Auch hier gilt - selbstverständlich - die Unschuldsvermutung. Aber möglicherweise muss sich Diplom-Volkswirt Christian Zoll demnächst vor dem Amtsgericht verantworten. Sechs Bewohner und Wohnungseigentümer des von ihm verwalteten Behlert-Hauses werfen ihm vor, ohne einen rechtsgültigen Beschluss der Eigentümer-Versammlung 22 000 Euro entnommen zu haben.
Sie haben daher gegen den 71-Jährigen Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat wegen Untreue ermittelt (Aktenzeichen: 12 Js 8089/11).
Der amtierende Behördenleiter, Oberstaatsanwalt Rainer Gündert, sagte, angeklagt werde Untreue in vier sachlich zusammenhängenden Fällen. Er geht davon aus, dass die Anklage auch vom Gericht zugelassen wird.
Die Akte liege seit Donnerstag dem Amtsgericht vor und falle in den Zuständigkeitsbereich einer Einzelrichterin, sagte Amtsgerichtsdirektor Matthias Göbhardt auf Anfrage. Ob die Anklage zugelassen wird, werde nunmehr mit der üblichen Sorgfalt geprüft. Damit gilt Christian Zoll nicht mehr als Be-, sondern als Angeschuldigter. Präjudiziert ist damit aber gar nichts.
Für die Christian Zoll KG weist Christian Zoll sämtliche Vorwürfe kategorisch zurück. Alles sei korrekt verlaufen, "selbstverständlich" hätten entsprechende Rechnungen vorgelegen. Es handele sich um eine "Sondervergütung" für Leistungen, die nicht in den normalen Aufgabenbereich von Verwaltung und Hausmeister fielen.
Die ganze Sache habe mit ihm in seiner Eigenschaft als Ex-Oberbürgermeister und Stadtrat nichts zu tun, da gebe es keinerlei Beziehungspunkte. Es handele sich um eine reine Privatangelegenheit. Er wisse auch nicht, ob es zu einem Prozess kommen wird. Das müsse das Amtsgericht entscheiden, sagte Zoll.
Hans K. (Name geändert, die Redaktion), sagte, worum es geht: Für 309 505,38 Euro (geplant waren 348 514,52 Euro) sei die Heizungsanlage des Belehrt-Hauses mit seinen Geschäften und gut 70 Eigentumswohnungen saniert worden. Dabei seien eben diese 22 000 Euro entnommen worden - ohne einen rechtsgültigen Beschluss der Eigentümer-Versammlung. Die Auszahlung erfolgte in vier Tranchen 2010 und 2011.
Davon habe der Hausmeister 10 000 Euro zusätzlich zu seinem recht üppigen Gehalt bekommen, 12 000 Euro seien an die Verwalterin des Behlert-Hauses gegangen, die Christian Zoll KG. K. sagte, Zoll habe - vergeblich - versucht, diesen Vorfall zu heilen, habe aber keinen entsprechenden Beschluss der Eigentümer-Versammlung herbeiführen können. Er bezweifelt zudem die Richtigkeit der vorgelegten Rechnungen. Erstellt hat sie die Christian Zoll KG, gerichtet sind sie an die Eigentümergemeinschaft Behlert-Haus. Begründet sind sie etwa mit "Planungsleistungen für die Grundlagenermittlung" und dem "Abschluss der Finanzierung (Darlehensvertrag mit der Sparkasse Bad Kissingen)".
Eine Rolle mag in dem Verfahren spielen, dass das Klima zwischen Verwaltung und zumindest einigen Eigentümern nicht optimal ist. K. sagte, Zoll "regiert wie ein Gutsherr" und "hat uns hingestellt wie die Schuljungen". Vielleicht ist es auch deshalb seit 2005 zu mehreren Zivilprozessen gekommen.
Es gibt auch Bewohner, die zu Zoll stehen. Karl-Hinz M. (Name geändert), einst Mitglied des Verwaltungsbeirats, hat den Miteigentümern geschrieben, dieses "leidige Thema" sollte "endlich" zu einem Abschluss gebracht werden. Er, so M., habe sich "davon überzeugen können, dass die Mitarbeit der Verwaltung und des Hausmeisters eine erfolgreiche und sparsame Variante (...) bei der Heizungssanierung gewesen ist". Das Ergebnis könnte sich sehen lassen.
Paragraf 266 des Strafgesetzbuches - Untreue (nicht zu verwechseln mit Veruntreuung) - bedroht den mit Sanktionen, der mit fremdem Vermögen, über das er verfügen darf, nicht sorgsam genug umgegangen ist. Er kann zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verurteilt werden. Dazu ist es nicht notwendig, dass er sich selbst einen Vorteil verschafft hat. Dass die Staatsanwaltschaft Anklage nicht zum Schöffengericht, sondern zu einem Strafrichter erhoben hat, legt nahe, dass es sich nicht um einen besonders schweren Fall handeln soll. ed