Da staunte Judith Michel nicht schlecht. Die Glühbirnen knallten durch, aus dem Fernseher drang dichter Qualm. Auch die Tür- und Telefonanlage hat ihren Geist aufgegeben. "Weil es die nicht mehr gibt, brauchen wir eine andere", sagt Judith Michel."Und die kostet 1600 Euro."

Keine Probleme

Die alte Häfnerei in der Jörgentorgasse haben die Michels schon vor Jahren hergerichtet. Dabei wurde auch die Elektrik erneuert. Probleme gab es keine. Doch dann kam der Ärger. Ein großer Stromanbieter hat den Michels mitgeteilt, dass der Stromzähler ausgetauscht werde. Ein Termin wurde vereinbart und ein Elektriker, der nicht in der Region ansässig ist, beauftragt, den Zähler zu wechseln.

Zuvor hatte Judith Michel den Hinweis erhalten, alle Standby-Geräte auszuschalten.
Und so zog die Münnerstädterin bei Fernseher und Computer den Stecker, schaltete auch die Heizung aus. "Gott sei Dank", sagt sie jetzt. Sonst wäre vermutlich auch noch die Heizungsanlage kaputt. Warum der Fernseher trotzdem noch drauf gegangen ist, erzählt sie später.

Hauptschalter aus, Zähler raus, neuer Zähler rein, Hauptschalter an - so läuft das normalerweise. In diesem Fall war bereits bei Punkt zwei Schluss. "Er hat ihn nicht heraus bekommen", erzählt Judith Michel. Also sollte für diesen Tag, es war der 23. Januar, erst einmal Schluss sein. Der Hauptschalter musste natürlich wieder rein. Dabei scheint der Schalter kaputt gegangen zu sein. "Ich habe nur gemerkt, da stimmt was nicht. Das Licht hat geflackert und war sehr hell. Außerdem haben die Trafos geknackt." Auch der Kühlschrank reagierte recht seltsam, erinnert sie sich.

Fernseher rauchte ab

Also habe der Elektriker den Schalter wieder auf "Aus" gestellt und sich auf die Fehlersuche gemacht. Den Defekt habe er allerdings nicht finden können. Weil der Elektriker auch seinen Chef nicht erreichen konnte, hat Judith Michel reagiert und sich bei einem heimischen Elektriker Hilfe geholt. "Schließlich brauche ich Strom im Haus." Zuvor hatte sie nämlich alle Geräte nach und nach wieder anschalten sollen, wobei der Fernseher seinen Geist in Form von Qualmwolken aufgab.

Der Hauptschalter ist schließlich vom heimischen Elektriker als Quelle des Übels identifiziert worden. "Der Null-Leiter war defekt, wodurch es Überspannungen gab", sagt Judith Michel. So habe sie es sich erklären lassen. Inzwischen war auch der Chef des ersten Elektrikers eingetroffen, der es dann problemlos schaffte, den Zähler zu wechseln. Sein Angestellter könne nichts dafür, habe der Chef gesagt und auch Judith Michel macht ihm keinen Vorwurf. "So etwas kann ja passieren." Allerdings sitzt sie jetzt auf einen nicht unerheblichen Schaden.

Die Schadensbilanz

Der Fernseher macht es nicht mehr, die Kaffeemaschine ist hinüber, etwa acht Glühlampen sind durchgebrannt, der Internet-Router hat seinen Geist aufgegeben und der Bewegungsmelder verweigert den Dienst.
Das schlimmste aber ist der Ausfall der Tür- und Telefonanlage. Judith Michel hat sich vorübergehend ein Telefon mit Schnur geborgt und es in die Hauptdose im Wohnzimmer gesteckt. Ein Telefon für die große Familie ist allerdings ein bisschen wenig. "Wenn es überhaupt jemand hört."

Natürlich hat sie sich auch schon um eine neue Tür- und Telefonanlage gekümmert, aber ihre alte gibt es nicht mehr. So muss eine ganz neue her.

Und wer soll das alles bezahlen? Judith Michel hat beim Energieversorger angerufen. Dort hat man ihr mitgeteilt, dass es für solche Fälle eine Versicherung gebe. Das müsse natürlich im Einzelfall geprüft werden.
Am Donnerstag hat sie die Unterlagen zur Post gebracht. Rechnungen, Kostenvoranschläge - alles was so verlangt wird. Und nun hofft sie, dass der Schaden bald bezahlt wird und wieder normale Verhältnisse in die alte Häfnerei einziehen.