Der Verhandlungstermin vor der Schweinfurter Kammer des Arbeitsgerichts Würzburg ging ohne Ergebnis zu Ende. Das Gericht muss erst entscheiden, ob es für die zweite, im Januar ausgesprochene Kündigung überhaupt zuständig ist. Franz Geus, Anwalt der Lebenshilfe Schweinfurt, hatte die Rechtswegzuständigkeit gerügt.
Seiner Ansicht nach muss vor einem ordentlichen Gericht und nicht vor einem Arbeitsgericht verhandelt werden. Geus argumentierte damit, dass Oberfichtner zum Zeitpunkt der zweiten Kündigung noch dem Vorstand der Lebenshilfe angehört habe. Das Ende der Vorstandsmitgliedschaft ist zwischen den Parteien aber strittig. Es geht um die Frage, ob die faktische Abberufung im November oder die Änderung im Vereinsregister, die erst in der Zeit nach der Kündigung eingetragen wurde, entscheidend ist.
Der Anwalt der Lebenshilfe hat auch Strafanzeige gegen Oberfichtner gestellt. Er sieht mehrere Vermögensdelikte erfüllt. Auch bei drei- bis vierstelligen Beträgen sei in dieser Position das Vertrauen kaputt, sagte Geus auf Nachfrage. Oberfichtner und sein Anwalt Christof Cramer wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen abgewartet werden.
Oberfichtner will nach wie vor wieder als Werkstattleiter arbeiten. "Er wäre auch bereit, in selber Form auch woanders als Werkstattleiter zu arbeiten", erklärte Cramer im Gericht. Der Anwalt schlug zum Beispiel einen Tausch der Einrichtungsleiter vor. Die Forderung einer Abfindung sei "nur ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen". "Vorrangiges Ziel ist die Weiterbeschäftigung."
Laut Geus und dem Vorsitzenden der Lebenshilfe, Wilfried Glock, fehlt dafür aber das Vertrauen. Dass das "Tischtuch zerschnitten" sei, sagte Geus. "Wir haben ein faires Angebot gemacht, weil wir nicht wollten, dass die Sache hochkocht." Konkret sah das Angebot vor, Oberfichtners Gehalt bis zum 31. März zu zahlen und es gegen eine Abfindung bei der Kündigung zu belassen. Oberfichtner hatte abgelehnt. Seiner Aussage nach würde die Abfindung 39 000 Euro betragen. Er nannte die Summe lächerlich.