Der Rimini-Cup 2013, der mit dem Sieg der TSG Hoffenheim endete, lockte ob seiner hochkarätigen Besetzung auch professionelle Beobachter nach Hausen. So war Volker Pröpper, Chefscout für den Jugendbereich bei Borussia Dortmund, am Sonntag zu Gast, um sich ein Bild vom Leistungsvermögen der U-15-Spieler auch gegen internationale Konkurrenz zu machen. Pröpper ist seit 1991 beim BvB beschäftigt. Zunächst arbeitete er als Jugendtrainer und nahm mehrmals mit U-15-Mannschaften von Borussia Dortmund am Rimini-Cup teil.

Von daher hat er noch Kontakt zu Organisator Ecki Fehr. "Es gab zwar bundesweit mehrere interessante Turniere, aber aufgrund meiner Erfahrungen habe ich mich für Hausen entschieden", sagt Pröpper, der in seinem Team bei Borussia Dortmund noch acht weitere feste Mitarbeiter führt. In ganz Deutschland hat er über die Jahre hinweg ein ganzes Netzwerk von Beobachtern aufgebaut, das das Team mit Informationen versorgt. Gefreut hat sich Pröpper, dass er in Hausen David Bennett getroffen hat, der als Scout mit dem FC Fulham zu Gast war. "In der Jugend haben wir mal gemeinsam in Hamm gespielt."

Die Scouts achten bei den Spielern auf technische Fähigkeiten am Ball, Schnelligkeit, Dynamik und Spielintelligenz. Doch bis ein Talent für einen großen Verein interessant wird, ist es ein langer Weg. Zunächst liefert ein Informant eine Vorab-Information, auf Grundlage dieser Beschreibung wird entschieden, ob gezielt ein Scout geschickt wird. Der Scout schaut sich dann den betreffenden Spieler an und liefert eine Bewertung. "Das wäre aber zu dünn", erklärt Volker Pröpper.

"Wir schicken anschließend noch zwei oder drei Mal jeweils einen anderen Scout. Die Scouts beurteilen den Kandidaten völlig unabhängig ohne die Eindrücke der anderen Scouts zu kennen." Als nächster Schritt werden die Beurteilungen ausgewertet und es wird im Team gemeinsam entschieden, ob das ein möglicher Kandidat ist. Bei einer positiven Entscheidung gibt es eine Einladung zum Probetraining nach Dortmund. "Zwei bis drei Tage wird das Talent umfassend getestet, da wird alles durchgecheckt", beschreibt Pröpper das Procedere. Gute Kontakte zu den Trainern sind für den BvB-Chefscout unabdingbar, um Informationen über das persönliche Umfeld zu erhalten. "Manche sind sehr offen und freuen sich, wenn ein großer Verein Interesse an einem seiner Schützlinge hat. Andere verstecken ihre Talente und halten sich bedeckt, weil sie befürchten, sie zu verlieren", weiß Pröpper, dass viel Fingerspitzengefühl gefragt ist. Schon ab einem Alter von zwölf bis 13 Jahren werden Spieler sehr intensiv gesichtet.

Im Januar 2014 ist in Dortmund ein eigenes Internat für 22 Nachwuchskicker von der U 15 bis zur U 19 bezugsfähig. Ein Lehrer ist dort zuständig für alle schulischen Belange, zusätzlich wird es eine Betreuung durch einen Pädagogen geben, der sich um die Spieler kümmert. Er soll zur Bezugsperson werden, ein bisschen Familienersatz sein, und steht auch in engem Kontakt zu den Trainern. "Er fungiert quasi als Mittler", bringt es Pröpper auf den Punkt.

Falls ein Kandidat nach einer gewissen Zeit durchs Raster fällt, sei es wegen schulischer Schwierigkeiten oder weil er sich fußballerisch nicht weiter entwickelt, werden Gespräche mit dem Spieler und der Familie geführt. "Wir überlegen dann gemeinsam, wie es weiter geht. Die Lösung muss immer im Interesse des Spielers, sprich der Entwicklung des Jugendlichen, sein, das ist wichtiger als der Verein", ist sich der Dortmunder Chefscout der Verantwortung bewusst. "Wenn die Probleme benennbar und lösbar sind, ist ein zweiter Versuch möglich."
Ganz aktuell konnte Volker Pröpper, der schon mit Nuri Sahin und Mario Götze in Hausen war, einen Wechsel verkünden. Luca Erhardt, Jugend-Nationalspieler und mit dem KSC beim Rimini-Cup im Finale, kommt zu Borussia Dortmund.