Das heißt: Bei jeder produzierten Platte und wo immer in der Öffentlichkeit Musik gespielt wird, zieht sie Gebühren ein und verteilt das Geld an die Urheber. Bei rund 60 000 Mitgliedern und jährlich über 800 Millionen Euro Umsatz entsteht ein kompliziertes Verfahren, von dem sich manche Betroffene unfair behandelt fühlen.


Schwierig für Veranstalter

"Ein Buch mit sieben Siegeln" ist der
Gebührenmechanismus für Birgit Rechtenbacher. Die Geschäftsleiterin von "Pro Bad Kissingen" organisiert unter anderem den Weihnachtsmarkt. "Jedes Jahr ändert sich was", sagt sie. In diesem Jahr musste sie für jeden Auftritt eine Gebühr nach der gesamten Fläche des Weihnachtsmarktes bezahlen. Auch wenn nur an einer Ecke gespielt wird. "Bei je 400 Euro Gebühr überlegt man sich schon, ob ein Auftritt überhaupt stattfinden kann", sagt sie.
Im vergangenen Jahr konnte noch eine Kindertanzgruppe auftreten, in diesem Jahr musste sie den jungen Tänzern absagen. Im Sinne der Künstler sei die Organisation "schon gerechtfertigt", so Rechtenbach, aber die Gebühren seien zu hoch. "Das führt dazu, dass kleinere Veranstaltungen auf der Strecke bleiben."


Gebühren im Lokalradio

"Ein sehr hoher Kostenfaktor" sei die Gema-Gebühr auch für den lokalen Sender "Radio Primaton", so Geschäftsführer Gerald Huter. Für die im Radio gespielte Musik gebe es einen festen Vertrag über mehrere Jahre. Zwölf Prozent des Umsatzes, muss der Sender, laut Huter, an Gema und GVL bezahlen. Die letztgenannte Gesellschaft ist eine zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Sie kümmert sich um die Rechte der Interpreten von Musik, die diese nicht selbst geschrieben und produziert haben. Die Gema rechnet diese Gebühren teilweise mit ab. Huter von "Radio Primaton" sagt, dass die Gebühr sich seit dem letzten Vertrag deutlich erhöht habe. Das findet er nicht gerechtfertigt, "aber wir verdienen unser Geld mit den Liedern und die Hörer freuen sich über die Musik. Da ist es gut und fair, dass die Urheber etwas abbekommen."


Komponist und Jungkünstler

"Natürlich ist das fair, die Gema vertritt meine Rechte", sagt der Bad Kissinger Komponist Johannes R. Köhler (Foto oben rechts). Der Künstler ist seit rund 30 Jahren Gema-Mitglied und gleich dreifach von ihr betroffen: Für jede CD, die er produziert, bezahlt er eine Gebühr an die Gema. Auch dafür, dass in seinem Laden Musik läuft, zahlt er. Über die Tantiemen als Komponist bekommt er wieder etwas zurück, laut Köhler rund 60 Prozent. "Ohne Gema wäre heutzutage für Musiker nichts zu machen", sagt er, und spielt damit auf die gegenwärtige Situation an, in der ob der Internet-Downloads immer weniger Tonträger verkauft werden. Sein junger Kollege Timo-Jan Deen, Schlagzeuger der Bad Kissinger Band "Soundladen" (Foto oben links), sieht das ebenso. Selbst ist er noch nicht bei der Gema gemeldet, hat es vor. "Heutzutage ist es wichtig, dass Musiker über Konzerte für die abnehmenden Plattenverkäufe entschädigt werden", sagt Deen. "Das geht nur mit Gema und GVL."


Wer kriegt was von der Gema?

"Der Konzertbereich steigt und entschädigt langsam den sinkenden Tonträgerverkauf", sagt Gaby Schilcher, Sprecherin der Gema. "Damit ist es wieder eher möglich, sich als Künstler den Lebensunterhalt zu verdienen." Aber bekommt auch der lokale Künstler etwas ab? Oder landet alles bei den Großen? "Unser Geld von der Gema hat die Nena und des seh mer nie", rappte Torch im Jahr 2000. "Ganz so ist es nicht", klärt Schilcher auf, "aber wenn man nur vor zehn Leuten spielt und nicht im Radio, kriegt man natürlich weniger." Die Verteilung richtet sich nach vier Kriterien: Besucherzahlen bei Konzerten, Sendeminuten im Radio, Plattenverkauf und Online.


Baustelle Online

Die Online-Bezüge steigen, "aber das entspricht noch in keiner Weise der faktischen Nutzung", sagt Schilcher. Mit vielen Download- und Streaming-Anbietern konnte die Gema in den letzten Jahren eine Einigung erzielen. Nach wie vor wird aber noch sehr viel Musik illegal verbreitet. "Es ist eine große Baustelle, aber wir bleiben dran."