Die Bundeswehr geht zum Teil, große Probleme entstehen. Weil der Landkreis Bad Kissingen erneut mit gravierenden Folgen des Truppenabbaus zu rechnen hat, soll nun ein Konversionsmanagement eingerichtet werden. Das hat der Wirtschafts- und Umweltausschuss einstimmig beschlossen.
Landrat Thomas Bold (CSU) nannte Pläne, fast 1400 Dienstposten in Hammelburg und Wildflecken abzubauen, "einen gravierenden Einschnitt in die Wirtschaftsstruktur" das Kreises. Die Standorte seien ein wichtiges wirtschaftliches und strukturpolitisches Standbein. Die Reform werde viele zivile Arbeitsplätze in Handel, Handwerk und Dienstleistung vernichten. Er befürchtet Kaufkraftverluste von 65 Millionen Euro. Bold: "Konversionsmaßnahmen sind unabdingbar."
Vor Jahren, so Bold, habe die US-Army 8000 Soldaten und Angehörige abgezogen. 900 Zivilisten verloren ihre Jobs. Bis heute hätten der Markt Wildflecken und der gesamte Landkreis diesen Aderlass nicht verkraftet. Ein erkennbarer Ausgleich habe bisher nicht stattgefunden.

90 Prozent Förderung


Die Bundeswehrstandorte hätten dazu beigetragen, die Infrastruktur zu verbessern und auszulasten. Bold forderte vor diesem Hintergrund die Aufstockung und den gezielten Einsatz von Fördermitteln aus verschiedenen Programmen. Das Wirtschaftsministerium sollte helfen, Entwicklungskonzepte, Bestands- und Potenzialanalysen zu erarbeiten. Die militärischen Liegenschaften seien unter dem Marktpreis abzugeben. Schließlich seien Investitionen zum Ausbau der Infrastruktur zu unterstützen. Hierher könnten Behörden verlagert, hier könnten berufsbegleitende Studiengänge etabliert werden. Als Beispiele nannte er eine Tourismusfach-, eine Fach- und Berufsoberschule oder auch ein Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe.
Nach Ansicht von Bold sind gezielte Entwicklungskonzepte und ein qualifiziertes Konversionsmanagement nötig. Hierzu habe das bayerische Wirtschaftsministerium gegenüber dem Landkreis Mittel für maximal zwei Fach- und eine Hilfskraft in Aussicht gestellt. Das Projekt habe eine Laufzeit von fünf Jahren und werde zu 90 Prozent gefördert. Der Kreis hat zur Kofinanzierung in den Etat von 2012 50 000 Euro eingestellt. Das würde reichen für ein Quartal.
Einstimmig beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, einen Förderantrag zu stellen.

Gegen den Hausärztemangel


Ebenso ohne Gegenstimme wurde der Regionale Planungsverband aufgefordert, die Stellungnahmen von Kreis und Kommunen in Sachen Windkraft in den Verordnungsentwurf einzuarbeiten. Schnellstmöglich seien neue Erkenntnisse zu Windgeschwindigkeiten und Möglichkeiten einer Zonierung von Landschaftsschutzgebieten in das Konzept einzubringen. Hier sind noch viele Fragen offen. Dennoch will der Kreistag, dass der generelle Ausschluss von Windkraftanlagen in geschlossenen Wäldern möglichst schnell aufgehoben wird. Das würde die Genehmigung einiger Bürger-schaftsprojekte ermöglichen.
Außerdem soll die Verwaltung prüfen, ob es Sinn macht, einen Weiterbildungsverbund für das Fach Allgemeinmedizin einzurichten. Zugrunde liegt dem ein Antrag der SPD. Fraktionssprecher Wolfgang Görner sagte, man wolle so dem Ärztemangel auf Land entgegenwirken. Bold nannte die Anregung "absolut positiv". Wolfgang Back (CSU) sagte, schon jetzt sei die Versorgung hier nicht mehr gewährleistet. Laut Waldemar Bug (ödp) ist die Situation "prekär". ed