Mut, Leichtsinn und etwas Gottvertrauen braucht es, um das Glück zu finden. In dem Punkt ist sich das Künstlerehepaar Klaus und Heike Metz einig. Ihren Traum, von der Kunst zu leben, teilen beide seit ihren ersten Lebensjahren.

"Mein erstes Werk habe ich so mit etwa vier Jahren geschaffen", erinnert sich Klaus Metz. Damals half er seinem Vater Günter in dessen Bildhauerwerkstatt. "Ich habe ihm viel zu verdanken." Klaus wuchs spielerisch in die bildende Kunst hinein. Anfangs leimte er Schnitz- und Hobelspäne zusammen. Sein erstes Werk war dann ein Christus. Auf einem Bild aus dem Jahr 1973 steht der damals Vierjährige stolz neben dem überlebensgroßen Kruzifix. Optisch erinnert der Gekreuzigte an die Werke von Dr. Ulrich Barnickel, der beim Point Alpha den Weg der Hoffnung schuf.

Anders war der Zugang zur Kunst für Heike Metz. "Mein Weg war weiter. Als Kind habe ich mich immer schon für schönes interessiert - besonders Musik. Aber ich habe auch viel gemalt und getöpfert.Die Sehnsucht, schöpferisch tätig zu sein, war immer schon da", sagt sie. Unterstützung erhielt sie dabei von ihrem Kunstlehrer. Direkt zu den bildenden Künsten führte sie ihr Weg dennoch nicht. "Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zur Erzieherin angefangen - was sehr bereichernd war."

In die Fußstapfen des Vaters

Klaus trat zunächst in die Fußstapfen seines Vaters, einem der bekanntesten Rhöner Schnitzer, und absolvierte eine Lehre zum Holzbildhauer. Zu dem Zeitpunkt kannten sich Klaus und Heike bereits. Bei einer Reise des Rhönklubs nach Frankreich lernten sich die beiden kennen. "Die Kunst hat uns immer verbunden", sagt Klaus. Von da an war Heike regelmäßig mit in der kleinen Werkstatt von Klaus zugange. Seine Lehre schloss er schließlich als Bundessieger ab. Daraufhin zog es ihn an die Akademie der bildenden Künste in Nürnberg.

Mit dabei war natürlich Heike. "Sie hat damals teils die Erzieher-Schule geschwänzt, um mit mir an der Akademie zu sein", sagt Klaus. Dort erhielten die beiden Einblicke, die heute nach ihren Angaben selten geworden sind. "Wir durften bei den Medizinern in die Anatomie rein, um das Zeichnen von Menschen zu lernen."

Mit der Ausbildung und dem Studium ist der Traum vom Leben von der Kunst aber noch nicht getan. "Du wirst erst danach Künstler. Das Leben macht dich dazu, das ist ein Prozess, der sich erst herauskristallisiert." Er erinnert sich: "Ich hatte viele talentierte Kollegen. Manche hatten ein schlechtes Ereignis erlebt und dann hingeworfen. Man muss vieles Durch- und Aushalten auf dem Weg." Im Lauf der Jahre legte er sich einen schützenden Trotz zu. "Auf je mehr Widerstand ich gestoßen bin, desto mehr habe ich mich reingesteigert."

Innere Zerrissenheit überwunden

Ein Auskommen hatten die beiden stets. "Während ich in der Schule war, hatte Klaus ja seinen Gesellenlohn. Als Klaus studiert hat, hatten wir das Gehalt von meinem Job als Erzieherin", sagt Heike. Allerdings: "Mit war klar, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte. Es kam dann der Punkt, an dem ich innerlich zerrissen war. Ich wusste, ich muss mich entscheiden: Beides machen geht nicht."

Als sie und Klaus ein Werk vergoldeten, kam dann der Entschluss, sich nur noch der Kunst zu widmen. 2001 kündigte sie ihren Job und setzte alles auf ihr bis dahin erlerntes künstlerisches Wissen. "Es war eher ein 'hin zu' als ein 'weg von'. Mir war damals klar, dass es irgendwie wird. In dem Moment, als ich die Entscheidung gefällt hatte, war ich sicher", sagt sie rückblickend. Erste Aufträge und Ausstellungen waren für die beiden bereits vorhanden. "Die Aussichten und die Perspektiven waren damit vorhanden", sagt Heike. Den Kundenstamm erarbeiteten sich die beiden selbst. "Unsere Werke sprechen ja doch eine andere Zielgruppe an, als die Werke von meinem Vater", sagt Klaus.

Nicht immer läuft alles nach Plan

"Letztlich habe ich all das meinem ersten Kunden, einem Sammler zu verdanken", sagt Klaus. Bis dahin halfen Restaurationen, um Geld zu verdienen. "Er kam in meine kleine Galerie und meinte, du musst eine Ausstellung machen." Viele Werke waren zu dem Zeitpunkt noch nicht vorhanden. "Ich bin dann seinem Rat gefolgt und habe meine fünf Bronzen hingestellt." Am Ende waren alle verkauft. Das war nicht immer so. "Es gab auch Ausstellungen, bei denen ich kein einziges Werk verkauft habe. Das muss man aushalten", meint er. "Dann kam alles auf einmal. Erst Ausstellungen in Würzburg, dann war es plötzlich Bonn, Berlin, München oder Sylt", sagt Klaus.

Luther wiegt mehr als 300 Kilo

"Man braucht auch Geduld", sind sich Klaus und Heike einig. "Die Menschen sehen unsere Werke in den Ausstellungen. Aber: Nicht immer kaufen sie sofort. Manche warten, und kommen uns dann zwei bis drei Jahre später im Atelier besuchen, um die Skulptur zu kaufen", spricht Klaus aus Erfahrung. Wenig Einfluss auf die Arbeit der beiden hatte die Corona-Pandemie. "Viele freischaffenden Künstler haben in den vergangenen Monaten Blut und Wasser geschwitzt.Wir hatten Glück, dass die öffentlichen Aufträge uns geholfen haben", sagt Klaus. Dabei handelt es sich um teils grundverschiedene Werke. Für die Landesgartenschau in Thüringen fertigte er überlebensgroße Skulpturen von Martin Luther, der heiligen Elisabeth und Phjlipp Melanchthon. Allein Luther wog über 300 Kilogramm. Zwei Tage vor der Einweihung des Geländes kamen die Skulpturen aus der Gießerei. "Man braucht Vertrauen in sich, dass alles klappt", meint Klaus.

Ausdauer notwendig

Öffentliche Werke von Heike sind beispielsweise Dorf- und Stadtportraits aus Bronzeguss. Jedes Haus, jeder Baum und Strauch findet dabei als Miniatur Eingang in die Skulptur. "Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon", meint sie. Etwa ein Jahr lässt sich für eine solche Skulptur einplanen.

"Wenn am Ende dann eine Macke im Guss zu erkennen ist, ärgert das den Künstler. Das war aber erst einmal der Fall", sagt Klaus. "Man darf sich nie aus der Ruhe bringen lassen von so etwas." Sein Ansatz, um den Gussfehler zu tilgen: Handarbeit. "Ich habe solange daran rumgefeilt, bis es letztlich gepasst hat und ich zufrieden war."