm sich das Quartett das Grab Krug vor - letzte Belegung 1973. Auch dieses Grab mit Liegeplatte war schon halb mit Efeu überwuchert. Von dessen Entfernung hatte auch das Nachbargrab einen Vorteil. Das unscheinbare Grab eines Christian Sandrock hat Werner Eberth - er war damals Stadtheimatpfleger - vor der Entfernung bewahrt. Schließlich war der Bestattete der Bruder der berühmten Schauspielerin Adele Sandrock und ein guter Freund des Komponisten Cyrill Kistler. Seine Schwester hat bei der Uraufführung seines Theaterstücks "Jeanne" 1910 im Kurtheater die Titelrolle gespielt.

Das dritte Grab, ebenfalls noch mit Eisengitter eingefasst, war von den ehrenamtlichen Helfern in einer Stunde nicht zur letzten Perfektion zu bringen. In Absprache mit Kreisheimatpfleger Eberth hatte die Stadt Bad Kissingen bei der kürzlichen Baumfällaktion im Kapellenfriedhof auch die beiden Bäume aus dem Grabmal Bauer entfernen lassen, die sich in etwa 100 Jahren zu stattlichen Größe von etwa 80 cm Stammdurchmesser entwickelt hatten. Der Grabinhaber Theodor Bauer ist als "Lehrer" bezeichnet, der sich ein so aufwändiges Grabmal von seinem Gehalt nicht hätte leisten können. Im Adressbuch 1896 war der 1898 Verstorbene jedoch Inhaber der "Villa Bauer", des ersten Hauses in der neuen Ballingstraße. Vermutlich war die Villa eine Pension. Außerdem war er Inhaber der goldenen Ehrenmünze des Ludwigordens. Das aufwändige Grab hat ein J. Müller geschaffen.


Überraschende Entdeckung

Beim Eingriff in die Efeuüberwucherung stieß Günter Milsch auf den bedeutsamsten Erfolg dieser Friedhof-Renovierungsaktion: eine unter dem Efeu verschwundene, gut erhaltene Marmortafel für die Eheleute Fridolin und Dorothea Böller. Fridolin Böller, gestorben 1893, war nach der Inschrift städtischer Förster gewesen, seine Frau Dorothea ist 1894 verstorben. In dieser Zeit können die beiden von der Stadt heuer gefällten Bäume gepflanzt worden sein. Das Grabmal trägt auf der Rückseite die empfindsame Inschrift: "Ruht sanft Ihr treuen Elternherzen - die Ihr für uns zu bald geschieden - doch lindert Hoffnung unsere Herzen - daß Seligkeit Euch ist beschieden!" Bei der nächsten Aktion wird man auch die verbuschten Stechpalmen beseitigen.