Fahrer und Beifahrer erlitten leichte Verletzungen. Für die Bergung des Lkw wurde die B279 bis Samstagmittag komplett gesperrt. Inzwischen ist die Strecke wieder für den Verkehr freigegeben.

Kurz vor 1 Uhr war das Gespann aus Hessen kommend von der sogenannten Schwedenschanze in Richtung Bischofsheim unterwegs. Im Bereich der zweiten Einfahrt nach Oberweißenbrunn verlor der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug und kam mit der Zugmaschine nach rechts auf den Grünstreifen. Das Zugfahrzeug wurde dadurch so stark abgebremst, dass der Auflieger nach links ausbrach und die Zugmaschine umriss. Der komplette Sattelzug schleuderte danach etwa 50 Meter über die Straße. Der Anhänger stürzte schließlich ebenfalls um und blieb entgegen der ursprünglichen Fahrrichtung im Straßengraben liegen.


Trotz eisglatter Fahrbahn unterwegs

Nach ersten Feststellungen der Bad Neustädter Polizei war die Straße zum Unfallzeitpunkt aufgrund überfrierender Nässe glatt. "Gefahrengut-Transporter dürfen bei Glatteis gar nicht fahren", sagte Thomas Gütlein, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Bad Neustadt und Einsatzleiter, am Unfallort. "Bei solchen Witterungsverhältnissen gilt die Vorschrift, sofort den nächsten Rastplatz anzufahren."

Der Inhaber des im Landkreis Rhön-Grabfeld ansässigen Mineralölvertriebs sah das allerdings nicht so: "Wenn die Straße befahrbar ist, sind meine Leute unterwegs." Dass es nun eben an dieser Stelle glatt gewesen sei, könne passieren.


200.000 Euro Schaden

Der 48-Jährige am Steuer des Zuges wurde durch den Unfall leicht verletzt, sein ein Jahr jüngerer Beifahrer erlitt schwerere Verletzungen, ist jedoch außer Lebensgefahr. Beide wurden zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Den entstandenen Sachschaden schätzt die Polizei auf mindestens 200.000 Euro. Der Inhaber geht indes von 30.000 Schaden aus.

Da zunächst nicht auszuschließen war, dass der vollbeladene Tank beschädigt sein könnte, wurden neben dem Chef der verantwortlichen Firma auch Experten des Wasserwirtschaftsamtes, der Feuerwehr und des Landratsamtes hinzugezogen. Nach eingehender Prüfung wurde festgestellt, dass der Behälter dicht ist und somit glücklicherweise keine Gefahr für Menschen oder die Umwelt besteht und die Ladung gefahrlos abgepumpt werden kann.

Eine Spezialfirma bohrte den Tank an und beförderte das Heizöl mit Hilfe von externen Pumpen in ein Ersatzfahrzeug der betroffenen Transportfirma. Danach wurde das umgestürzte Gespann mit einem Spezialkran aufgerichtet und geborgen.

Zur Ausleuchtung und Absicherung der Unfallstelle befanden sich die Feuerwehren aus Bischofsheim, Wildflecken, Oberweißenbrunn, Frankenheim mit rund 50 Einsatzkräften vor Ort.


Hätte der Fahrer überhaupt fahren dürfen?

Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, stand anfangs bezüglich des Unfalls die Frage im Raum, ob der Fahrer angesichts der Wetterverhältnisse überhaupt hätte fahren dürfen. Die ermittelnden Beamten weisen darauf hin, dass der 48-jährige Lkw-Führer nach derzeitigem Stand der Ermittlungen fahren durfte.

So gab es dem Kenntnisstand nach auch keine Warnfunkmeldung z.B. über Radio bezüglich überfrierender Nässe, Glatteisgefahr oder konkrete Hinweise für die Führer von kennzeichnungspflichtigen Gefahrguttransportern für diese Region. Die Ermittlungen konzentrieren sich laut Polizei insbesondere darauf, ob die Geschwindigkeit den Wetterverhältnissen angepasst war.