Insgesamt 211 Quellen hat der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen im Jahr 2020 in der Rhön untersucht. Jetzt wurde der Untersuchungsbericht offiziell an die drei Verwaltungsstellen des Unesco-Biosphärenreservats Rhön übergeben.

Verbesserungsvorschläge

Seit 1996 untersucht der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. im Unesco-Biosphärenreservat Rhön die Quellbereiche und erstellt seit 2004 jährliche Untersuchungsberichte, in denen der Zustand der untersuchten Quellen dargestellt wird, heißt es in einer Pressemitteilung des Biosphärenreservats. Diese Berichte enthalten regelmäßig Vorschläge zur Verbesserung der Quellstandorte und werden auch den zuständigen Naturschutz- und Forstbehörden zur Verfügung gestellt.

Erstmals wurde im Jahr 2020 eine länderübergreifende Quellenkartierung durchgeführt, die die Gebiete der Bremer Hut und des Mannsbergs bei Geisa (Thüringen), die Melpertser Hute, das Gebiet um den Tannenhof und den Buchenstrauch in der Gemeinde Ehrenberg (Hessen) und das Aschachtal bei Burkardroth (Bayern) umfasste.

2365 Tierarten nachgewiesen

Neben der Messung der Wassertemperatur, des pH-Wertes und der elektrischen Leitfähigkeit liegt der Schwerpunkt auf der zoologischen Untersuchung der Quellstandorte. So konnten bisher in den 3662 untersuchten Quellen insgesamt 2365 Tierarten nachgewiesen werden. Dies spricht für ein relativ ungestörtes Ökosystem in vielen Rhönquellen und dürfte im Vergleich zu anderen Mittelgebirgsregionen wohl einmalig sein.

Stefan Zaenker, Vorsitzender des Landesverbandes und Mitarbeiter der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel, warnt aber vor einem negativen Trend, der sich bei der diesjährigen Quellenkartierung stark bemerkbar gemacht hat. "Aufgrund der starken Trockenheit der letzten Jahre, sind viele der Quellen bereits im zeitigen Frühjahr trockengefallen", erklärt der Quellenexperte. "Besorgniserregend ist vor allem das frühe Austrocknen größerer Quellbäche in der Rhön. Sollte sich das in den nächsten Jahren fortsetzen, dürfte eine große Anzahl der Quell- und Quellbacharten davon bedroht sein."

Rhön-Quellschnecke im Klimawandel

Die Auswirkungen des inzwischen deutlich spürbaren Klimawandels dürften vor allem die auf kalte Quellgewässer angewiesenen Arten treffen. Dazu zählen beispielsweise die endemisch nur in der Rhön und im Vogelsberg vorkommende Rhön-Quellschnecke und der als Eiszeitrelikt geltende Alpenstrudelwurm. Diese haben kaum die Möglichkeit, sich an die schnell ändernden Klimaverhältnisse anzupassen. Viele der untersuchten Quellen sind zusätzlich durch landwirtschaftliche Nutzung, aber auch durch forstwirtschaftliche Arbeiten im Umfeld der Quellgebiete und durch Quellfassungen gefährdet.

Um diesen negativen Einflüssen zu begegnen, startet das Biosphärenreservat in Kürze ein Klima-Monitoring, bei dem neun ausgewählte Quellen als Dauerbeobachtungsstellen eingerichtet werden.

Der diesjährige Untersuchungsbericht und die Berichte der letzten Jahre können auf der Website "Quellen der Rhön" heruntergeladen werden.