Die Auswirkungen auf den Bürger halten sich in Grenzen. Denn die jeweiligen Bürgermeister dürfen weiterhin trauen.

Bei der jüngsten Besprechung der Bürgermeister wurde deutlich, dass die meisten Gemeinden auf ihre Standesämter verzichten werden. Vielleicht werden deren Befugnisse auf das Landratsamt übertragen, auch wenn Landrat Thomas Bold (CSU) davon nicht begeistert ist. Nur Walter Müller (CSU, Oberleichtersbach) hat Bedenken. Wieder gehe "ein großes Stück Selbstständigkeit verloren".

Seine Kollegen teilen diese Ansicht offenbar nicht. Jetzt müssen die Stadt- und Gemeinderäte mit Zwei-Drittel-Mehrheit entscheiden, was sie wollen.

Motten zum Beispiel hat sich Bad Brückenau angeschlossen, Wartmannsroth geht nach Oberthulba. Franz Büttner (FW) sagte über Ramsthal, "wir sind offen". Es gebe ein Angebot aus Elfershausen. Aber auch Hammelburg oder Bad Kissingen seien denkbar. Oerlenbach, so Siegfried Erhard (CSU), liebäugelt mit der Kreisstadt, hat sich aber noch nicht entschieden.

"Sterbeparadies" Bad Bocklet


Was der Markt Bad Bocklet tut, ist noch unklar, denn sein Standesamt hat offenbar recht gut zu tun. Bürgermeister Wolfgang Back (CSU) listete auf: "Jährlich 100 Beurkundungen, 30 Hochzeiten und 70 Todesfälle - wir sind ein ,Sterbeparadies‘."

Bei den meisten anderen Standesämtern ist das Aufkommen nicht so groß, da fast alle Kinder im Krankenhaus zur Welt kommen. Hier - nicht mehr daheim - sterben mittlerweile auch die meisten Menschen. Gleichzeitig müssen die Behörden personell und in der Ausstattung vieles vorhalten. Somit könne eine Beurkundung 500 bis 1000 Euro kosten, rechnete Landrat Bold vor.

Gemeinsam ist billiger


Da ist es billiger, wenn eine Kommune diese Aufgabe für viele oder alle erfüllt. Schweinfurt zum Beispiel verlangt pro Bürger 1,90 Euro. Das wären bei einem Markt wie Burkardroth etwa 14.500 Euro. Die Personalkosten nur für zwei qualifizierte Beamte liegen deutlich darüber.

Siegfried Erhard sagte, wie auch Thomas Hack (CSU/FW, Aura), es wäre sinnvoll,wenn das Landratsamt die Standesamts-aufgaben möglichst vieler übernähme. Die seien schon jetzt aufwändig, mit der Umstellung auf Elektronik "kommen weitere enorme Kosten auf uns zu. Und zur Kfz-Stelle muss ich häufiger gehen als zum Standesamt". Bold: "Hoffentlich."

Peter Hart (CSU/UWG, Fuchsstadt) bezweifelt, dass sich mit den Zusammenlegungen wirklich Einsparungen ergeben, "habe ich noch nie erlebt".

Der Aufwand ist noch unklar


Mittel- bis langfristig, so Bold, werde es in ganz Bayern nur noch 100 Standesämter geben. Das sei auch sinnvoll. Die Kommunen sollten sich - möglichst bald - Gedanken machen, wie sie sich organisieren wollen.
Regierungsrätin Nadine Bock erörterte den Sachstand und weitere Details. Angaben zu den Kosten der Umstellung konnte sie jedoch nicht machen. Im zweiten Halbjahr soll das elektronische Personenstandsregister eine Testphase beginnen.