Im früheren Leitungszimmer sitzen zwei kleine Kätzchen und blicken ein wenig ängstlich in die Welt. Weil die Heizung inzwischen wieder läuft, hat es sich eine der beiden darauf bequem gemacht. Das Zimmer muss als Katzenquartier herhalten, obwohl es sich im Quergebäude des Tierheims befindet, das abgerissen werden muss. Improvisation ist gefragt, weil es zwar kaum noch Platz für Katzen gibt, aber nach wie vor fast täglich Samtpfoten abgegeben werden. Doch dank der enormen Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist Besserung in Sicht.

Am Abend des 9. Juni hatte das Quergebäude der Wannigsmühle plötzlich in Flammen gestanden. Trotz des schnellen Einsatzes der Feuerwehren war das Haus nicht mehr zu retten, das Obergeschoss brannte völlig aus. Das Schlimmste für die Tierschützer war, dass 40 Katzen bei dem Brand ihr Leben verloren. Es muss weiter gehen - das stand von Anfang an fest. Schnell war klar, dass das Haus nicht mehr zu retten ist. Es bestand ohnehin schon extremer Sanierungsbedarf, die Stromversorgung hatte das Feuer verursacht, stellte sich später heraus. Und die Wannigsmühle hat schon viele Nutzungen erfahren, als Tierheim aber war sie nie konzipiert. Also reifte bei den Verantwortlichen der Entschluss: Das Quergebäude wird als Katzenhaus nach den heutigen Standards neu aufgebaut. Aber das kostet Geld, viel Geld.

Und damit ist das Tierheim nicht gerade gesegnet. Unzählige Spenden und gelegentliche Erbschaften helfen seit Jahrzehnten dabei, den Betrieb aufrecht zu erhalten, aber das Tierheim stand auch schon einmal kurz vor der Insolvenz. Weil sie um die Finanzen weiß, bat Tierheimleiterin Ursula Boehm noch in der Brandnacht um Spenden. Da war zwar noch nicht klar, ob es eine Sanierung oder einen Neubau gibt - dass das Geld dafür nicht da ist, stand damals bereits fest. Was folgte, war eine Spendenaktion, die ihresgleichen sucht. Viele Menschen starteten Aktionen, um an Geld zu kommen. Das reichte vom Teeverkauf über Sponsoren-Läufe und Fotoaktionen bis hin zu Benefizkonzerten. Andere überwiesen Geld von ihren Konto. "Es gab auch viele, die anonym gespendet haben", sagt Ursula Boehm.

Nach aktuellem Stand sind rund 1,5 Millionen Euro zusammengekommen, eine Summe, mit der Ursula Boehm und ihre Mitstreiter niemals gerechnet hätten. Sie sind unendlich dankbar dafür und blicken optimistisch nach vorn. "Diese phänomenale Solidarität und Wertschätzung unserer Arbeit zeigt eigentlich auch wie wichtig die Existenz der Wannigsmühle den Leuten ist. Die Spendenaktion war fantastisch, das werden wir niemals vergessen."

"Spenden kann es nicht genug geben", sagte Landrat Thomas Bold anlässlich der Grundsteinlegung für das neue Hundehaus. "Wir wissen, was wir an der Wannigsmühle haben." Er stellte Unterstützung in Aussicht, allerdings müsse der Kreistag darüber entscheiden. Auch der stellvertretende Landrat des Landkreises Rhön-Grabfeld, Bruno Altrichter, würdigt die Arbeit des Tierheim-Teams und wird sich um Unterstützung bemühen. Nach Fertigstellung des Hundehauses voraussichtlich im Februar 2022 soll der 2. Bauabschnitt - der Neubau des Katzenhauses - beginnen, sagte Architekt Herbert Osel. Die Höhe der Gesamtkosten steht noch nicht fest, unklar ist auch Summe, die die Versicherung für das abgebrannte Gebäude zahlt.

Rund 1000 bis 1300 Tiere werden pro Jahr im Tierheim aufgenommen und größtenteils weiter vermittel. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 800 000 Euro. "Alles wird teurer", sagt Ursula Boehm. Die Tierärzte beispielsweise hätten in den letzten fünf Jahren ihre Preise permanent erhöht. Außerdem kümmert sich das Tierheim auch um Tiere, die nicht im Heim leben. Dazu zählt die Kastration von wild lebenden Katzenkolonien.