Wenn Claudia Pfülb aus dem Fenster ihres Hauses im Rosenweg schaut, sieht sie lauter Baustellen. Die größere, nämlich der Neubau des Mehrzweckgebäudes, stört sie dabei deutlich weniger wie ein kleines Häuschen direkt auf der anderen Straßenseite: E.on hat dort ein Trafo-Häuschen aufgestellt, derzeit werden die Hochspannungsleitungen dorthin verlegt. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich nie hierher gebaut", ist Claudia Pfülb bestürzt.
"Ich möchte in einem möglichst gesunden Umfeld leben", sagt die Wahl-Riedenbergerin. Deshalb entstand das Haus von ihr und Albert Reidelbach auch unter baubiologischen Gesichtspunkten - 20-Kilovolt-Leitung und Trafostation direkt vor der Haustür durchkreuzen alle ihre Bemühungen.
Die neue Trafostation von Eon wurde denn auch in der jüngsten Gemeinderatssitzung behandelt. Stellvertretender Bürgermeister Roland Römmelt (CSU/Freie Bürger) hatte einen entsprechenden Antrag gestellt und erhielt trotz der Einwände von Bürgermeister Robert Römmelt (SPD/Unabhängige Bürger) eine Mehrheit. "Ich habe mir einen ganzen Tag Zeit genommen, um das Thema zu besprechen. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass eine Lösung gefunden wurde, mit der alle Beteiligten leben können", sagte Robert Römmelt.
Claudia Pfülb und Albert Reidelbach erhielten auch in der Sitzung Rederecht: "Wir waren wie vor den Kopf gestoßen, als wir erfahren haben, dass E.on eine neue Trafostation gleich vor unserem Haus bauen will. Es gab keine Infos im Vorfeld." Und Claudia Pfülb sagte: "Ich bitte eindringlich darum, dass die Station weiter in Richtung Mehrzweckgeäude verlegt wird. Da stört sie wirklich keinen. Und im Mehrzweckgebäude wird sich niemand dauerhaft aufhalten."
Bürgermeister Römmelt betonte, dass die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften Sache des Bauherrn, also Eon, und nicht Aufgabe der Gemeinde sei. Gemeinderat Frank Stanger (CSU/Freie Bürger) sagte, dass sich E.on bei einem solchen Bauvorhaben an alle gültigen rechtlichen Bestimmungen halten muss und auch die erforderliche Abstandsfläche eingehalten worden sei. "In diesem Fall prallt eben eine Lebensphilosophie auf eindeutige gesetzliche Richtlinien", äußerte er Verständnis. Gemeinderat Günter Koch (CSU/Freie Bürger) schlug Verhandlungen mit E.on vor. Die Standortfrage für die Trafostation sei mit den Gemeinderäten ohnehin nicht im Detail abgeklärt worden.
Auch Hubert Statt (Freie Wählergemeinschaft) sagte, dass nie abschließend dargelegt worden sei, welche Standorte technisch machbar seien. Erst wenn klar ist, was sich technisch realisieren lässt, könnten sich die Kommunalpolitiker ein Bild machen. Bürgermeister Robert Römmelt willigte ein, erneut das Gespräch mit E.on zu suchen. Er werde den Energieversorger um einen Ortstermin mit Anliegern und Gemeinderäten bitten. "Das kann natürlich ein paar Tage dauern, bis wir den Termin bekommen. Ich fordere aber alle Gemeinderäte dazu auf, zu diesem Ortstermin zu kommen", verlangte Römmelt, um spätere, unnötige Diskussionen zu vermeiden.
Der Bürgermeister machte auch darauf aufmerksam, dass Erdverkabelung und Trafostation umfassend und wiederholt in öffentlichen Sitzungen des Gemeinderats besprochen worden sei. Jeder Bürger habe also bereits im vergangenen Jahr die Chance gehabt, sich über die Baumaßnahmen zu informieren - etwa in der Saale-Zeitung. Zudem sei die neue Trafostation notwendig. Schließlich sei jedem Bürger an einer stabilen Energieversorgung gelegen, gab er den Anliegern zu Bedenken.