"Michael, schau mal!" Ein kleines Mädchen ruft ihm zu, bevor es zum ersten Mal vom Drei-Meter-Brett springt. Als sie im Becken landet, freut sich Michael Neu mit ihr und klatscht laut. "Super gemacht!" Neu ist einer von drei "Fachangestellten für Bäderbetriebe" des Saaletalbades in Hammelburg - so seine offizielle Berufsbezeichnung. Für die meisten ist er aber einfach der Bade- oder Schwimmmeister.

Wohlfühltemperatur: 24 Grad


Sein Arbeitstag fängt an, wenn noch keine Gäste im Schwimmbad sind. Etwa eine Stunde vor Betriebsbeginn kontrollieren er und seine Kollegen die Wasserwerte. Dazu gehören etwa Chlorgehalt oder pH-Wert. "Damit wir für die Badegäste ein wunderbares und vor allem ungefährliches Wasser haben", erklärt er. Nötigenfalls müssen sie die Werte optimieren. Auch die Wassertemperatur muss stimmen. "Bei etwa 24 Grad fühlen sich die Besucher wohl."
Daneben gehören Arbeiten wie kleine Reparaturen oder die Wiesen- und Heckenpflege zu Michael Neus Tätigkeiten. Hauptaufgabe ist, die Haus- und Badeordnung durchzusetzen, "damit sich jeder hier wohl fühlt." Dabei geht es vor allem darum, Unfälle zu vermeiden. "Wo Gefahren lauern, schreiten wir ein, bevor etwas passiert", ergänzt der 44-Jährige.
So halten sich die schlimmen Fälle auch in Grenzen. Wenn trotzdem etwas passiert, leistet das Team Erste Hilfe. "Platzwunden, wenn jemand ausrutscht oder an den Beckenrand stößt, kommen schon mal vor", erklärt der Schwimmmeister.
Etwa 1500 Gäste besuchen an einem normalen Tag das Hammelburger Schwimmbad. Die diesjährige Saison ist bis dato nicht optimal gelaufen. Die 50 000-Besucher-Grenze wird wohl nicht erreicht werden. "Im Juni und Juli war zu schlechtes Wetter. Und jetzt im August sind viele schon im Urlaub", weiß er aus seiner zehnjährigen Berufserfahrung.

Entscheidung nicht bereut


Im Jahr 2001 begann Michael Neu seine Umschulung zum Schwimmmeister. Davor war er gelernter Autolackierer. "Doch ich fragte mich, ob ich das wirklich für immer machen wollte", erinnert er sich. Die Entscheidung hat er nicht bereut. Die eigentlich dreijährige Ausbildung konnte er auf zwei Jahre verkürzen. Auf dem Stundenplan der Berufsschule in Lindau standen auch Chemie und Physik, denn "damit muss man sich ja auskennen." Natürlich muss man auch ein guter Schwimmer sein.
Regelmäßig gibt es auch Weiterbildungen, damit er etwa auch Aqua-Fitness-Kurse halten kann. Da er auch Saunameister ist, konnte er seine Kollegen mit der neuen Sauna des Bads vertraut machen und sie anleiten. Es ist schön, dort zu arbeiten, wo andere ihre Freizeit verbringen, findet er.
"Es sind viele kleine Momente, die den Beruf interessant machen", etwa wenn er jemandem das Schwimmen beibringen kann. Oder wenn er die Freude sieht, wenn ein Kind das erste Mal vom Turm springt. "Ein großes Highlight ist auch immer das Seepferdchen-Abzeichen, das vergessen viele nie." Ein guter Tag war es im Schwimmbad immer dann, wenn viele Gäste kamen und es keine Unfälle gab. "Wenn wir sehen, dass die Besucher einen schönen Tag hier hatten, sind auch wir glücklich."