Der Bad Kissinger Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung der unendlichen Geschichte "Umbau der Garitzer Kreuzung" ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Auf der Tagesordnung stand der Abschluss einer Vereinbarung mit dem Staatlichen Bauamt zur Kostenteilung. Tatsächlich kam es aber erneut zu einer Grundsatz-Diskussion über Kreuzung oder Kreisel.
Am Ende wurde das Thema vertagt, um Abteilungsleiter Matthias Wacker vom Staatlichen Bauamt in einer der nächsten Sitzungen zu hören.
Auf 1,94 Millionen Euro ist die Kostenschätzung für den Kreisverkehr mittlerweile gestiegen, berichtete Horst Geier von der Stadt-Verwaltung. Die Stadt muss 26 Prozent davon tragen, weil sie mit der Schönbornstraße angrenzt. Das wären 504 000 Euro, bei einer erhofften Förderung von 60 Prozent reduziert sich der städtische Anteil auf 201 600 Euro. In einem Nebensatz erwähnte Geier, dass eine Kreuzung nur 1,7 Millionen Euro kosten würde, der städtische Anteil wäre also um rund 25 000 Euro geringer.
Diese Auskunft rief die Kreisel-Gegner wieder auf den Plan: "Bei den Vorbesprechungen hieß es immer, dass beide Lösungen zwischen 1 und 1,1 Millionen Euro kosten", sagte etwa CSU-Fraktionssprecher Michael Heppes. Auch Fraktionskollege Steffen Hörtler reagierte ungehalten: "Das finde ich empörend", sagte er, und: "Jeden Euro kratzen wir zusammen, aber in den großen Dingen stimmen wir zu, nur damit es voran geht."


"Das ist nicht nachvollziehbar"

"Wir haben einen Beschluss, da kann man einfach nicht weg", sagte dagegen Karin Renner (CSU). "Ich bin nach wie vor für den Kreisel, auch wenn ich über die Preis-Steigerung entsetzt bin", sagte Grünen-Stadtrat Richard Fix. Er verwies darauf, dass der Bauausschuss bereits vor einem Jahr mit 8:3 und der Stadtrat dann im Februar endgültig mit 17:11 Stimmen den Kreisel befürwortet habe.
Trotzdem gab es Widerspruch: "Eigentlich hatte ich mich mit dieser demokratischen Entscheidung abgefunden, aber das ist nicht nachvollziehbar", kündigte etwa Bürgermeister Thomas Leiner (CSU) eine Ablehung der Kosten-Vereinbarung an. "An der Geschäftsgrundlage des ursprünglichen Beschlusses hat sich einiges geändert", fasste Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) die Kritik zusammen. Der Unterschied von rund einer Viertel Million Euro zwischen Kreuzung und Kreisel seien immer hin ein Viertel der ursprünglichen Kostenschätzung.
Thomas Hornung von der Tiefbauabteilung der Stadt konnte zumindest einen Teil der Kostensteigerungen begründen: Zum einen wird die Fahrbahn in alle vier Richtungen weiter ausgebaut als ursprünglich vorgesehen, die Radweg-Brücke über die Steinmauer schlägt alleine mit 180 000 Euro zu Buche. Diese Kosten würden unabhängig von Kreuzung oder Kreisel anfallen. Die Differenz zwischen Kreuzung und Kreisel konnte aber auch er nicht erläutern. "Ich weiß nicht, ob wir die Brücke wirklich brauchen, auch die zweite Fußgänger-Ampel in Richtung Oberthulba finde ich überflüssig", sagte Richard Fix.


In Abstimmung mit der Stadt

"Die Brücke war ein Wunsch der Stadt Bad Kissingen und die komplette Planung wurde mit der Stadt abgestimmt", wunderte sich Matthias Wacker vom Staatlichen Bauamt am Donnerstag auf Nachfrage über die Diskussion. "Wir haben immer gesagt, dass beide Knotenpunktsformen gleichwertig sind", erinnerte er daran, dass das Staatliche Bauamt auch eine Kreuzung gebaut hätte. Landkreis und Stadt hätten sich für den Kreisverkehr ausgesprochen. Was den Kreisel teurer macht als die Kreuzung konnte Wacker gestern auch nicht klären: "Da muss ich erst unsere Planer fragen." Auf alle Fälle müsse bei einem Kreisel mit Bypass die Mauer zum St. Elisabeth-Kindergarten versetzt werden. "Ich wollte ja gestern kommen, aber es hieß, dass ich nicht zu kommen brauche", bedauerte Wacker die erneute Verzögerung. Er versuche jedoch, spätestens in der übernächsten Sitzung zu informieren.