Mit dem nötigen Ehrgeiz und Trainingsfleiß stellen sich manchmal schneller Erfolge ein, als man eigentlich erwarten darf. So bei Philipp Graf aus Arnshausen, der erst vor zwei Jahren mit dem Kampfsport Sambo begonnen hatte, und nun an diesem Pfingstwochenende an den Europameisterschaften in Italien teilnehmen darf. Ein gemeinsamer Bekannter von ihm und Trainer Albert Köpplin, James Broux, hat ihm den Sport schmackhaft gemacht.
Im Training hat der junge Mann, der momentan auch noch seine Abiturprüfungen absolviert, von Beginn an Blut geleckt. Als einziger Sportler ohne Migrationshintergrund ist er von den Mannschaftskollegen super aufgenommen worden. Zum Leidwesen von Trainer Albert Köpplin haben viele Kissinger eine Hemmschwelle, "weil im Eifer des Gefechts oder nach dem Training auch mal Russisch gesprochen wird". Für Philipp Graf kein Problem, zudem gibt Köpplin seine Anweisungen im Training auf Deutsch.
Beim Kombat Sambo, in dem Philipp antritt, kommt es auf Vielseitigkeit an. "Das ist eine Mischung aus Boxen, Kickboxen, Judo Ringen und Jiu-Jitsu", erklärt er. "Anfangs musste ich erst ein Gefühl für die Jacken bekommen, ansonsten geht es nicht nur um Kraft, sondern auch um sehr viel Technik." Seine Stärken sieht er in seiner Ausgeglichenheit. "Bei mir ist das ein gutes Verhältnis aller Varianten. Das ist manchmal von Vorteil, weil sich viele spezialisieren." Trainer Albert Köpplin beurteilt das etwas differenzierter, sieht die Stärken seines Schützlings eher im Bodenkampf. "Aber insgesamt hat er sich sehr schnell entwickelt. Nach seinem Gewinn bei den Bayerischen Meisterschaften hat er mich bei den Deutschen noch mehr überrascht. Er hat großartig gekämpft und ist verdient Zweiter geworden." Die Belohnung ist die Teilnahme an der EM.
Für dieses Turnier wurde die Vorbereitung weiter intensiviert. "Sechs Mal in der Woche habe ich jeweils zwei Stunden trainiert und außerdem auf meine Abi-Prüfungen gelernt. Damit ist meine komplette Freizeit weg", erzählt Philipp lachend. Im Training wird ihm nichts geschenkt, Paul Lenning, in einer anderen Gewichtsklasse mehrmals Deutscher Meister, geht engagiert zur Sache, schließlich soll Philipp so gut wie möglich auf das vorbereitet sein, was ihn in Italien erwartet. Albert Köpplin ist immer dabei, korrigiert, zeigt andere Techniken. Philipps Knie schmerzt, doch er geht unverdrossen erneut in den Bodenkampf, übt immer wieder einen Griff oder eine Beinklammer. Die Teilnahme an der EM entschädigt ihn für die Tortur. "Ich fahre da hin, um Erfahrungen zu sammeln und von den übermächtigen Gegnern aus Osteuropa zu lernen", freut er sich auf die Kämpfe. Albert Köpplin betont, dass unter seinen Gegnern echte Profis sind. "Das sind Jungs, die in einem Sportinternat, bei der Polizei oder beim Militär drei mal täglich trainieren." In Russland ist der Sport sehr populär, Präsident Putin ist bekennender Fan und das Fernsehen berichtet live. Oligarchen sponsern die Kämpfer, werben so im Fernsehen. "Ich wäre froh, wenn wenigstens kleine Sponsoren einen Zuschuss zu den Benzinkosten geben würden", so Köpplin, der sich beim Hilfsverein KIDRO bedankt, der den Bus zur Verfügung stellt und die Integrationsarbeit unterstützt.