Den Hausenern steht das (Hoch-)Wasser zwar nicht bis zum Hals, aber sie wollen auch nicht ständig nasse Füße bekommen - vor allem, wenn sie zum Frühschoppen ins Sportheim wallen. Eckhard Fehr, Vorsitzender der TSVgg Hausen, machte seinem Ärger in der Bürgerversammlung Luft: "Der Hochwasserstand hat sich seit 2003 stark verändert. Die Leute können nicht mehr rüberlaufen, sondern müssen mit dem Auto außen rum fahren, sodass wir keinen Umsatz machen können. Das ist für uns eine bittere Entwicklung."
Die Hausener kennen die Schuldigen: den Hochwasserschutz von Bad Kissingen und vor allem den Mäander an der Nordbrücke, der 2003 angelegt wurde - zwei Maßnahmen, die den Abfluss der Saale bremsen und die Uferflächen häufiger unter Wasser setzen. Fehr: "Letztes Jahr musste wir sogar im Sommer ein Fußballspiel nach Garitz verlegen."
Für Frank Pilhofer, den zuständigen Leiter im Wasserwirtschaftsamt, ist die Zunahme der Überschwemmungen in Hausen eine gefühlte: "Die beiden Baumaßnahmen haben keinen Einfluss auf die Abflussgeschwindigkeit." Allerdings bezog er diese Aussage auf die großen, die Jahrhunderthochwässer wie zuletzt 2003. Und er räumte ein, dass sich bei den kleinen Hochwässern die Situation doch etwas verändert haben könnte: "Der Weg liegt nun einmal im Überschwemmungsgebiet. Da müssten wir an dem Mäander einmal Messungen durchführen."
Eine Patentlösung habe er auch nicht, meinte Pilhofer. Keinen Sinn mache es, unter dem Weg mehrere Rohre durchzulegen, weil der keine aufstauende Wirkung hat, sondern einfach nur absäuft: "Es gibt zwei Möglichkeiten: Alles so lassen, wie es ist, oder einen hochgelegten Steg bauen." Die allgemeine Ratlosigkeit mündete in den Vorschlag, am Mäander zu messen und weiter Gespräche zu führen.
Eigentlich war Pilhofer nach Hausen gekommen, um die Basisstudie zum Hochwasserschutz betroffener Bad Kissinger Stadtteile vorzustellen, die sein Haus erstellt hat. Darin werden Kosten und Nutzen ermittelt und gegenüber gestellt. Für Hausen wäre es möglich eine Bedeichung für die vier hauptbetroffenen Häuser zu errichten - eine Maßnahme, die 1 Million Euro kostet, zu denen die Stadt 500 000 Euro beisteuern müsste.
Der Schaden, der dadurch vermieden würde, wird mit 0,7 Millionen Euro veranschlagt und wirft die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf. "Wir haben die Maßnahme in die Kategorie 5, die niedrigste Stufe, eingeordnet." Das sahen die Hausener genauso: "Eine Million Euro für vier Anwesen auszugeben ist ein Unsinn", meinte Karl Nürnberger. Und Bernd Czelustek, Feuerwehrkommandant und Stadtrat, wies darauf hin, dass bei diesen vier Häusern bei Hochwasser ohnehin nicht viel passiert: "Das Problem ist der Weg, der auch Radweg ist. Schon aus touristischen Gründen sollte da eine gewisse Zuverlässigkeit hergestellt werden."
Die Lust am Hochwasserschutz verging den Häuslern auch etwas, als sie erfuhren, dass dann auch der Nudelbach einbezogen werden müsste. Dafür müsste die Stadt aufkommen, und abgesehen davon, dass da die Kosten überhaupt noch nicht ermittelt sind, wären die Zuschüsse auch längst nicht so hoch wie bei der Saale. Und so nahm Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) die Botschaft mit in den Stadtrat, der demnächst die Basisstudie diskutieren wird: "Den Weg zum Sportplatz möglichst trocken halten - aber ansonsten eher kein Bedarf an Hochwasserschutz."
Ein bisschen überrascht wurden die Häusler auch von der Frage der Bauverwaltung, wie denn eine Lösung für eine Urnenanlage auf dem Friedhof aussehen könnte. "Es besteht zwar kein aktueller Bedarf, aber wir möchten von Ihnen wissen, wo die Reise hingehen soll", so der OB: Mauern, Stelen oder unterirdische Gräber hießen die Alternativen. Die Häusler waren sich schnell einig, dass hohe Urnenwände keine Zierde sind. Aber wieder traf Karkl Nürnberger die Stimmung: "Die Zukunft ist Urne", rief er. Und so werden die Häusler die nächste Zeit nutzen, um sich Gedanken zu machen. Das Thema bleibt auf der Agenda.