Es sind längst nicht mehr die jungen Raser, die ihr Leben auf der Straße verlieren. Nein, die Statistik belegt, dass häufig Männer zwischen 40 und 55 Jahren verunglücken. "Die meisten davon hatten früher auch ein Motorrad, aber mit weniger PS und einer ganz anderen Ausstattung," sagt Guido Molinari. Jetzt hätten sie das Geld, sich einen Lebenstraum zu erfüllen, aber nicht die Erfahrung, ihn auch zu fahren, ergänzt Polizeirat Markus Hack. "Da ist technisch viel passiert, mit ABS bremst es sich einfach anders als ohne," meint er.
Trotzdem denken viele Kradfahrer vor Beginn der Saison offenbar gar nicht darüber nach, ein Sicherheitstraining zu absolvieren. Bei einer Präventionsaktion sei ihnen bewusst geworden, dass viele zwar 20 000 oder 25 000 Euro für ein Motorrad ausgeben, aber keinen Groschen für ein Training, so Hack. Die meisten glauben, sie können das sowieso. Das bedauert auch Karlheinz Franz, der seit 25 Jahren solche Sicherheitstrainings durchführt. Bei der Gebietsverkehrswacht kann jeder einen Termin erfragen.
Mit gutem Beispiel voran ging diese Woche bereits im vierten Jahr die Kradstaffel der Unterfränkischen Polizei, die auf dem Übungsplatz der Bundeswehrkaserne Hammelburg ein Sicherheitstraining absolvierte. Neben der Vorbildfunktion gehe es vor allem um die Sicherheit der Kollegen, sagte Hack. In den letzten Jahren habe es im Präsidium keine Motorradunfälle gegeben, aber über den Winter verliere jeder die Flexibilität und das Gefühl für sein Motorrad.
"Man lernt aus jeder Grenzerfahrung," meint Molinari und dann lieber auf dem Übungsplatz als im Realverkehr. Das Einsatzgebiet der Motorradpolizisten ist groß, reicht von Streife fahren, über die Verkehrsüberwachung mit der Verfolgung Flüchtiger, Regelung von Staus und Umleitungen bis hin zur Begleitung von Großveranstaltungen wie die BR-Radltour oder als Geleit für Staatsbesuche bzw. bekannte Persönlichkeiten - das gelte dann auch schon einmal bundesweit. "Ich war zum Beispiel beim Papstbesuch in Regensburg und Thüringen, hab Joe Cocker kennengelernt und bin einer der wenigen, die ein Dirk Nowitzki-Autogramm auf dem Helm haben", erzählt Molinari nicht ohne Stolz.
Die Zweiräder sind wendiger, kommen leichter durch Baustelle oder Stau, und sind somit meistens die ersten vor Ort, wenn etwas passiert, erklärt Guido Molinari, der seit 1981 bei der Verkehrspolizeit ist und die Einsätze der Motorräder koordiniert. Und er gesteht: "Wir sind schon ein bisschen verrückter als die anderen". Will heißen: "Kradpolizisten sind alles Individualisten, aber wir führen uns nicht auf wie Cobra 11." Natürlich sei das, was für andere spektakulär ist, für sie Alltag. Trotzdem üben auch die Polizisten Bremsen, Ausweichmanöver und das Verhalten ihres Bikes in Grenzsituationen, denn "das Motorrad ist schließlich unser Arbeitswerkzeug."