Sebastian Thums ist kein Trainer. Und dennoch hat der 36-Jährige so einiges zu melden bei den Hammelburg Volleys (6./39). Erst recht an diesem Wochenende, an dem die Saalestädter in eigener Halle gleich zweimal gefordert sind: am Samstag (18 Uhr) gegen den GSVE Delitzsch und am Sonntag (16 Uhr) gegen die TGM Mainz-Gonzenheim. Dabei hat Sebastian Thums nicht einmal eine Spielerkarriere vorzuweisen. "Mit einer Größe von 1,75 Meter kam Volleyball nicht wirklich in frage. Da es ja im Verein weitere Sparten gibt, konnte ich mich beim Handball verausgaben", sagt der Hammelburger, der eigentlich sogar näher an den Spielern dran ist als die Trainer: als Physiotherapeut.

Drei bis vier Stunden vor dem Spiel beginnt die medizinische Betreuung. "Kleine Wehwehchen werden dann ausgebügelt. Manche Spieler verlangen Kinesiotape, andere ein Tape zum Stabilisieren der Finger- oder Sprunggelenke", sagt Sebastian Thums, der im ständigen Dialog mit dem Trainerteam ist. "Das funktioniert super. Sobald sich ein Spieler in Behandlung befindet, bekommt er von mir ein paar Übungen, um seine Probleme schneller in den Griff zu bekommen. Andererseits gibt es Trainingssequenzen die den Heilungsprozess negativ beeinflussen könnten."

Problemzonen gibt es schließlich einige bei Volleyballern, zuvorderst Schlaghand und Knie. "Und dann hat jeder Spieler individuelle Probleme, auf die eingegangen werden muss", so Praxis-Inhaber Thums. Gerade an einem Doppelspieltag gilt es, bereits im Training die richtige Dosierung zu finden. "Das Training besteht nicht nur aus Übungen mit dem Ball. Ein zusätzliches Kraft-, Schnellkraft- und Koordinationstraining komplementiert es. Durch diese Varianz versuchen wir eine Überbelastung zu verhindern und die schnelle Regeneration zu verbessern."

Ein Trainer-Urgestein sagt Servus

In ihrem ersten Spiel bekommen es die Hammelburger mit dem GSVE Delitzsch (11./ 18) zu tun, der in der Saison 2005/2006 sogar mal Erstliga-Luft schnupperte und nach dem Drittliga-Abstieg in der Spielzeit 2017/18 umgehend den Sprung zurück in die 2. Bundesliga schaffte. Zuletzt kassierten die Loberstädter fünf Niederlagen in Folge, bleiben aber aufgrund ihrer Routine ein gefährlicher Gegner, bei dem Zuspieler und Kapitän Felipe Pardini-Glaser seine erfahrenen Mittelblocker Robert Karl und Philipp Maaß gekonnt einsetzt. Seit über 20 Jahren steht Frank Pietzonka an der Seitenlinie des Gymnasialen Sportvereins Ehrenberg. Das Trainer-Urgestein befindet sich auf Abschiedstournee, wird seinem Verein aber in anderer Funktion die Treue halten.

Ebenfalls in hinteren Gefilden beheimatet ist die TGM Mainz-Gonsenheim (13./11), die von 18 Spielen nur drei gewann. Das durch Coronafälle schwer gebeutelte Team bestritt aufgrund langer Quarantäne-Zeiten in diesem Jahr bereits elf Spiele, allerdings kommen die am Samstag spielfreien Rheinländer ausgeruht nach Hammelburg. Mit Sebastian Becker und Olly Wendt haben übrigens beide Livestream-Kommentatoren einen persönlichen Bezug zu Mainz: Becker ist dort geboren, während Wendt in seinen ersten Berufsjahren 150 Meter Luftlinie von der langjährigen Spielstätte der Mainzer wohnte.

Emotionen einfangen

Auch wenn Lorenz Karlitzek (Aufbautraining) und womöglich auch Severin Hauke nicht zur Verfügung stehen, gehen die Saalestädter als Favorit in beide Begegnungen, die wieder im Livestream übertragen werden. Eine kleine Kuriosität ist, dass auch Sebastian Thums Emotionen einfangen wird - als Hobby-Regisseur. "In meiner Jugend bin ich viel Wakeboard in Thulba gefahren. Die Tricks haben wir dann immer mit der Kamera festgehalten und geschnitten. So sind die ersten motivierenden Videos entstanden", sagt der filmende Physio, der von den Spielen künstlerisch durchaus anspruchsvoll Highlight-Zusammenschnitte anfertigt, die auf den sozialen Kanälen ausgespielt werden. Was nur möglich ist, weil Thums bei Spielen unterstützt wird von Teamarzt Dr. Joachim Rupp. Professionelle Handarbeit wird bei den Hammelburg Volleys also auch neben dem Spielfeld geleistet.