Seltsam, aber wahr: Eine Niederlage bildet den Auftakt für einen der größten Erfolge in der Vereinsgeschichte des TSV Oberthulba. Drehen wir die Uhr zurück, bis in den Frühsommer des Jahres 1991. Gebannt blicken die Fans der Region auf den Showdown in der A-Klasse Nord, der heutigen Kreisliga. Am finalen Spieltag dürfen gleich drei Vereine auf den großen Wurf hoffen: den Titel samt Aufstieg in die Bezirksliga.

Der FC Bad Brückenau wird seine Hausaufgaben zwar lösen mit dem 3:1-Erfolg beim Tabellenvierten FC 06 Bad Kissingen, dennoch sind die Sinnstädter raus aus dem Meisterschafts-Rennen. Das punktgleiche Führungsduo gibt sich nämlich ebenfalls keine Blöße: Der SV Burgwallbach siegt gegen den TSV Reiterswiesen mit 4:1 und der TSV Oberthulba holt sich in einem Herzschlagfinale zwei Punkte beim 1:0 in Riedenberg durch das goldene Tor von Holger Veth.

Unglaubliche 2500 Fans pilgern in das Reichenbacher Waldstadion und bekommen am Himmelfahrtstag ein Spektakel geboten. Leicht favorisiert ist der SV Burgwallbach mit seinem "Wundersturm" um den überragenden Torjäger Martin Mölter (35 Saisontreffer), der später zum Landesligisten DJK Waldberg wechseln wird. Oberthulbas Trainer Bruno Heer setzt in der Abwehr auf Libero Norbert Kleinhenz und Vorstopper Andreas Pastille sowie die Außenverteidiger Michael Frank und Christoph Föller. Im Angriff sollen es Holger Veth, Marco Beiersdörfer und Oliver Noelte, später ebenfalls in Waldberg am Ball, richten. Offensivkraft Klaus Blattner muss mit Schlüsselbeinbruch passen.

Furioser Beginn

Den ersten Hieb setzen die TSV-Kicker in Person von Dieter Heinrich, der Ausgleich folgt wenige Minuten später, weil Holger Back nach Steilpass von Martin Mölter Keeper Dietmar Schmidt keine Chance lässt. Dass Dieter Heinrich und Sebastian Ganswindt das mögliche 2:1 verpassen, soll sich rächen: Erst schüttelt Martin Mölter seinen unerbittlichen Bewacher Christoph Föller ab und prüft mit einem scharfen Schuss Goalie Schmidt, dann trifft Christoph Illig per Abstauber. Fulminant fällt das Comeback der Oberthulbaer aus, weil Andreas Pastille nach einem Foul von SV-Spielertrainer Jochen Stöhr an Heinrich den fälligen Strafstoß gekonnt verwandelt, dann Oliver Noelte eine Pastille-Kopfballvorlage zum dritten TSV-Treffer nutzt. Doch kaum hat Schiedsrichter Tischer (Schweinfurt) wieder angepfiffen, lädt er die Spieler schon wieder an die Mittellinie, weil Christoph Illig mit einem unhaltbaren Schuss zum 3:3 erfolgreich ist. Übrigens in Oberthulbaer Unterzahl, da Föller nach einem rüden Einsteigen gegen Mölter eine Zehn-Minuten-Zeitstrafe absitzt.

Ausgleich in der Nachspielzeit

Im zweiten Durchgang legen die Akteure aufgrund der großen Hitze eine Verschnaufpause ein, erst in den letzten Minuten wird es wieder turbulent. Dabei wähnen sich die Heer-Mannen in der 83. Minute schon als Meister, als nach Ecke von Noelte ein Kopfball von Veth einschlägt. "Da war ich mir eigentlich sicher, dass wir die restliche Spielzeit unbeschadet überstehen, aber daraus wurde leider nichts, weil der Gegner in der Nachspielzeit mit einem 'Rollerle' noch einmal zuschlug", erinnert sich Heer.

In der Verlängerung haben dessen Mannen zwei Top-Gelegenheiten, doch der eingewechselte Hakki Türker trifft nur die Latte und ein Veth-Schuss wird von Bruno Kleinhenz von der Torlinie gekratzt. Im Elfmeterschießen sind die Burgwallbacher das glücklichere Team, netzen fünfmal ein, die Oberthulbaer nur viermal. Während Burgwallbach in die Bezirksliga aufsteigt, muss der TSV Oberthulba in die Relegation. "Wir hatten zwar verloren, aber aufgrund der Umstände war das Spiel ein einziger Traum", findet Bruno Heer, der 14 Tage später doch noch den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte feiern wird.

TSV Oberthulba - SV Burgwallbach 8:9 n. E. (4:4, 3:3). Tore: 1:0 Dieter Heinrich (12.), 1:1 Holger Back (18.), 1:2 Christoph Illig (27.), 2:2 Andreas Pastille (32., Foulelfmeter), 3:2 Oliver Noelte (35.), 3:3 Christoph Illig (38.), 4:3 Holger Veth (83.), 4:4 Martin Mölter (91.).

Relegation I Acht Tage später verloren die Oberthulbaer das erste Relegationsspiel auf dem Platz des RSV Wollbach mit 1:3 gegen den TSV Bad Königshofen, dem Vizemeister der A-Klasse Ost, vor 1500 Zuschauern. "Wir hatten uns da zwar etwas ausgerechnet, doch in diesem Spiel hatte sich so einiges gegen uns verschworen", so Trainer Bruno Heer. Da passte es ins Bild, dass der Ehrentreffer ein Eigentor des gegnerischen Keepers war nach der scharfen Hereingabe von Dieter Heinrich

Relegation II Das alles entscheidende Spiel gewann der TSV Oberthulba beim TSV Maßbach schließlich mit 3:1 gegen den Bezirksliga-Releganten SV Hofheim, der kurz nach der Pause in Führung ging. "Nach einer Stunde hatte ich den Eindruck, dass der Gegner konditionell immer mehr abbaut, wir dagegen kamen so richtig ins Laufen", erinnerte sich Bruno Heer. Erst recht, als Dieter Heinrich nach Noelte Ecke das Leder mit dem Hinterkopf in die Maschen setzte (59.). Vier Minuten später brachte Marco Beiersdörfer nach Traumpass von Roland Fröhlich den A-Klassisten in Front vor den 500 Zuschauern, die trotz Schmuddelwetter auf die Centleite gekommen waren. In der 81. Minute traf Holger Veth zum Endstand nach einem Zuspiel von Hakki Türker.