Im Zuge der Renovierung der Kriegsgräber von 1866 im Kapellenfriedhof hat die Stadt Bad Kissingen auch das Grab des "unbekannten Bayern" in der Nähe der Sakristei der Marienkapelle renovieren lassen. Die Grabeinfassung hatte zuvor die im Kapellenfriedhof tätige Helfergruppe wiederhergestellt.


Gelernter Buchdrucker

Ganz so unbekannt ist aber der "tapfere Bayer" nicht, Gerhard Wulz hat in seinem Buch über den
Kapellenfriedhof nachgewiesen, dass der Gefallene Schmidt hieß, im Zivilberuf Buchdrucker und beim Militär Korporal im 6. Jäger-Bataillon war.
Gefallen ist der Oberfranke in der Nähe des Hotels Sanner, heute Rhön-Klinikum der früheren BfA, im Kampf mit etwa zehn preußischen Soldaten. Die Preußen haben ihm zugerufen, sich zu ergeben. Dies hat er lauthals abgelehnt und einen Preußen erschossen. Da er mit seiner Vorderladerwaffe diese nur im Stehen hätte wieder laden können, wurde er wehrlos von der preußischen Übermacht erschossen und noch am selben Tag in der Nähe des Hotels begraben. Angebracht wurde dort auch ein Täfelchen mit der Aufschrift "Hier ruht ein in seiner Pflicht gefallener tapferer Bayer". Er wurde später in den Bad Kissinger Kapellenfriedhof umgebettet.
Für diesen Fanatismus des Oberfranken hat man heute kein Verständnis. Sein Verhalten zeigt jedoch, dass die bis 1803 zu Preußen gehörenden Ober- und Mittelfranken 60 Jahre später keinen Bezug zu Preußen mehr hatten, vor allem nicht als Besatzer.


Treffen zur Grabpflege

Um die Soldatengräber von 1866 rechtzeitig bis zum 10. Juli herauszuputzen, treffen sich die ehrenamtlichen Helfer am Mittwoch, 22. Juni, schon um 15 Uhr im Kapellenfriedhof, um einer Gruppe von Schülern der Mittelschule Bad Kissingen die Mitarbeit zu ermöglichen. Bei der Arbeit geht es um die Gräber von zwei preußischen Offizieren und allgemein um Entfernung von Efeu an Gräbern. Alle Helfer bringen entsprechende Geräte mit.