Erfolgreich "angeböllert" haben die Thulbaer Schützen bei einem Bierfest ihre neue Böllerkanone. Das Interesse war groß. Vorsitzender Michael Meindl war sichtlich stolz auf die Neuanschaffung.

Bereits 2019 wurde eine Böllerabteilung gegründet, und mittlerweile gibt es sechs Schützen, die nach Bestehen einer theoretischen und praktischen Prüfung im Besitz der Böllerbescheinigung sind. Handböller, Schaftböller und Standböller sind bereits privat angeschafft worden, jetzt kam noch eine Böllerkanone hinzu. Matthias Bayer ist der Besitzer, und nachdem seine Böllerkanone in Mellrichstadt beim sogenannten "Beschussamt" ihre Prüfung erfolgreich durchlaufen hat und das Siegel erhält, darf "geböllert" werden.

Früher war das Böllergerät ein "Lärmgerät", um das Dorf, oder die Stadt zu warnen - ähnlich wie die Kirchenglocken. Üblicherweise sind die Schützenvereine Ansprechpartner, wenn es darum geht, bei unterschiedlichen Dorfanlässen, Volkstrauertragen, Schützenfesten, Hochzeiten oder anderen Jubiläen zu Schießen. Michael Meindl erklärt e, wie wichtig es ist, dass der Nachwuchs für das traditionelle Böllerschießen gefördert wird, um die alte Tradition fortzuführen.

Das Böllerschießen, auch Prangerschießen genannt, ist eine alte Tradition, bei der an besonderen Festen und Jubiläen, Volkstrauertagen und weiteren Ereignissen mit speziellen Böllergeräten und Schwarzpulver mindestens ein Knall erzeugt wird. Das Schwarzpulver beziehen die Böllerschützen aus der unmittelbaren Region von einem Sprengmeister.

Die Geschichte des Böllerschießens lässt sich bis in das 14./15. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Böllerkanone ist in der Regel ein Vorderlader und wird mit Böllerpulver beladen, beziehungsweise "gestopft". Das Böllerpulver wird im Böller häufig mit Hilfe eines Korkens "verdämmt". Gezündet wird die Ladung durch ein "Zündhütchen", welches wiederum durch einen Schlagbolzen gezündet wird. Ebenfalls ist die Verwendung eines elektrischen Anzünders möglich.

Matthias Bayer aus Hetzlos ist schon lange ein ambitionierter Böllerschütze und im Besitz einiger Böllergeräte. "Ich wollte das wieder hierher bringen. Es ist eine uralte Tradition, die gepflegt werden sollte." Alles habe klein angefangen, in der Gegend habe es kaum jemanden gegeben. Jetzt sind sie schon zu sechst und nehmen unter anderem auch an Ausstellungen teil und Messen teil.