Seit Anfang des Jahrtausends ist der Ausbau der St2290 zwischen Stangenroth und Gefäll ein Thema. Das Projekt verzögerte sich ständig. Der Markt Burkardroth schob die Schuld auf den Geldmangel des Staats. Das staatliche Bauamt sah es allerdings als ein weniger wichtiges Projekt an. Dazwischen geschah wenig - außer, dass die Straße zunehmend schlechter wurde. Heuer sollen endlich die Baumaschinen anrücken um das Straßenstück zukunftsfest zu machen. Dafür muss eine seltene Tierart vertrieben werden. Und: Ist der Ausbau in Zeiten der Verkehrswende noch zeitgemäß?

Das Staatliche Bauamt Schweinfurt, das für die Bauarbeiten zuständig ist, hat hier eine deutliche Position. Im Fokus steht die Verkehrssicherheit. Dafür wird laut Nina Marder, Pressesprecherin der Behörde, die Straße von 5,40 Metern auf 6,50 Meter verbreitert. Außerdem bauen Arbeiter die Fahrbahn neu auf und optimieren die Linienführung. Auf den ersten Blick könnte das bei den Pendlern für Erleichterung sorgen.

Allerdings: "In Sachen Unfällen ist der Bereich unauffällig. Was es gab, waren der ein oder andere Wildunfall", sagt Florian Heuring, der Sachbearbeiter für den Bereich Verkehr bei der Bad Kissinger Polizeiinspektion. In Zahlen ausgedrückt: In den vergangenen zwei Jahren zählten die Beamten 12 Unfälle. Zehn davon waren Wildunfälle.

Probleme liegen tiefer

Schwerer dürfte die Konstruktion der Straße wiegen. Fahrbahnaufbau, Trassierung und Querschnitt genügen nicht mehr den Anforderungen, die an eine Staatsstraße zu stellen sind, teilte Nina Marder schon im vergangenen Sommer mit. Hinzu kommt, dass der Gesamtaufbau der Straße nicht frostsicher ist und den gestiegenen Verkehrsbelastungen nicht mehr gewachsen ist. Täglich sind dort laut Bauamt rund 3500 Fahrzeuge unterwegs. Darunter auch etliche Lkw.

Das Mittel der Wahl ist somit der Vollausbau. Große Erdbewegungen bedarf es dafür laut der Behörde nicht. Dennoch soll sich durch den "vergleichsweise geringen Eingriff in das Umfeld" der Verkehrsfluss verbessern. Zudem gibt es breitere Bankette und zwei Regenrückhaltebecken.

Weil sich der Verlauf, die Lage und die Höhe der Trasse durch die Bauarbeiten verändern, muss das Staatliche Bauamt in die Natur eingreifen. Der Ameisenbläuling - ein Schmetterling, der auf der roten Liste mit dem Status "gefährdet" geführt ist - flattert im Trassenumfeld .

Das staatliche Bauamt hat deshalb zwei "Vergrämungsmahden" angesetzt. Erstmals abgemäht wurde im vergangenen Jahr, die zweite Mahd erfolgt ab Mai bis August 2022. In der zweiten Jahreshälfte sollen die eigentlichen Bauarbeiten dann beginnen. Zum Jahresauftakt 2023 möchte die Behörde mit dem Ausbau fertig sein.

Bau wird günstiger als erwartet

Für den 1,3 Kilometer langen Streckenabschnitt rechnet das Bauamt derzeit mit Kosten von 2,2 Millionen Euro. Ursprünglich hatte der Freistaat mit 2,5 Millionen Euro höhere Kosten angesetzt.

Erste Konzepte des Vollausbaus reichen zurück in die 2000er Jahre. Im Jahr 2011 fand das Vorhaben schließlich Aufnahme in den 7. Ausbauplan für die Staatsstraßen in Bayern. Die damaligen Mäharbeiten und Markierungen mit Holzstützen sind Pendlern im Kopf geblieben. Der Ausbau war damals - so das staatliche Bauamt - jedoch als Reservemaßnahme angesetzt. Dabei handelt es sich um ein Projekt, das kostenneutral gegen solche mit höherer Priorität getauscht werden kann (wir berichteten). Das geschah dann auch.

Bei Bürgerversammlungen sorgte das stets für Nachfragen an den damaligen Burkardrother Rathauschef, Waldemar Bug (ödp). 2017 führte der Kommunalpolitiker jedoch einen anderen Grund an: Aufgrund klammer Kassen müsse die Sanierung verschoben werden (wir berichteten). Im gleichen Jahr wurde laut Bauamt auch der abschließende Vorentwurf für den Ausbau genehmigt.