Der TSV Bad Königshofen hat seine bislang erfolgreichste Saison in der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) gespielt. Dieser Fakt fasst das Spieljahr 2020/21 zusammen, in dem so viel anders war als gewöhnlich. In der Abschlusstabelle werden die Grabfelder auf Platz 8 geführt mit 22:22 Punkten. Elf Siege gab es also und ebenso viele Niederlagen. Das liest sich wie ein unbeschwertes Gondeln in ruhigem Fahrwasser. War es aber nicht. Vielmehr war die Saison geprägt von mehreren unterschiedlich stark ausgeprägten Wellenbewegungen.

Tabellenführer

Mit 3:0 fegte der TSV Bad Königshofen am ersten Spieltag den regionalen Nachbarn aus Fulda vom Tisch und führte das Klassement gemeinsam mit Bergneustadt an. Besser hätte die Saison kaum beginnen können, zumal kurz zuvor bekannt geworden war, dass ein TSV-Spieler an Corona erkrankt war und nicht würde mitwirken können. Dabei handelte es sich um Abdel-Kader Salifou, wie sich am Spieltag zeigte.

Abdel-Kader Salifou

Der französische Neuzugang, verpflichtet für den abgewanderten Japaner Mizuki Oikawa, konnte die ihm zugedachte Rolle als zuverlässiger Punktesammler neben Bastian Steger nie erfüllen. Was zu einem guten Teil daran lag, dass er nach seiner Erkrankung nicht wieder zu dem sportlichen Niveau zurückfand, das ihn in der Vergangenheit ausgezeichnet hatte. Letztlich wurde der 31-Jährige nur an zehn der 22 Spieltage eingesetzt. Salifou gewann zwei Einzel, beide beim 3:1-Erfolg gegen Grünwettersbach Anfang November. Dem gegenüber stehen neun Niederlagen. Sein Vertrag wurde nicht verlängert, er muss für den Russen Maksim Grebnev weichen.

Durststrecke

Bald nach dem Triumph gegen Fulda kehrte Ernüchterung ein beim TSV Bad Königshofen: 1:3 in Bremen, 2:3 gegen Bergneustadt, 2:3 gegen Neu-Ulm, 1:3 in Düsseldorf. Die Mannschaft von Koji Itagaki rutschte bis an den Rand der Abstiegszone ab. Sollten sich die vor Saisonbeginn geäußerten Befürchtungen bewahrheiten, dass der Kampf um den Klassenerhalt das vorherrschende Thema dieser Saison sein würde?

Filip Zeljko

Der 24-Jährige spielte in dieser Saison eine weit gewichtigere Rolle als in den vergangenen. Was einerseits an Salifou lag, aber auch an den starken Leistungen, die der Kroate im Herbst zeigte. Herausragend sein Erfolg gegen Emmanuel Lebesson, den Europameister von 2016 im Trikot des TTC Neu-Ulm. Nach der Vorrunde stand Zeljko im Einzel bei einer Bilanz von fünf Siegen und vier Niederlagen. Nur: 2021 kam kein weiterer Erfolg dazu, Zeljko spielte 0:8. Allerdings bekam er es aus taktischen Gründen fast ausnahmslos mit Spitzenkräften der Liga zu tun. Überraschend kam einzig das 0:3 gegen den Grenzauer Christian Pletea.

Höhenflug

Der Erfolg gegen Grünwettersbach läutete die beste Phase des TSV ein, der Sieg an Sieg reihte: Bemerkenswert waren die Triumphe gegen den amtierenden deutschen Meister Saarbrücken und gegen dessen Vorgänger Ochsenhausen. Die Oberschwaben mussten sich den Grabfeldern sogar zweimal beugen. Nach einem emotionalen Sieg in Bergneustadt und 14:2 Zählern seit Anfang November stieß Bad Königshofen am 15. Januar auf Play-off-Platz 4 vor. Die Diskussion um ein neues Saisonziel hatte da längst begonnen.

Kilian Ort

Die vierte Saison in der TTBL war die beste. Was für den TSV als Klub gilt, trifft auch auf sein Aushängeschild Kilian Ort zu. Das hatte auch damit zu tun, dass der 24-Jährige weniger oft von Verletzungen ausgebremst wurde als in der Vergangenheit. Ort verpasste nur drei Partien und spielte in den 19 anderen eine 11:8-Bilanz. Hinzu kommt: Im Doppel wurde er mit Zeljko an der Seite bei fünf Einsätzen dreimal zum Matchwinner für seine Mannschaft. Dass im Frühjahr viel über die Play-off-Chancen der Mannschaft gesprochen wurde - angestoßen von TSV-Verantwortlichen - war nicht in seinem Sinne. Was er dank seines sprachlichen Geschicks diplomatisch in Worte fasste.

Endspurt

Nur zwei Tage lang war Bad Königshofen Vierter, nach dem 1:3 gegen Düsseldorf musste der TSV den Play-off-Platz wieder räumen. Und konnte im Saison-Endspurt nicht mehr die Ergebnisse erzielen, um ihn sich wieder zurückzuholen. Die Ausbeute aus den letzten acht Partien: drei Siege, fünf Niederlagen. Darunter das wenig rühmliche 2:3 gegen Grenzau, das ansonsten nur gegen Bad Homburg und Fulda - die Osthessen mussten dabei wegen Verletzung ein Einzel kampflos abgeben - gewann.

Bastian Steger

Der 40-Jährige war die Konstante im Spiel des TSV und der Erfolgsgarant. Mit 24 Siegen bei 13 Niederlagen wird er in der Spielerrangliste der TTBL auf Rang sieben geführt. So weit, so beeindruckend. Das Besondere daran offenbart sich, wenn man noch eine Ebene tiefer in die Bilanz schaut. Gegen gegnerische Zweier war Einser Steger beinahe unbesiegbar. 16:3, besser war keiner in der Liga. Und die Zweier, gegen die Steger verlor, hießen Boll, Qui und Kun und spielen für die Play-off-Klubs Düsseldorf, Grünwettersbach und Saarbrücken. Von den Spitzeneinzeln gewann Steger acht, verlor zehn. Dabei war er neben dem Düsseldorfer Källberg, der Nummer 1 der Liga, der einzige Spieler, der die Nummer 2, den Ochsenhausener Gauzy, in einem Einserduell bezwingen konnte.Daniel Rathgeber