Für viele Bad Kissinger ist das Rakoczy-Reitturnier eine liebgewonnene Tradition. Vor allem der schöne Turnierplatz in der Au macht den sportlichen Wettkampf zu etwas ganz Besonderem. Eine lange Zeit mussten die Bad Kissinger auf ihr Turnier am Wochenende nach dem Festumzug verzichten. Seit dem vergangenen Jahr findet das Event nun endlich wieder statt und hat dabei nicht nur für Pferdesportbegeisterte einiges zu bieten.

Viele Menschen aus der Region zieht es seit über 40 Jahren regelmäßig in die Au an den Turnierplatz, um dort die antretenden Pferd-Reiter-Paare zu unterstützen und zu feiern. Auch die Kurgäste zeigen sich stets aufs Neue begeistert. In diesem Jahr fanden über drei Tage Springprüfungen bis zur mittleren Klasse M statt - was einer Höhe von bis zu 1,25 Metern entspricht. Nicht ohne Grund war der Andrang wieder groß. Dieses Event ließ sich Schirmherr Gerhard Eck, Staatssekretär a.D. und Präsident des Bayerischen Reit- und Fahrverbands, ebenso wenig entgehen wie Landrat Thomas Bold und Bad Kissingens Oberbürgermeister Dirk Vogel.

Eine Veranstaltung mit Charme

"Jeder freut sich, unter solchen Bedingungen zu reiten", sagt mit Sigfrid Haaf einer der Turnierrichter. Mit seiner Begeisterung ist er nicht alleine, auch sein Kollege Hans Steger aus Lohr am Main ist positiv von dem Gelände und der Umgebung angetan. "Das ganze Ambiente ist etwas Besonderes", weiß er aus über 40 Jahren eigener Reit- und Richterfahrung zu berichten. Das alte Gebäude mitsamt der Tribüne sorgt für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Es sei ein bisschen wie in einem Stadion, versucht Haaf das Reitgefühl in den Prüfungen zu beschreiben.

Umringt von Bäumen und Natur wird das Turniergelände so zu etwas Einzigartigem. Doch erst durch die vielen Zuschauer, die sich auch in diesem Jahr wieder am Turnierplatz eingefunden haben, wird die Stimmung perfekt. Allein am Sonntag pilgerten über 1000 in die Au. Das Publikum nahm bei den sommerlichen Temperaturen gern die vielen Schattenplätze unter den großen Zelten an, sogar eine überdachte Zuschauertribüne war aufgestellt worden.

Turnierarzt mit Reiterfahrung

Neben der unbeschreiblichen Atmosphäre ist der Boden auf dem Prüfungsplatz ein weiteres Highlight. "Es gibt vielleicht noch fünf gute Rasenplätze in ganz Bayern, einer davon ist bei uns in Bad Kissingen", weiß der betreuende Turnier-Tierarzt Dr. Stefan Gleißner, der seit über 40 Jahren Mitglied im Reitverein Bad Kissingen ist und selbst schon als Teilnehmer auf dem Gelände unterwegs war. Naturböden aus normalem Rasen sind im Pferdesport mittlerweile immer seltener zu finden. Einer der häufigsten Untergründe ist Sand. Auch die startenden Reiterinnen und Reiter sind von dem Boden des Springplatzes begeistert. "Einen Grasplatz gibt es nur sehr selten. Mit dem alten Gebäude im Hintergrund wird es zu etwas ganz Besonderem", verdeutlicht Lokalmatadorin Maja Kristin Waldhofen.

Nicht nur für Pferd und Reiter war die Hitze eine große Herausforderung, auch der Rasen des 100 auf 80 Meter großen Springplatzes benötigte besondere Pflege. "Wir haben jeden Tag auf Regen gehofft", erzählt RV-Vorsitzende Ulrike Waldhofen. Denn: Auch der Reitverein wollte bei der aktuellen Wasserknappheit kein Wasser verschwenden.

Die fränkische Vizemeisterin Diana Gleissner ist mit ihrem beiden Pferden Cassandra und Carrington extra aus Erlangen zu dem Event angereist. "Es ist schon ein sehr großes und wichtiges Turnier für mich", so die Pferdeliebhaberin. Vor allem die Verbundenheit zu ihrem Heimatlandkreis Bad Kissingen macht das Wochenende für sie zu etwas Einzigartigem. "Es haben sich viele sehr gute Starter angemeldet. Das ist auf jeden Fall eine Garantie für guten Sport", freut sie sich. Zu bewundern war unter anderem die hochdekorierte Antonia Müller (RSG Sonnefeld).

Zum attraktiven Rahmenprogramm gehörten der Besuch der amtierenden Rosenkönigin Carolin Rottenberger, die feierliche Übergabe des Spielbanksprungs an den Reiterverein durch Spielbankdirektorin Marina Klein sowie der Besuch der Historischen Persönlichkeiten. Natürlich mit Fürst Rakoczy, der die Siegerehrung für den großen Preis von Bad Kissingen vornahm. Dieses M*- Springen gewann Klaudia Barsony (RC Eltmann).

Eine beachtliche Steigerung

Die beiden Vorsitzenden Ulrike Waldhofen und Marcus Lipsius freuten sich ganz besonders über die großen Erfolge ihrer eigenen Reiter in den 16 Prüfungen mit circa 300 Ritten - etwa hundert mehr als im Vorjahr. Gleich zwei erste Plätze gab es für Diana Maria Gleissner mit ihren Siegen in der Punktspringprüfung der Klasse M* und in einer Springpferdeprüfung der Klasse L. Aimee Wolf gewann eine Stilspringprüfung der Klasse E und schnappte sich zusätzlich einen zweiten sowie dritten Platz. Maja Hofmann entschied eine Springprüfung mit steigenden Anforderungen der Klasse A* für sich. Über zwei zweite Plätze durfte sich Maja Kristin Waldhofen freuen. Siege und Top-Platzierungen gab es auch für Emil Menig, Antonia Fürst, Isabell Frinker, Ronja Schmittfull und Stella Schmitt vom RFV Sulzthal.

"Im nächsten Jahr werden wir möglicherweise auch ein Team- oder Mannschaftsspringen anbieten. Wir wollen im Hinblick auf unser hundertjähriges Bestehen im Jahr 2026 so gut werden, dass wir ein großes nationales Turnier ausrichten können", so die Vorsitzende. Dann wird auch das prägende Turniergebäude wieder aktiv genutzt. Das Ende der Instandsetzungsmaßnahmen soll laut Oberbürgermeister Dirk Vogel in spätestens zwei Jahren sein.