"Kindergärtnerin mit Organistenkenntnissen gesucht - Wohnraum im Kindergarten wird kostenlos für Reinigungsarbeiten desselben gestellt!" So, oder ganz ähnlich war 1969 die Stellenausschreibung des Poppenrother Kindergartens formuliert, denn eigentlich waren zwei Stellen zu besetzen: zum einen suchte man im Ort händeringend einen Organisten, bzw. eine Orgelspielerin, zum anderen suchte der Vorstand des Sankt-Johannisvereins, der Träger des örtlichen Kindergartens, eine Kindergärtnerin. Die Einrichtung stand bereits ein Jahr leer, nachdem 1968 die Ordensschwestern aufhörten.
So engagierte sich sogar der Bierkutscher Leo Kröckel und fragte einen aus Oberebersbach stammenden Arbeitskollegen, ob diese "Stellenausschreibung" nicht etwas für seine Tochter wäre, "die könne doch Orgel spielen und mit der Ausbildung zur Kindergärtnerin sei sie doch auch gerade fertig geworden".
Auf diese Weise wurde Maria Müller, besser Hemmert, wie sie damals noch hieß, die erste weltliche Kindergartenleiterin in Poppenroth. Mit gerade einmal 18 Jahren und eben abgeschlossener Ausbildung wurde "Tante Maria", wie die Poppenröther nun schon seit 43 Jahren zu ihr sagen, nicht nur Kindergartenleiterin, sondern auch ihr eigener Chef; und so blieb das für die kommenden sechs Jahre. 1975 befanden sich 56 Kinder im Kindergarten, die "Tante Maria" alle alleine betreute. Erst im Lauf des Jahres wurde auf Grund des neuen Kindergartengesetzes die Arbeit etwas erleichtert und eine zweite Kinderpflegerin zur Unterstützung eingestellt.
Die "Kindergartentante" hatte inzwischen ihren Anton, einen gebürtigen Poppenrother, geheiratet und hatte bei der Geburt der ersten Tochter acht Wochen Mutterschutz genossen. 1979, nach der Geburt der zweiten Tochter nahm Maria Müller mit sechs Monaten ihre längste Auszeit vom Kindergarten. Als ihre Erstgeborene im September 1980 eingeschult wurde, musste Klaudia Beck, die ihren Dienst als 2. Kindergärtnerin erst einen Tag vorher angetreten hatte, mit allen Kindern allein bleiben. Auch sie war damals gerade erst 18 Jahre alt geworden und bildet als "Tante Klaudia" mit "Tante Maria" auch heute noch ein sehr gutes Gespann.
Viele Anekdoten, Geschichten und Begebenheiten wussten Daniela Greß, Vorsitzende des Sankt Johannisvereins Poppenroth-Albertshausen e.V. und Elternbeiratsvorsitzende Stephanie Kröckel über die inzwischen 43-jährige Arbeit der Kindergartenleiterin zu berichten. Weitere Tatsachen brachte Oberbürgermeister Kay Blankenburg zur Sprache und stellte fest: "Nachdem hier containerweise Cleanex auf den Tischen steht, können sie froh sein, dass die anderen so traurig sind, denn das bedeutet, dass sie in den letzten vier Jahrzehnten alles richtig gemacht haben".
Und in der Tat könne man sagen "alle Kinder von Poppenroth seit dem Geburtsjahrgang 1966 sind durch ihre Hände gegangen - der Kindergarten von Poppenroth, das war ihr Kindergarten". Nicht nur bei diesen Worten wurde geschnieft und es flossen Tränen, war sie doch "Freundin, Kindergärtnerin und Chefin in einer Person" und das über 43 Jahre.
"Ganz viel ihrer Lebensfreude, Menschlichkeit und Glauben ist von Ihnen auf ihre Schützlinge abgefärbt" stellte Pfarrer Edwin Ziegler fest, und Wolfgang Wimmel, der als ehemaliger Vorsitzender des Johannisvereins 27 Jahre lang "Chef" von Tante Maria war, betonte, dass es nur wenige Tage in den 43 Jahren waren, in denen die nun in den Ruhestand gehende Maria Müller nicht im Kindergarten vorbei schaute. "Selbst an Sonntagen hast du hier nach dem Rechten geschaut und auch Anton, ihr Mann, wurde als "Mädchen für alles" in den Dank mit eingeschlossen.
Damit "Tante Maria" Müller auch weiterhin immer wieder im Kindergarten vorbeischauen kann, erhielt sie vom Sankt Johannisverein unter anderem einen vergoldeten Kindergartenschlüssel. kpr