Für einen Corona-Test müssen die Deutschen seit dem 11. Oktober in ihre eigene Tasche greifen. Das kann schnell teuer werden: Private Teststationen berechnen laut Angaben des BR zwischen 12 und 35 Euro für den Schnelltest. PCR-Tests kosten zwischen 45 und über 100 Euro. Hausärzte berechnen unter manchen Bedingungen um die 35 Euro für Schnelltests. Die Redaktion ging den Fragen nach: Müssen die Angestellten in Apotheken und Schnelltestzentren sich nun mit Kundinnen und Kunden herumschlagen, die sich beschweren? Gab es gefälschte Atteste, um an kostenlose Tests zu kommen? Und wer muss weiterhin nichts zahlen?

Probleme hatte Rita Schubert von der Falken-Apotheke in Hammelburg bisher keine: "Die Kunden murren nicht. Sie zahlen die 15 Euro, die wir verlangen." Sie müssten bei Schuberts Apotheke schon bei der Anmeldung auswählen, ob es eine Berechtigung für einen kostenfreien Test gibt oder ob sie zahlen müssen. Das beuge unangenehmen Überraschungen und Debatten vor Ort vor. Aber sie gibt auch zu: "Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt, um für Diskussionen gewappnet zu sein."

Bisher keine gefälschten Atteste

Lilly Herford macht die Tests in der Adler-Apotheke in Bad Kissingen. Sie hat bisher ebenfalls keine schlechten Erfahrungen gemacht. "Wir machen schon bei der Terminvereinbarung darauf aufmerksam, wie viel es kostet, dann beschwert sich auch niemand." Gefälschte Atteste, um sich vor den Kosten zu drücken, hat sie noch genauso wenig gesehen wie echte: Null. Wer kommt, ist ungeimpft und will dort hin, wo 3G gilt, wie Kino oder Friseur."

Ebenfalls nichts zu beklagen hat Manuel Vorndran vom Bayerischen Roten Kreuz: Keine gefälschten Atteste, keine Diskussionen über Kosten. Herford und Vorndran sprechen beide davon, dass jetzt weniger Personen kommen, um sich testen zu lassen. Aber auch schon vor dem 11. Oktober sei ein Rückgang spürbar gewesen. Zum einen, weil immer mehr Personen geimpft sind und keinen Test benötigen, zum anderen "wiegt sich das geimpfte Volk in Sicherheit", so Vorndran.

Wer weiterhin nichts zahlt

Auch in der Falken-Apotheke ist der Bedarf gesunken. In ein bis zwei Wochen passt Schubert wohl die Öffnungszeiten an. Sie findet es dennoch überraschend, wie viele Personen das Testangebot noch annehmen. Ein Teil davon wird ihr erhalten bleiben: "Die Hälfte der getesteten sind Kindergarten- oder Schulkinder, die zweimal wöchentlich einen Test brauchen." Ein paar Gruppen zahlen laut dem bayerischen Gesundheitsministerium weiterhin nichts: Alle, die Symptome haben, Kinder bis einschließlich elf Jahren und Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. "Das kommt aber normalerweise nicht vor", sagt Apothekerin Schubert. Bis auf ganz wenige Krankheitstypen könnten sich alle impfen lassen. Stillende haben bis zum 10. Dezember dazu die Möglichkeit. Schwangere und Personen bis einschließlich 17 Jahren haben bis Jahresende Zeit, die Impfung nachzuholen. Auch Personen, die sich aus der Quarantäne freitesten wollen und Kontaktpersonen müssen nichts zahlen.

Schriftlicher Nachweis erforderlich

Für alle fordert Schubert einen schriftlichen Nachweis. Bei denen, die sich nicht impfen lassen können, ist es ein Attest. Schwangere und Stillende weisen sich mit dem Mutterpass aus, Kontaktpersonen über die Corona-Warn-App. Die Freitestung aus der Quarantäne benötigt eine Bestätigung des Gesundheitsamtes. Bei Minderjährigen wird es schwieriger. "Das hat sich die Regierung zwar so überlegt, einen Kinder- oder Schülerausweis hat aber nicht jeder." Hier tut es die Krankenkassenkarte.Auch soll es weiterhin kostenlos sein, Angehörige in Pflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung zu besuchen. In Bad Kissingen hat die Sache jedoch einen Haken: Bieten Einrichtungen die Tests nicht im eigenen Haus an, müssen sich Besucherinnen und Besucher in kommunalen Schnelltestzentren testen lassen. Doch die gibt es in Bad Kissingen nicht. Die Teststrecke in Oerlenbach bietet für sie keine Tests an, sondern ausschließlich PCR-Tests für bestimmte Personengruppen wie etwa Erzieherinnen. "Wir Apotheken gehören zu den ,sonstigen Dienstleistern', nicht zu den kommunalen", sagt Apothekerin Rita Schubert. Daher testen sie die Personen, die Heime besuchen wollen, nicht kostenlos. Hier gebe es ab und zu Missverständnisse auszuräumen.

Motivieren die Kosten zum Impfen?

Lassen sich durch die Kosten der Tests nun doch Leute zum Impfen motivieren? Schubert sagt: "Die Impfgegner sind ja nicht eine große Masse. Zum einen gibt's die festen Impfgegner, die sind nicht mehr vom Gegenteil zu überzeugen. Mit ihnen zu diskutieren, wäre vergebene Mühe." Dann gebe es die, die sich unsicher sind und auf eine Totimpfung warten. Die komme aber wahrscheinlich erst im Frühjahr. "Das ist den ein oder anderen vielleicht zu teuer, und sie lassen sich vielleicht doch anderweitig impfen."