Die Grundbesitzer aus Diebach und Morlesau bleiben skeptisch gegenüber der geplanten Flurbereinigung der Behörden. Obwohl Amt für ländliche Entwicklung und Wasserwirtschaftsamt schon 2011 über das Projekt aufklärten, eine Ortsbesichtigung durchführten und die Grundbesitzer anschrieben, konnten die Referenten die Bedenken der Bürger bei der Info-Veranstaltung nicht ausräumen. Kernpunkte des Misstrauens waren die vom Wasserwirtschaftsamt angestrebte Pflege der Uferstreifen und mögliche Hochwasserschäden durch aufgestautes Schwemmgut.

Frank Pilhofer vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Bad Kissingen betonte, er müsse handeln, weil die Wasserrahmenrichtlinien dies verlangen. "Die Fränkische Saale ist in keinem guten Zustand", betonte er. Laut Wasserschutzgesetz muss sie bis spätestens 2027 in einen guten Zustand versetzt werden.
Otto Waldmann vom Amt für ländliche Entwicklung (AflE) fasste die Ziele des Verfahrens zusammen: Besitzstruktur und Erschließung verbessern, Gewässer- und Naturschutz unterstützen und Nutzungskonflikte entschärfen. Zudem ist das Wasserwirtschaftsamt im Besitz von Flächen, die es eintauschen möchte, da sie außerhalb der Gewässerzone liegen.

Wo es möglich ist, sollte ein 15 Meter breiter Streifen auf beiden Seiten der Saale eingerichtet werden, der alle zwei Jahre gemäht wird. Den Ertragsverlust der Landwirte will die Behörde so gering wie möglich halten.
Doch schon hier begannen die Fragen. Alois Schaub, ohnehin von der ausreichenden Pflege nicht überzeugt, meldete Bedenken wegen des Hochwassers an. "Nach einem Hochwasser muss gereinigt werden. Wir können zwar unsere Grundstücke reinigen, aber nicht die ganze Landschaft", wandte er ein.
Das Amt will zwar Sorge tragen, das Hochwasser durch Anstauungen im Uferstreifen nicht noch zu forcieren, doch eine verbindliche Antwort hatten die Behördenvertreter nicht parat.

"Kein Vertrauen in Maßnahme"


Auch Walter Oschmann kamen Zweifel wegen der relativ bescheidenen Pflege. Insbesondere mit Blick auf das sich rasch ausbreitende, aus Asien stammende Springkraut fragte er: "Wohin damit?" Bernhard Ruppert aus Morlesau brachte die Skepsis auf den Punkt: "Ich habe, nach einigen schlechten Erfahrungen, kein Vertrauen in die Maßnahme. Außerdem ist unser Saaletal eigentlich eine schöne Landschaft."

Auch Bürgermeister Ernst Stross (SPD) sah zahlreiche Ungereimtheiten. "Ein Hochwasser lagert Unrat und Sedimente ab. Wer reinigt und bezahlt das, und wo wird der Unrat abgelagert?", fragte er und forderte eine Pflegegarantie. Frank Pilhofer versuchte, die Probleme zu relativieren mit dem Hinweis, die Straße nach Morlesau sei zu einem Großteil nur einseitig betroffen, weil sie an vielen Stellen zu eng für einen Uferstreifen sei. Doch das fruchtete wenig.

Probefläche als "Pilotprojekt"


Auf die Frage, wer von den Grundeigentümern Interesse an der Flurbereinigung habe, verwies Baudirektor Waldmann auf eine schriftliche Umfrage. Hier hatten vier Interessenten ihren Kaufwillen signalisiert, und 13 wären bereit, Flächen zu tauschen. Doch 31 Befragte sind weder für das eine noch für das andere zu haben.
Oschmann wollte wissen, ob eine Enteignung in Frage kommt. Pilhofer verwies auf das Bundesgesetz, das Uferstreifen vorsieht. Zudem gab er den mehrdeutigen Hinweis: "Dies ist der Versuch, zu freiwilligen Lösungen zu kommen. Ist es nicht möglich, müssen wir andere Lösungen suchen." Der Beamte räumte eine, dass eine optimale Lösung noch nicht gefunden wurde und empfahl Bürgermeister Stross eine Probefläche nebst Reinigung für zwei Jahre als "Pilotprojekt".

Der Vorschlag zweier Bürger aus Großenbrach, einem Fünf-Meter-Streifen in der Pflege den Vorzug vor einem 15-Meter-Streifen ohne garantierte Pflege zu geben, dürfte das Vertrauen in die Maßnahme nicht gerade forciert haben.

Die meisten Zuhörer verließen den Saal des "Goldenen Ross" eher enttäuscht und sichtlich nicht überzeugt.