Roland Dressel mag seinen kleinen Balkon oberhalb der Kapellengasse in Bad Brückenau. Besonders freute ihn immer der Ausblick auf drei alte Platanen. Am Donnerstag musste er dann mit ansehen, wie die über 100 Jahre alten Bäume innerhalb weniger Minuten gefällt wurden: "Die standen voll im Saft, da konnte gar nichts passieren", ist Dressel sauer über die seiner Meinung nach völlig willkürliche Aktion.

"Ich wohne seit 24 Jahren hier und interessiere mich einfach für besondere Bäume", erzählt Dressel. Die fünf Platanen im Stadtgebiet - eine an der Obermang, eine in der Ernst-Putz-Straße und die drei am Friedhof - hatten es ihm besonders angetan: "Platanen gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert in Deutschland", weiß Dressel. Deshalb: "Wären das Birken oder Fichten gewesen, hätte ich ja gar nichts gesagt." Die Platanen waren ihm jedoch Nachfragen bei der Stadt und beim Bund Naturschutz wert.

"Uns blutet auch das Herz", hält Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) dagegen und verweist auf ein Gutachten: "Die Bäume wurden bereits Ende 2011 von unserem Forstwirt Dieter Muth als nicht mehr standsicher begutachtet." Dass die Bäume keine großen Kronen hatten, sondern ständig zurückgeschnitten wurden und lediglich kleine Zweige austrieben, habe daran auch nichts geändert: "Ich muss mich darauf verlassen, was die Fachleute sagen", sagt Meyerdierks und pocht darauf, dass die Bäume aus Sicherheitsgründen weg mussten. Die Mitarbeiter des Bauhofes hätten sich nicht einmal mehr getraut, noch eine Leiter anzulehnen, um die Kronen wieder auszuschneiden, weil die Stämme bereits locker gewesen seien.

Als "infame Lüge" bezeichnet Roland Dressel die Aussagen der Bürgermeisterin, die ihn gestern persönlich angerufen hat, Dressels Unmut jedoch nicht besänftigen konnte. Auch der Bad Brückenauer Guido Sauer trauert den Platanen nach: Seit Monaten läuft er fast täglich die Kapellengasse hoch und hat die Bäume zu allen Jahreszeiten fotografiert. "Das war einfach ein schönes Bild: die Kirche, der Friedhof und die Platanen", erinnert er sich mit Wehmut zurück.