Elisabeth und Rudolf Plobner freuen sich beim Blick aus dem Schaufenster ihres kleinen Lebensmittel-Ladens in der Oberbacher Ortsmitte. "Die Straße ist schön geworden", sagt Rudolf Plobner. Aber: "Die Einschränkungen waren schon groß", fügt der 71-Jährige gleich an. "Die Kunden wollen nun mal bis vor's Geschäft fahren", sagt Elisabeth Plobner, die den kleinen Tante-Emma-Laden geerbt hat. Drei Generationen der Familie Ziegler führten das Geschäft vor ihr: "Den Laden gibt es seit über 100 Jahren."

"Solange wir gesund sind und es uns Spaß macht, machen wir das weiter", betont Elisabeth Plobner. Auch wenn am Ende des Tages oft nicht viel überbleibe. Aber: "Gerade die Älteren sind froh, dass wir noch da sind", sagt sie.
"Die Arbeiter waren sehr hilfsbereit und zuvorkommend", habe die örtliche Baufirma Väth mit dazu beigetragen, dass die Plobners die Baustelle nicht zum Anlass nahmen, alles hinzuwerfen. "Wir hatten durchgehend geöffnet", hielt der kleine Laden die Durststrecke durch. Zum Teil hätten die Kunden eben in der Bergstraße hinter dem Haus geparkt. "Wir mussten halt auch einiges tragen", berichtet Rudolf Plobner. "Und einigen Kunden haben wir die Sachen auch Nachhause gefahren."


Parkplatz am Haus steht aus


Während die Plobners am Montag in ihrem Geschäft arbeiteten, machten sich etliche Nachbarn auf den Weg zur offiziellen Einweihung der neu gebauten Ortsdurchfahrt.
"Die Bauzeit wurde zwar etwas überschritten, aber dafür ist sehr gut gearbeitet worden", berichtet Steffen Kiesel, der als Bauleiter im Landratsamt für die Baustelle zuständig war. "Die Anwohner waren sehr kooperativ und es war natürlich gut, dass wir eine Baufirma aus dem Ort hatten", ergänzt Sabine Schiffler vom beauftragten Ingenieurbüro Hahn.

Landrat Thomas Bold (CSU) erinnerte in seiner Rede daran, dass die ersten Gespräche über den Ausbau bereits 1996 stattfanden. "Ich freue mich, dass wir jetzt eine Straße haben, die allen Ansprüchen gerecht wird", sagte Bold und hofft, dass "jetzt wieder mal 30 oder 40 Jahre Ruhe" sei. Der Wildfleckener Bürgermeister Alfred Schrenk verwies darauf, dass nach dem Dorfplatz und dem Kirchenumfeld das dritte große Projekt in sechs Jahren beendet wurde. "Jetzt steht nur noch der Parkplatz am Haus der Schwarzen Berge aus", schloss Schrenk.

Kosten Die Baukosten für die Ortsdurchfahrt liegen insgesamt bei 1,32 Millionen Euro. Auf den Landkreis entfallen 797.000 Euro, darunter 395.000 Euro für die Fahrbehn, 73.000 für die Sanierung der Brücke, 95.000 Euro für Stützmauern, 54.000 Euro an Abrisskosten, 13.000 Euro für Grunderwerb und Vermessung sowie 167.000 Euro Verwaltungskosten. Die Ausgaben für den Markt Wildflecken liegen bei rund 525.000 Euro, davon 354.000 Euro für Gehwegbau, 98.000 Euro für Wasserleitungs- und 49.000 Euro für Kanal-Bau sowie jeweils 12.000 Euro für Straßenbeleuchtung und Grunderwerb. Insgesamt gibt es 365.000 Euro Zuschüsse aus dem Bayerischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz.

Umfang In Vorbereitung auf den Ausbau wurden 2004 das Anwesen Ruppel (heutiger Dorfplatz) und 2010 die Alte Schule abgerissen. Außerdem wurde die Neu-Gestaltung des Kirchenumfeldes abgewartet. Die ausgebaute Strecke in der Ortsdurchfahrt hat eine Länge von rund 500 Metern.

Bauzeit Die staatlichen Zuwendungen wurden im Februar 2010 beantragt, der Wirtschafts- und Umweltausschuss des Landkreises vergab die Arbeiten im April 2011. Baubeginn war dann im Mai 2011, letzte Restarbeiten haben sich bis in den Oktober 2012 hingezogen.

Umlage Auf die Anwohner wird lediglich ein Teil der Kosten für die Gehwege umgelegt. Weil es sich bei der Ortsdurchfahrt um eine Haupterschließungsstraße handelt, liegt der Umlagesatz bei 55 Prozent. Zudem übernimmt der Landkreis noch einen Teil für Angleichungen oder Bordsteine. Die Gemeinde rechnet derzeit mit einem Betrag von rund 135.000 Euro, der auf alle Anwohner der Straße umgelegt wird. Der Zeitpunkt steht aber noch nicht fest.