Wer über Stockholm springen will, braucht viel Anlauf. Und Mut. Weil Stockholm offen ist. Offen ist schwieriger. Sagt Wilhelm Lederer, der es wissen muss. Wilhelm Lederer ist nicht nur Mitglied im Reit- und Fahrverein (RFV) Sulzthal, sondern auch als Richter aktiv. Er kennt sich aus mit Reitsport-Hindernissen aller Art. Und deren Geschichte. Bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm wurde auch in der Vielseitigkeit um Medaillen gekämpft. Vor exakt 100 Jahren zog sich der Wettkampf der 27 Reiter aus sieben Nationen über fünf Tage hin. Geländeritt, Querfeldein-Hindernisstrecke, Jagdgalopp, Jagdspringen und Dressur waren seinerzeit die Teil-Disziplinen der Olympioniken.

Eines der Hindernisse, das es im schwedischen Sommer zu überspringen galt, stand Pate für den Sprung auf der Steige. Stockholm ist etwa ein Meter hoch, robust und besteht aus mehreren Balken, die versetzt übereinander geschichtet sind. Offen also. "Da muss aber noch dran gearbeitet werden", zeigt Lederer auf die Eisenstange, die aus einem Holzteil ragt. Auf der Sulzthaler Steige gibt es etwa 50 Hindernisse mit diversen Schwierigkeitsgraden. Stockholm gehört zu den anspruchsvollen Herausforderungen für Prüfungen der Klasse A - und erlebt auf der Steige seine Premiere. "Da ist man natürlich gespannt, wie die Reiter und Pferde darauf reagieren", sagt Lederer, der mit anderen Vereinsmitgliedern sechs Wochen vor Turnierbeginn mit den gezielten Vorbereitungen am lauschig gelegenen Turniergelände mitten im Wald begonnen hatte. Viele Hindernisse sind dauerhaft vor Ort, müssen aber für das Turnier aus Sicherheits-Gründen zusätzlich fixiert werden. "Wenn ein Pferd mit 500 Kilo mit einem Hindernis in Berührung kommt, darf da nichts wackeln", erzählt Lederer.

Um für Abwechslung zu sorgen, macht man sich im Verein das ganze Jahr über Gedanken zu neuen Herausforderungen, wie Stockholm eine ist. Ein anderer Sprung wurde beispielsweise von Ralf Ehrenbrink kreiert. Der Mannschafts-Olympiasieger von 1988 war auf der Steige bereits als Parcours-Bauer im Einsatz.
Stammgast des traditionsreichen Vielseitigkeits-Turnieres ist Emil Menig. "Das ist das Turnier meines Heimatvereins. Dann macht man auch mit", sagt der 43-Jährige, der mit drei Pferden gemeldet hat: Mit dem routinierten Lavalle sowie mit Calida und Carlchen, die als "Turnier-Anfänger" in der Eignungs-Prüfung für Reitpferde starten, wo die Hindernisse niedriger und die Ansprüche bescheidener sind.

Ohne praxisnahes Training geht es nicht, weshalb der Besitzer eines Reitstalles an einem Vielseitigkeits-Lehrgang auf der Steige teilnimmt, um die Pferde an das Turnier-Gelände zu gewöhnen. "Das ist wie eine Grundausbildung für das Pferd, das Erfahrung spielerisch sammeln kann nach dem Winter-Training in der Reithalle", erklärt Menig, der im Vorjahr zwei Prüfungen gewonnen hatte und im Sattel von Lavalle wieder Podestplätze anstrebt. "Das ist ein Heimspiel vor vielen Bekannten. Da will man natürlich sein Bestes geben." Auch beim anspruchsvollen Sprung über Stockholm.


Vielseitigkeits-Turnier auf der Sulzthaler Steige (14./15. April)



Samstag 7.30 Uhr Dressurprüfung Kl. A; Eignungsprüfung Kl. A für Reitpferde; 9.30 Uhr: Springprüfung Kl. A*; 13.30 Uhr: Geländeprüfung Kl. A; 15 Uhr: Geländeritt Kl. A mit Stilwertung; 17 Uhr: Kombinierte Prüfung Kl. A - Vielseitigkeits-Jugendcup.

Sonntag 7.30 Uhr Dressurwettbewerb Kl. E; 8.30 Uhr: Vormustern; 9 Uhr: Kombinierte Prüfung Kl. E (Dressurplatz); 10 Uhr: Vielseitigkeitsprüfung Kl. L (Dressurplatz); Stilspringwettbewerb Kl. E; 11 Uhr: Kombinierte Prüfung Kl. E; 12 Uhr: Vielseitigkeitsprüfung Kl. L; 13 Uhr: Führzügel Cross-Country; 13.45 Uhr: Gelände Reiter WB; 14.15 Uhr: Stil-Geländeritt Kl. E; 16.15 Uhr: Kombinierte Prüfung Kl. E; 16.45 Uhr: Vielseitigkeits-Prüfung Kl. L

Die Steige Der Reit- und Fahrverein Sulzthal veranstaltet seit 1976 Vielseitigkeits-Wettkämpfe auf der Steige. Da auf dem Turnier-Gelände in der Nähe der Sulzthaler Kreuzkapelle kein Strom und fließend Wasser vorhanden ist, sorgt der Verein mit hohem Aufwand für erstklassige Bedingungen samt umfangreicher Verpflegung. Parkplätze sind ausgewiesen, der Eintritt an beiden Tagen ist frei.