Sommer, Sonne, Entspannung pur. So könnte man seinen Urlaub verbringen, doch für die 19-jährige Hanna Schmitt kommt das so gar nicht in Frage. Sie weilt derzeit mit ihrer Familie am Gardasee - und trainiert dennoch. Demnächst stehen nämlich die Deutschen Meisterschaften an. Erstmals übrigens für die Westheimerin. Da wird auch schon mal spontan auf der Liegewiese oder auf einem Parkplatz geübt. Skeptische Blicke stören sie dabei gar nicht, sie hat einfach Spaß am Sport. Die Schule hat sie gerade mit dem Abitur abgeschlossen und beginnt im Herbst ein Studium. Es läuft also bei der jungen Frau alles rund. Es war aber auch nicht immer so leicht schildert sie im großen Steilpass-Interview.

Wer hat Sie angespielt?

Hanna Schmitt: Angespielt hat mich mein Nachbar Samuel Kraatz. Wir kennen uns, seitdem seine Familie nach Westheim umgezogen ist. Wir haben mehrere Jahre in einer Leichtathletik-Gruppe trainiert. Samuel war damals schon immer der Schnellste, wenn es um Ausdauereinheiten wie Treppenläufe ging. Ich verfolge interessiert seine sportliche Entwicklung und wünsche ihm, dass ihm in ein paar Jahren der Sprung in den Biathlon-Weltcup gelingt.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Ich habe bereits im Vorschulalter begonnen, meine beiden Sportarten Volleyball und Leichtathletik auszuüben. Mein Papa begann sehr früh, mir verschiedenste Techniken der Leichtathletik und anderer Sportarten zu lehren. Sein großes Ziel: "Ein Mädchen, das Werfen kann." Bis 2017 habe ich gemeinsam mit einigen Mädels aus der Hammelburger Gegend unter meinem Vater trainiert. Wir konnten viele gemeinsame Erfolge feiern. Seit 2018 trainiere ich ausschließlich mit meinem Papa, ohne weitere Teammitglieder. Durch das abwechslungsreiche und breitgestaffelte Training in sehr jungen Jahren, gelang der Weg zum Sieben-Kampf. Meine größten Erfolge sind mehrere Medaillen auf den Bayrischen Meisterschaften in den Jahren 2020, 2021 und 2022, zwei Goldmedaillen beim DJK-Bundesportfest am vergangene Wochenende und der Titel "bayerischen Meisterin" im Vier- sowie Sieben-Kampf 2021. Zu Beginn dieser Saison ist mir gleich beim ersten Mehrkampf in Gelnhausen die Qualifikation zur Deutschen Mehrkampfmeisterschaft geglückt.

Warum ausgerechnet der Leichtathletik-Siebenkampf? Sie spielen ja auch noch Volleyball, oder?

Zum einen liebe ich Abwechslung, was das breit gefächerte Mehrkampftraining bietet. Zum anderen liegt mein Talent nicht ausschließlich auf einer der Disziplinen. Der "Mehrkampfspirit" zwischen den Mitstreiterinnen ist auch nirgends so zu finden wie in der Königsdisziplin der Leichtathletik bei den Frauen. Anscheinend liegt das auch etwas in der Familie, da mein Papa selbst einige Jahre im Zehnkampf startete. Ja, ich spiele bereits seit zwölf Jahren Volleyball. Hier gefällt mir besonders der Teamgeist und die Zusammenarbeit im Team. Seit vier Jahren spiele ich in der 1. Damenmannschaft (Bayernliga/Regionalliga) des TV/DJK Hammelburg. Auch wenn mir die beiden Sportarten nur wenig Zeit für andere Freizeitaktivitäten lassen, wollte und will ich bis heute keine der beiden missen.

Sie wurden in jungen Jahren häufig ob Ihrer herausragenden Technik gelobt. Körperlich hinkten Sie den Mitstreiterinnen etwas hinterher. Haben Sie damals auch mal ans Aufhören gedacht?

Nein, ans Aufhören konkret habe ich nie gedacht. Natürlich ist es nicht immer leicht zu sehen, wie andere die Erfolge einfahren, wenn man selbst womöglich mehr Aufwand betreibt. Aber in die körperliche Entwicklung ist nun mal nicht so leicht einzugreifen. Ich habe stets versucht, an meinen Leistungen zu arbeiten und konnte anfangs insbesondere über meine Wurftechniken erste Erfolge feiern, was mich motiviert hat.

Welchen Tipp haben Sie an Kinder, die ihren Altersgenossen vielleicht körperlich unterlegen sind?

Mein Papa und auch meine Mama haben mir bei diesem Thema stets Mut zugesprochen und mir ans Herz gelegt, auf den Prozess zu vertrauen. Diesen Tipp kann ich so weitergeben, auch wenn es viel Durchhaltevermögen, Schweiß und auch mal Tränen kostet. Es lohnt sich durchzuhalten! Die Mühen werden sich irgendwann auszahlen. Neben Erfolgserlebnissen kann man für sich persönlich so viel mitnehmen, was einem nicht nur im sportlichen Bereich voranbringt.

Sie sind amtierende bayerische Meisterin und nehmen demnächst sogar erstmals an der Deutschen Meisterschaft teil. Welche Ziele setzen Sie sich?

Die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften sind bereits seit mehreren Saisons ein persönliches Ziel. Ich bin im Mehrkampf bereits in den vergangenen Jahren gegen die nationale Spitze angetreten, aber noch nicht bei der Deutschen Meisterschaft. Im Jugendalter sind die Meisterschaften trotz meiner Qualifikation einmal ausgefallen und im Vorjahr erbrachte ich die hohe Quali-Norm erst nach den Meisterschaften. Nachdem ich mir diesen Traum in diesem Jahr mit meiner frühzeitigen Qualifikation Anfang Mai erfüllen konnte, heißt es für mich jetzt im Laufe der Saison weitere Fortschritte zu machen. Allerdings steht im Zentrum, Spaß zu haben, den Flair der Meisterschaften zu genießen und wenn möglich mit einem guten Ergebnis aus dem Wettkampf zu gehen. Das Wichtigste ist allerdings, verletzungsfrei und gesund durch die Saison zu kommen.

Und was ist für die Zukunft geplant? Vielleicht eine Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb?

Ich möchte weiterhin Spaß an meinem Sport haben und schauen, ob ich meine persönlichen Rekorde noch etwas nach oben schrauben kann. Für die internationale Ebene wird es wohl kaum ausreichen, was aber nicht schlimm ist. Weitere Wettkämpfe auf nationaler Ebene wären sehr erfreulich. Coronabedingt fielen im Jahr 2020 die internationalen FICEP-Games 2020 ("DJK-Weltmeisterschaften") aus. Da wäre ich gerne gestartet. Leider bin ich jetzt für diesen internationalen Vergleichskampf schon zu alt.

Sie befinden sich ja gerade im Urlaub am Gardasee. Wie verbringen Sie Ihre Zeit? Total entspannen oder doch Training?

Die Mischung aus beidem. Nach meinem Abitur ist jetzt etwas Entspannung angesagt. Aber bei mir gibt es keinen Urlaub ohne sportliche Aktivitäten. Von Beachvolleyball, Wurf- und Stoßeinheiten bis zu Sprinttrainings ist alles dabei.

Also besteht ein Teil des Urlaubsgepäcks immer auch aus Trainingsutensilien wie zum Beispiel eine 4-Kilogramm schwere Kugel zum Kugelstoßen oder Speere?

Genau, wir haben immer sämtliche Wurfgeräte und Trainingsutensilien dabei. Man erhascht immer wieder einen skeptischen Blick von anderen Urlaubern, aber das schreckt mich nicht ab. Die Sportstätten gestalten sich gerade im Urlaub oftmals sehr interessant. Von McDonalds-Parkplätzen hin zu Liegewiesen ist alles dabei. Der Beachvolleyball gehört natürlich auch immer zur Grundausstattung.

Wie oft trainieren Sie eigentlich pro Woche?

Ich trainiere in der Regel täglich. Davon sind zwei Einheiten Volleyball in der Woche. An den Wochenenden finden die Spieltage sowie Wettkämpfe statt. Nicht jede der Einheiten ist mit großem Zeitaufwand verbunden. Wir variieren je nach Wetterlage und Zeitpunkt in der Saison zwischen Schnelligkeits-, Kraft- und Ausdauereinheiten sowie technischen Trainingsinhalten. Da wir auch im Winter das Leichtathletiktraining komplett ohne Halle bestreiten, müssen wir häufig flexibel reagieren und auch mal improvisieren.

Bleibt da noch Zeit für anderes wie zum Beispiel einen ausgiebigen Partyabend mit Freundinnen?

Meine Zeitfenster sind sehr gering. Trotz dessen versuche ich mir Zeit für meine sozialen Kontakte zu nehmen. Ein kurzfristiger Partyabend gestaltet sich allerdings oftmals schwierig. Wenn ich den Termin aber rechtzeitig einplanen kann, geht das schon. Aber natürlich habe ich viele Wochenenden geblockt und setze meine Prioritäten gewiss anders als andere in meinem Alter. Damit stoße ich nicht überall auf Verständnis, aber mein engster Freundeskreis ist hierbei verständnisvoll und unterstützt mich.

Sie werden ja von ihrem Vater Heiko Schmitt trainiert. Wie ist das denn so mit dem Vater? Ist er besonders kritisch oder genau das Gegenteil?

Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander, sowohl auf als auch abseits des Sportplatzes. Er kennt mich mittlerweile sehr gut und weiß dementsprechend, welche Anweisung ich in welcher Situation brauche. Er äußert Kritik immer konstruktiv und versucht mit mir gemeinsam Lösungen zu finden. Ich bin sehr dankbar, dass wir so gut als Team harmonieren.

Sie haben kürzlich ihr Abitur gemacht. Wie geht es weiter? Ausbildung, Studium oder eine Profi-Sportkarriere?

Nein, eine Profikarriere wird es wohl nicht werden. Ich möchte meinen Sport nicht zum Beruf machen. Aber dennoch würde ich mir wünschen, den Sport mit meinem Beruf vereinen zu können. Ich strebe ab Herbst ein Studium an, habe mich aber noch nicht final entschieden welcher Studiengang es werden soll.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele an Jule Betz weiter. Sie ist eine ehemalige Teamkollegin von mir. Wir haben viele Wettkämpfe gemeinsam bestritten. Bis heute sind wir gut befreundet. Ihre große Leidenschaft neben der Leichtathletik gilt dem Fußball, wo sie tolle Erfolge feiern konnte.