Eine Art Punktlandung gelang den Kickern des TSV Wollbach in der Saison 1996/97, denn 60 Jahre nach der Gründung des Vereins im Jahr 1937 gewannen die Rhöner die Meisterschaft in der C-Klasse 12 und stiegen so in die B-Klasse auf. "Das war natürlich der ungeplante Höhepunkt im Rahmen der langfristig geplanten Feierlichkeiten", erinnert sich der damalige Abteilungsleiter Klaus Wiesler. Das Team, in dem fast ausschließlich Spieler aus der Großgemeinde Burkardroth aufliefen, wetzte damit eine Scharte aus, denn in der Saison zuvor war man aus der B-Klasse abgestiegen.

"Das war auch deswegen bitter, weil mein Bruder Patrick und ich zu Jahresbeginn 1995 von der DJK Waldberg zu unserem Heimatverein zurückgekehrt waren und wir garantiert nicht an Abstieg dachten", sagt Dominik Schönhöfer, der nach dem Sturz in die C-Klasse das Traineramt übernahm und zugleich als spiritus rector im Mittelfeld agierte. Der aktuelle Trainer des Landesligisten DJK Schwebenried war für einen Trainer zwar recht jung, doch die TSV-Vorstandschaft um Gerhard Kirchner vertraute dem "Dom". Im Wissen, dass diesen nicht nur die jungen Spieler, mit denen er zum Teil schon in der Jugend zusammengespielt hatte, sondern auch die Älteren respektieren würden. Zu Letzteren gehörte mit Kurt Markart eine "Vereinsikone" (Schönhöfer), der sich diese Bezeichnung durch seine Torjägerqualität in vielen Schlachten im gelb-schwarzen Trikot verdient hatte.

Ein Rücktritt vom Rücktritt

"Zur Meisterschaft hätte ich eigentlich nichts beitragen sollen, denn ich hatte drei Jahre zuvor meine Karriere in der 1. Mannschaft im Alter von 36 Jahren beendet und habe danach nur noch in der Reserve oder bei den Alten Herren mitgespielt", berichtet Markart. Der Routinier ließ sich aber von einem Rücktritt vom Rücktritt überzeugen. "Ein überzeugendes Argument war, dass ich ihm klar machte, dass die Mannschaft nicht nur einen absoluten Führungsspieler benötigte, sondern auch einen mit Torinstinkt", sagt Dominik Schönhöfer, der später den TSV Münnerstadt und den Bayernligisten TSV Großbardorf trainieren sollte.

Wenn der Vater mit dem Sohne...

Der "Comebacker" erfüllte die in ihn gesetzte Hoffnung, wobei die Überredungskunst seines Trainers auch deswegen auf fruchtbaren Boden fiel, weil Markart so die unerwartete Gelegenheit bekam, zusammen mit seinem Sohn Michael in derselben Mannschaft zu spielen. "Das ist natürlich immer etwas Besonderes, wenn Vater und Sohn gemeinsam auf dem Platz stehen", weiß Markart Senior, dem das so großen Spaß bereitete, dass er nach der Meisterschaft noch ein weiteres Jahr dran hing und sich erst mit 41 Jahren aus dem Kader verabschiedete.

Der Aufschwung am "Männerhölzlein" beruhte nach Ansicht von Wiesler und Schönhöfer nicht allein auf Talent und Trainingsfleiß der Spieler. "Was die Mannschaft auszeichnete, war das gelebte Zusammengehörigkeitsgefühl", so Wiesler. Legendär waren die "Nachbesprechungen" im Anschluss an das Freitagstraining, die so manchen Spieler erst Samstagmorgen ins Bett kommen ließen. "Ich habe nicht selten bei Sonnenaufgang das Sportheim abgeschlossen", lacht Klaus Wiesler. Rückblickend bewertet der Trainer das späte Ins-Bett-Kommen seiner Spieler sogar als vorteilhaft:

"Die waren am Samstagabend immer noch so müde, dass sie zu Hause blieben und ausgeruht am Sonntagnachmittag zum Spiel erschienen. Nach den 90 Minuten gab es dann die nächste Nachbesprechung", so ein amüsierter Schönhöfer. "Dass von mir trainierte Mannschaften die Geselligkeit pflegen, war für mich immer wichtig und ist gerade in Dorfvereinen die Basis für den Erfolg."

Nägel mit Köpfen gemacht

Am vorletzten Spieltag der Saison 1996/97 fuhren Schönhöfer & Co die entscheidenden Punkte im Bad Kissinger Sportpark ein. Die gastgebende zweite Mannschaft des FC 06 sah bei der 1:6-Niederlage kein Land. "Wir wollten da schon Nägel mit Köpfen machen", hatte der Trainer die Devise "Sieg" ausgegeben. Dominik Schönhöfer trat als Torschütze ebenso in Erscheinung wie sein Bruder Patrick. Den Kantersieg mit einem Hattrick perfekt machte Michael "Speedy" Rößer, der sich wie viele seiner Mitspieler heute noch an verantwortlicher Stelle in die Vereinsarbeit einbringt. Nach einem Autokorso ins heimische Sportheim zurückgekehrt, "ist das Bier nur so geflossen", sagt Wiesler, der sich auch 24 Jahre später noch glücklich schätzt, Polizeibeamter gewesen zu sein. Denn so blieb ihm entsprechend einer dienstlichen Vorgabe das Haareschneiden auf Glatzenniveau verboten. Dagegen gab es bei den Spielern einen regelrechten Kahlschlag, die Haarpracht betreffend - ein mit dem Gewinn der Meisterschaft eingelöstes Versprechen zur großen Gaudi der Fans. "Auch wenn meine Frau wenig begeistert war", so Kurt Markart.

Überragende Defensive

Die Meisterschaft beruhte insbesondere auf einer überragenden Defensivleistung, Keeper Burkard Grom kassierte in 26 Spielen nur 17 Gegentreffer. Und führte schließlich zu einem sportlichen Aufschwung bei einem mit 800 Mitgliedern der größten Vereine im Landkreis: Fünf Jahre später war der Durchmarsch in die Bezirksliga geschafft. "Aber komischerweise konnten wir dabei nie eine Meisterschaft feiern, wir mussten uns immer durch Relegationen quälen", zieht Wiesler ein spätes Fazit.

Wer die ungebrochene Feierlaune bei den TSVlern kennt, darf aber eher vermuten, dass der jeweilige zweite Tabellenplatz schon zu Saisonbeginn angestrebt wurde, weil das nach dem regulären Saisonende weitere "Nachtsitzungen" notwendig machte. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga, "aufgrund einer Ligareform gab es vier direkte Absteiger, wir waren leider dabei", so Wiesler, gehörte der TSV lange Jahre der Kreisliga an, ehe nach der Saison 2010/11 der Abstieg in die Kreisklasse erfolgte. "Wenn wir mit unseren jungen Truppe aufsteigen würden, wäre das schön", hofft Wiesler. Darüber würde sich einer besonders freuen: Roland Wehner, damals wie heute Linienrichter beim TSV.

FC 06 Bad Kissingen II - TSV Wollbach 1:6 (1:2)

Tore 0:1 Patrick Schönhöfer (5.), 0:2 Dominik Schönhöfer (36.), 1:2 Rüdiger Fehr ( 40., Handelfmeter), 1:3 Dominik Schönhöfer (47.), 1:4, 1:5, 1:6 Michael Rößer (54., 80., 88.)

Statistik Nach dem 4:1-Sieg im letzten Saisonspiel gegen den TSV Rannungen hatte der TSV Wollbach in der Saison 1996/97 die Meisterschaft in der C-Klasse 12 mit 68 Punkten geholt bei einem Torverhältnis von 77:17. In die Aufstoegs-Relegation ging die SpVgg Haard.

Der Kader Burkard Grom - Jochen Gärtner, Christoph Ehrenberg, Timo Schmitt, Patrick Schönhöfer, Dominik Schönhöfer, Carsten Kessler, Matthias Kessler, Michael Rößer, Christoph Reuß, Kurt Markart, Michael Markart, Jürgen Glückler, Herbert Metz, Andreas Metz, Juryi Klamer, Steffen Miller, Andreas Kaiser, Ralf Albert.sbp