Als Edgar Kast beobachtete, wie eine ältere Dame auf dem Gehsteig einer Gruppe von Jugendlichen auswich und auf die Straße treten musste, kam ihm eine Idee. Aus der Idee wurde ein Rollator-Training für Jugendliche. Das Projekt ist nun für den Deutschen Verkehrssicherheitspreis nominiert.

Hohe Bordsteine, enge Wege, unebenes Pflaster: Es gibt viele Stellen im Straßenverkehr, die älteren Menschen mit Rollator Schwierigkeiten bereiten.

Gewicht von Rollatoren

Ein günstiger Standard-Rollator ist oft zwischen zwölf bis 15 Kilo schwer. Edgar Kast ist Seniorenbeauftragter der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen. Er rät, 100 Euro mehr für einen Alu-Rollator zu zahlen. "Der wiegt nur acht Kilo." Das Gewicht des Rollators mache sich spätestens dann deutlich bemerkbar, wenn man in Bad Kissingen einen Berg hinaufgehe.

Es gibt zahlreiche andere Hindernisse, die Senioren in ihrer Mobilität einschränken: Auf Pflaster zittert und ruckelt der Rollator und lässt sich schwer schieben. Manchmal parken Autos auf den Gehsteigen und der Gehsteig wird dadurch so eng, dass Menschen mit Rollator kaum vorbeikommen.

Am Zebrastreifen nehmen Autofahrer oftmals wenig Rücksicht und fahren sehr früh los. Die Menschen litten unter dieser Hektik und der zunehmenden Aggressivität im Straßenverkehr, sagt Kast.

Benutzen Menschen mit Rollator einen engen Aufzug, betreten sie den Aufzug zwar vorwärts, können sich dann aber nicht drehen, was zur Folge hat, dass sie rückwärts wieder aussteigen müssen.

"Beim Busplatz in Bad Kissingen in der Nähe des Imbisses gibt es hohe Bordsteine, wo Senioren Probleme haben", sagt Kast. Denn es braucht genug Kraft, um den Rollator über den Bordstein zu heben. Wenn man die nicht mehr hat, helfen Kniffe bei der Handhabung mit dem Rollator, die sich üben lassen.

Richtige Einstellung wichtig

"Ein Rollator ist eine tolle Gehilfe", sagt Edgar Kast. Aber nur, wenn er richtig eingestellt sei. Oftmals gingen die Bremsen nicht. Oder die Griffe seien zu hoch eingestellt. Er sehe Senioren, die in ungesunder gebückter Haltung den Rollator vor sich herschieben. "Das ist ermüdend. Bei vielen Leuten schmerzt dann die Schulter."

Manchmal sehe er Senioren, die ihren Rollator wie einen Kinderwagen vor sich herschieben. Das sei eine Behinderung beim Gehen und keine Hilfe. "Wenn man die Hand hängen lässt, dann sollte etwa auf Höhe der Daumenwurzel der höchste Punkt der Griffe sein."

Jugendliche aufmerksam machen

Edgar Kast will junge Menschen dafür sensibilisieren, welche Probleme ältere Menschen im Straßenverkehr haben. Die Idee: Wenn Jugendliche am eigenen Leib lernen, wie es ist, mit einem Rollator unterwegs zu sein, und sie verstehen, wie die Gehhilfe funktioniert, werden sie im Alltag verstärkt darauf achten, wie etwa Oma und Opa mit dem Rollator zurechtkommen. Deshalb nennt sich die Aktion "Jugendliche/Senioren - Sicherheits-Dialog der Generationen".

Der Verkehrsunterricht, mit dem Edgar Kast 2019 und 2020 im Rahmen des Projekts an die Schulen ging, beinhaltet einen Theorie- und einen Praxisteil.

In der Theorie lernten die Schüler etwa, was einen guten Rollator ausmacht. Im Praxisteil absolvierten die Schüler einen Parcours mit typischen Hindernissen. Zum Abschluss erhielten die Schüler eine Bescheinigung als "Rollator-Mobilitätsberater". Das sei gerade für Schüler interessant, die später in einem sozialen Bereich arbeiten, sagt Kast. Seit Corona ruht das Projekt erst einmal.

Preis

Mit der Aktion "Jugendliche/Senioren - Sicherheits-Dialog der Generationen" hat sich die Kreisverkehrswacht Bad Kissingen beim 22. "mobil und sicher"-Wettbewerb der Deutschen Verkehrswacht beworben. Die Preisverleihung findet bei der Online-Tagung der Deutschen Verkehrswachten am 5. Juni statt. Die genaue Platzierung der drei besten deutschlandweiten Preisträger wird von der Jury verkündet. Sicher ist, Bad Kissingen gehört zu den ersten drei Preisträgern. Mit der Preisverleihung ist ein Preisgeld von mindestens 550 Euro verbunden. Das Geld werde die Kreisverkehrswacht für weitere Verkehrserziehungsprojekte verwenden, sagte Kast. Bisherige Projekte sind der Mini-Gurtschlitten, die Black-Box "Sehen und gesehen werden", Rollatoren-Kurse für Senioren, eine Senioren-Fahrschule, ein "Könner-Einpark-Kurs" und die Bereitstellung und Bezuschussung von Geschwindigkeitstafeln.