Deutsche, die in England freundlich und auf deutsch begrüßt werden. Ginge durch als typisch britisch- schwarzer Humor im Monty-Python-Stil. Seinen Spaß hatte Carsten Ahlers tatsächlich. Weil sich London in den olympischen Tagen als vorbildlicher Gastgeber präsentierte. "Olympia ist und bleibt das größte Sportereignis der Welt, noch vor der Fußball-WM", findet der 42-Jährige, der "Event-Hopping" als sein großes Hobby bezeichnet. "Ich verbinde gerne Sportveranstaltungen mit Kultur, Sightseeing sowie dem Kennenlernen von Land und Leuten", verrät Ahlers, der die Spiele in Athen (2004) und Turin (Winter 2006) ebenso live als Zuschauer erlebte wie das Fußball-WM-Finale von 2010 in Südafrika, diverse Champions-League-Finals, den Ryder-Cup der Golfer oder Welt-Titelkämpfe im Handball, Schwimmen oder der Leichtathletik.

Aufgrund der kurzen Anreise war London fast ein Muss für den aus Fulda stammenden Ahlers, der begleitet wurde von seiner Frau Margit und Mathias Härtel, "einem guten Freund". Die Tickets wurden im Vorfeld bei einem deutschen Reiseveranstalter online erworben, sodass das Juristen-Trio in den Genuss von fünf Wettbewerben mit Finalentscheidungen kam. "Die Atmosphäre war einmalig. Jeder Sportler wurde unterstützt. Und für die Athleten des Gastgeberlandes war die Begeisterung schier grenzenlos und der Lärm ohrenbetäubend", erzählt der Rechtsanwalt und Steuerberater, der aus beruflichen Gründen erst vor kurzem von Bremen nach Bad Kissingen zog, von wo seine Frau stammt. Wo Sport-Fans selbst am Bildschirm eine Gänsehaut bekamen, war Carsten Ahlers live vor Ort, sah mit seinen Begleitern den 2:1-Sieg der USA im Frauenfußball-Finale über Japan im Wembley-Stadion vor 80.000 Zuschauern, viele Leichtathletik-Entscheidungen im Olympiastadion vor ebenfalls 80.000 Zuschauern, unter anderem mit der kuriosen Bronzemedaille von Hammerwerferin Betty Heidler oder die zwei Medaillen der deutschen Stabhochspringer Björn Otto und Rafael Holzdeppe sowie den Weltrekord der 4x100-Meter-Frauenstaffel der USA.

Wenn der Premierminister trommelt


An der Kanu-Rennstrecke in der Nähe vom Schloss Windsor war das Trio ebenfalls zu finden, bei vier Final-Läufen im Sprint über 200 Meter. "Bei dieser olympischen Premiere blieben die Deutschen leider ohne Medaille, aber dafür haben wir in einer Pause auf der Videoleinwand erleben dürfen, wie der britische Premierminister Gordon Brown auf zwei virtuellen Bongos trommelte. Echt kurios." Auch das Basketball-Finale der Frauen mit dem Sieg der USA über Frankreich in der North Greenwich Arena, bekannt aus der Eröffnungsszene des James-Bond-Films "Die Welt ist nicht genug", das Volleyball-Finale der Herren mit dem dramatischen 3:2-Sieg der Russen über Brasilien im Earls Court Exhibition Centre sowie der Herren-Marathon durch Londons Innenstadt waren Teil des Programms. "Da standen wir am Trafalgar Square. Insgesamt waren etwa eine Million Zuschauer an der Strecke." Der Besuch der Wettkampfstätten klappte reibungslos, weil die Briten auch verkehrstechnisch perfekt vorbereitet waren. "Die Züge und U-Bahnen waren gut besucht, aber nur selten übervoll. Nach dem Aussteigen musste man noch zehn bis 20 Minuten laufen", sagt Ahlers. Und: "Man fühlte sich, auch ob des hohen Sicherheitsaufwandes, stets sicher und wohl."

Während Marathon, das Gehen und der Straßen-Radsport ohne Ticket-Kauf verfolgt werden konnten, wurde ansonsten bei den Eintrittspreisen ordentlich hingelangt. "Im Schnitt haben wir 100 Euro pro Ticket bezahlt. Mit 30 Euro waren die Kanu-Entscheidungen äußerst günstig, während wir für die Leichtathletik-Wettbewerbe jeweils 250 Euro hinlegen mussten", verrät Ahlers. Olympia in London endete für die kleine Reisegruppe nach vier überraschend sonnigen Tagen mit der Abschlussfeier beim kostenlosen Public Viewing samt Live-Musik im Victoria Park mit 50.000 Zuschauern. "Gefreut hatte ich mich im Vorfeld auf die wunderbaren Arenen, Sportwettkämpfe auf Weltklasse-Niveau, das friedliche Zusammentreffen der Fans aus aller Welt und auf die Stimmung in den Stadion: Für alle Punkte kann ich fünf Sterne erteilen", bilanziert Carsten Ahlers, der die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft der rund 70.000 (!) Volunteers ebenso hervorhebt wie den einmaligen Anblick der mit den fünf olympischen Ringen geschmückten Tower Bridge.

Einen unerwarteten Höhepunkt hielt der Rückflug parat, weil im Flieger nach Frankfurt auch deutsche und internationale Olympioniken saßen. Unter anderem Gewichtheber Matthias Steiner, der nach seinem Olympiasieg von Peking 2008 diesmal nur Schlagzeilen schrieb durch den Unfall mit der fast 200 Kilogramm schweren Gewichtheberhantel, der Steiner statt auf's Podest ins Krankenhaus brachte. Ein Foto mit dem starken Mann gehörte ebenso zu den Souvenirs wie T-Shirts oder Anstecknadeln. Noch wertvoller sind freilich die erlebten Emotionen. "Das olympische Flair ist einmalig. Ich habe die Veranstaltung auch nicht allzu kommerzlastig empfunden. Ich kann jedem nur nahe legen, einmal in seinem Leben Olympia live zu erleben, und sei es nur für einen Tag." Sagt Ahlers, und denkt vielleicht schon an Rio 2016.