Unglaublich, aber wahr ist die Geschichte, dass Deutschlands Frauenfußball-Nationalmannschaft für ihren EM-Titel im Jahr 1989 doch tatsächlich ein Kaffeeservice spendiert bekam vom ach so spendablen Deutschen Fußball-Bund. Peinlich. Auf keinerlei Prämien aus waren Langendorfs Kickerinnen, als sie 1996 erstmals aufliefen. Beim Dorfsportfest nämlich, und daher mit ordentlich Publikum. Schnell war der Gedanke geboren, nun regelmäßig zu trainieren und Freundschaftsspiele auszutragen.

In Martin Fleissner wurde ein Coach gefunden, der die stetig wachsende Trainingsgruppe, darunter auch Frauen aus den umliegenden Ortschaften, unter seine Fittiche nahm. Nicht viel später wurde mit Marc Halbritter sogar ein Co-Trainer installiert. Als der Fußball-Bezirk im Jahr 2001 eine Neueinteilung der Ligen vorantrieb, nahm auch der SV 73 Langendorf den Spielbetrieb auf, wurde in der ersten Saison gleich Vizemeister der Kreisklasse und stieg in die Kreisliga, heute Bezirksliga, auf.

In Volkers warmgeschossen

In der Saison 2006/07 schrieben die SVlerinnen, mittlerweile unter der Ägide von Marc Halbritter, eine beachtliche Erfolgsgeschichte und belegten bei nur zwei Niederlagen in 14 Partien punktgleich mit dem Post-SV Sieboldshöhe Würzburg Platz Eins in der Bezirksliga. Über den Aufstieg in die Bezirksoberliga musste also ein Stechen entscheiden, das in Karsbach angepfiffen wurde. Die Halbritter-Elf hatte sich im letzten Saisonmatch mit einem 10:0-Erfolg in Volkers so richtig warmgeschossen. "Wir waren natürlich vor dem Anpfiff alle hypernervös", erinnert sich Sabrina Zier, vormals Schmitt. Sie selbst hatte für großes Lampenfieber kaum Zeit, denn die Krankenschwester hatte erst zwei Stunden vor dem Anpfiff ihren Schichtdienst beendet und war danach nach Karsbach "geflogen".

Weil die SV-Kickerinnen mit Christina Metz, Christina Vierheilig, Marieke Schubert und Torjägerin Bianca Bruschke auf ein starkes Quartett verzichten mussten, war der Gegner leicht favorisiert. In Führung gingen aber die Langendorferinnen, als Ramona Michael einen Konter gekonnt abschloss. Der Kontrahent erhöhte danach die Schlagzahl, hatte aber Glück, dass Sabrina Zeissner eine Gelegenheit zum 2:0 nicht nutzte. Zu kippen schien die Partie nach dem Wechsel, als die Mainfranken ausglichen und weitere Treffer verpassten, weil die Kugel nur an Latte und Pfosten landete.

Treffer per Dropkick

Mehr Fortune besaßen die Kickerinnen aus dem Saaletal, denn nach Flanke von Ramona Michael setzte Karin Schmitt das Leder per Dropkick in die Maschen. Der Kontrahent rannte danach mit Macht an, doch die überragende SV-Torfrau Julia Schulz schien mehr als nur zwei Hände zu haben. In der 88. Minute sorgte Sabrina Zeissner mit einem "Hammer" in den Winkel für die Vorentscheidung, auch wenn die Würzburgerinnen vom Anstoß weg noch einmal verkürzt hatten. Großer Jubel brach nach dem Abpfiff im Fanlager des SV aus, mit dem Aufstieg hatten die wenigsten gerechnet. Marc Halbritter kommentierte den Erfolg als "unfassbar, unglaublich, sensationell", wollte aber nicht verhehlen, dass an diesem Nachmittag bei zwei gleichstarken Teams seine Schützlinge glücklicher agierten.

"Unser Aufstieg basierte auf einer wahnsinnig guten Chemie im Team, das nicht nur auf dem Platz harmonierte", erinnert sich Sabrina Zier, die damals im defensiven Mittelfeld die Strippen zog. Noch im Trikot starteten die Feierlichkeiten im Karsbacher Sportheim. "Und zwar so lange, "dass wir später kalt duschen mussten, weil der Warmwasserboiler inzwischen abgestellt war", lacht Zier, die nach der Saison 2011/12 ihre Karriere beendete.

Eine langfristige Perspektive

Gerade die Mädchenteams sicherten dem SV Langendorf eine langfristige Perspektive in Sachen Frauenfußball. Nach der erfolgreichen Trainerzeit unter Bernd Rose (2013 - 2019) wird die Damenmannschaft inzwischen von Sabrina Zeissner trainiert. Diese belegt aktuell zwar den letzten Platz in der Bezirksliga, doch der Abstand zum rettenden Ufer beträgt nur einen Punkt. Auch in Langendorf wurden über all die Jahre übrigens weder Schicklichkeit noch Anstand verletzt, auch von einer Beeinträchtigung der Gebärfähigkeit ist nichts bekannt, wie vor über 50 Jahren greise Verbandsherren argumentiert hatten. Im Gegenteil, so manch freudiges Ereignis sorgte und sorgt immer noch für Karriere-Enden - und garantiert im besten Fall die nächste Fußball-Generation.

SV Langendorf - Post SV Sieboldshöhe Würzburg 3:2 (1:0).

Tore 1:0 Ramona Michael (12.), 1:1 Katharina Herr (52.), 2:1 Karin Schmitt (67.), 3:1 Sabrina Zeissner (88.), 3:2 Sissy Eisl (89.).

SV Langendorf Julia Schulz - Michaela Schneider, Nadine Mees, Melanie Schmelz, Steffi Mützel, Tanja Schernthaner, Anne Ebert, Sabrina Schmitt, Karin Schmitt, Sabrina Zeissner, Ramona Michael, Carina Winter, Jasmin Thein, Romina Wahler, Kati Tumpach, Marieke Schubert, Carina Schilling.

Steiniger Weg Im Jahr 1954 hatte der DFB den Vereinen verboten, Damenfußballabteilungen zu gründen und es den Schiedsrichtern untersagt, Damenfußballspiele zu leiten. Die Begründung: "Fußball ist eine Kampfsportart, die der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd ist; die Zurschaustellung des weiblichen Körpers beim Balltreten verletzt Schicklichkeit und Anstand, außerdem besteht die Gefahr der Beeinträchtigung der Gebärfähigkeit." Dieses Verbot wurde erst 1970 gekippt.