Nur 18 ihrer 89 Lebensjahre hat Else Dachlauer in Eckarts verbracht, doch die Verbundenheit mit dem kleinen Zeitlofser Gemeindeteil war besonders groß. Das ist an vielen Stellen im Ort abzulesen: Für den Dorfplatz spendete sie nicht nur Werke ihres verstorbenen Mannes, sondern stellte auch den Platz zur Verfügung, auf den Friedhof ließ sie die Urne ihres Mannes überführen. Am Freitag wird sie selbst dort beigesetzt - und viele aus dem Ort werden zusammen mit den vier Enkelkindern Abschied nehmen.

"Sie war eine sehr großherzige Frau", berichtet Nachbarin Gabi Stoeck. Sie erinnert sich noch genau daran, wie die das ältere Paar damals zum ersten Mal die Hardtstraße herunter kam. "Das ist jetzt 18 Jahre her", sagt Gabi Stoeck. Kurz nach dem Umzug in die Rhön heiratete das Paar, bereits eineinhalb Jahre später starb dann Bildhauer Reinhard Dachlauer (siehe Info-Kasten). Er hatte keine Kinder, Else Dachlauer hatte zwei Söhne, die allerdings bereits verstorben sind. Die vier Enkel leben in Frankfurt und im Ausland.

"Sie ist von Anfang an auf die Menschen zugegangen", erinnert sich Gabi Stoeck, und: "Sie war ein ganz offener Mensch und eine große Gönnerin." Fast täglich kam sie zur Familie Stoeck. Beeindruckt sei sie von der Dorfgemeinschaft im kleinen Eckarts gewesen."Menschen, die etwas getan haben, sind unheimlich in ihrer Achtung gestiegen", berichtet Gabi Stoeck. Deshalb unterstützte die Künstlerwitwe auch viele wohltätige und gemeinnützige Zwecke.

In diese Kategorie fiel auch die örtliche Feuerwehr unter Kommandant Martin Stoeck und die gesamte Dorfgemeinschaft: Für die Floriansjünger gab es mehrere Spenden, dafür ernannte die Wehr Else Dachlauer im Januar 2008 zu ihrem Ehrenmitglied.

2006 kam die Idee auf, in der Ortsmitte einen Platz zu schaffen. Else Dachlauer ergriff die Initiative, kaufte das verfallene Müllers-Haus samt 3000 Quadratmeter Grund und stellte es der Marktgemeinde zweckgebunden zur Verfügung.

"Von Frau Dachlauer kam der Impuls, ohne den es schwer geworden wäre, das Anwesen zu kaufen und den Platz anzulegen", blickt Ortssprecher Roland Limpert (PWG) dankbar zurück. Die Eckartser nahmen den Ball auf und steckten mehr als 2000 Stunden in Planung, Abriss, Bau und Gestaltung. Für Else Dachlauer war das eine ideale Symbiose: "Was hätte es genutzt, Geld zu geben, wenn niemand da gewesen wäre, der die Arbeiten ausgeführt hätte", sagte sie am 14. September 2008 im Rahmen der Einweihung des Platzes, der nach ihrem verstorbenen Mann Reinhard Dachlauer benannt ist.

Die eigentlichen Schmuckstücke des Platzes sind jedoch die sieben Tier-Plastiken: Drei Maribus, zwei Schuhschnäbel, ein Bär, eine Katze und eine Schlange aus Bronze tummeln sich dort. Eckarts verfügt damit über wichtige Werke eines der bedeutendsten Tier-Bildhauer der Gegenwart. Seine klaren Linien sind vor allem durch Bär und Bulle vor der Frankfurter Börse berühmt geworden. Die Symbole für Baisse und Hausse, also für fallende und steigende Kurse dürften zu den meist-fotografierten Motiven in der Main-Metropole gehören.

Die Eckartser hoffen nun, dass der Dorfplatz durch verkleinerte Replikate des Frankfurter Wahrzeichens abgerundet wird: Mehrfach hatte Else Dachlauer angekündigt, den kleinen Bullen und den kleinen Bären vor ihrem Haus nach ihrem Tod der Dorfgemeinschaft zu vermachen, damit würde das kleine Eckarts mit dem großen Frankfurt gleichziehen.

Reinhard Dachlauer und der Eckartser Dorfplatz

Leben

Reinhard Dachlauer wurde am 17. November 1922 in Frankfurt geboren und wuchs in Hofheim am Taunus auf. Nach dem Kriegsdienst verlegte er 1948 seinen Wohnsitz nach Würzburg. 1993 kaufte sich Dachlauer ein Haus in Eckarts, kurz danach heiratete er seine Frau Else. Dachlauer starb am 16. Februar 1995, sein Grab befindet sich in Eckarts.

Werk In Würzburg ging Dachlauer bei den Bildhauern Fried Heuler und Julius Bausenwein in die Lehre. Seine Werke, vorwiegend Tierplastiken in Bronze gegossen, fanden besondere Anerkennung durch Ankäufe öffentlicher Institutionen, wie im Zoologischen Garten Berlin (ein großer Gorilla und eine Gruppe von Geierperlhühnern) oder im Münsterer Zoo. Aber auch in der Würzburger Landesgartenschau ist er zu finden. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Bulle und Bär, 1988 auf dem Börsenplatz in Frankfurt am Main aufgestellt. Ab 1963 hatte er Einzelausstellungen, darunter im Haus der Deutschen Kunst in München.

Platz Dem Stadtmuseum Hofheim stiftete Dachlauers Witwe Else Dachlauer bereits 1996 acht seiner Plastiken. 2006 stellte sie dann in Eckarts nicht nur Plastiken zur Verfügung, sondern kaufte auch ein altes Anwesen in der Dorfmitte auf und schenkte es der Gemeinde. Freiwillige rissen das leer stehende Gebäude ab, mit Hilfe der Gemeinde entstand ein kleines Verkaufsgebäude mit Toiletten und ein gestalteter Platz. Der Reinhard-Dachlauer-Platz wurde am 14. September 2008 feierlich eingeweiht. rr