1. FC Nürnberg II - FC 05 Schweinfurt 2:0 (0:0). Tore: 1:0 Paul-Philipp Besong (56.), 2:0 Jens Castrop (90.+5).

Diese Ohrfeige hat noch mehr weh getan, als die vielen anderen in dieser verkorksten Saison. Leichtsinnsfehler, leichte Gegentore, zu wenig Biss und Mut - all das war bei den bisherigen Tiefschlägen noch erklärbar mit der nicht vorhandenen Sommerpause und dem Relegationsfrust. Jetzt, nach fast drei Monaten Winterpause, einer ordentlichen und kompletten Vorbereitung, hieß es, die Mannschaft sei frisch und fokussiert, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Und dann das: Gleich im ersten Punktspiel 2022 präsentierte sich der FC 05 Schweinfurt bei der U21 des 1. FC Nürnberg über weite Strecken emotions- und mutlos, kassierte ein billiges Gegentor und hat 16 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayreuth.

Nicht, dass die Schweinfurter wenig gelaufen wären. Aber sie wollten wieder im Kollektiv spielerisch lösen, was bei heftigen Sturmböen besser mit Leidenschaft und Dribblings zu lösen gewesen wäre. "Wir haben wenige bis keine Eins-gegen-Eins-Spieler", bekannte Trainer Tobis Strobl. Die wenigen, die es versuchen, wie Thomas Haas, Martin Thomann oder Amar Cekic, gewannen kein direktes 1:1-Duell mit ihrem Widerpart.

"Das hätte uns aber öfter gelingen müssen", räumte der nach seiner Einwechslung ebenfalls wirkungslose Torjäger Adam Jabiri ein. Und erläuterte, warum: "Bei dem Wind konnten wir nicht die Seiten verlagern, die gegnerische Kette aufreißen." Ergo wären Einzelleistungen gefordert gewesen. Stattdessen: Doch immer wieder die aussichtslosen langen, hohen Bälle, die in der Luft stehen bliebe, bisweilen gar wieder zum Absender returnierten. Und so blieben die Nullfünfer fast ohne Offensivaktion, obwohl der Gegner keineswegs mauerte.

Besong nutzt Zwick-Patzer eiskalt aus

Kristian Böhnleins Flugkopfball, den der Ex-05-Keeper und angehende FCN-Profi Jan Reichert klasse parierte, war die einzige zwingende Aktion (67.). Die kleinen Cluberer hatten auch nur eine, diese aber clever genutzt: Als 05-Torhüter Luis Zwick "zu mutig" (Strobl) aus dem Kasten stürmte, setzte sich der von den Profis zur U21 beorderte Paul-Philipp Besong klasse gegen Zwick und drei weitere Grün-Weiße durch und traf aus 30 Metern zum 1:0 (56.). Den Schlusspunkt zum 2:0 setzte Jens Castrop nach einem Konter in der Nachspielzeit ins leere Tor; Zwick war als zusätzlicher Stürmer mit vorn, Linksverteidiger David Grözinger zu langsam.

Strobl tat sich anschließend schwer, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Denn die nur vom Trainerteam und den Spielern zaghaft angesprochene, im näheren Umfeld jedoch realistisch bewertete Aufholjagd auf die Bayreuther, ist nun im Februar beendet, ehe sie hätte anfangen können. "Wir sind stabil gegen den Ball gestanden und waren mit Ball mutig", sagte der 34-Jährige. Und keine drei Minuten später: "Wir waren nicht mutig genug, haben uns zu oft versteckt."

Er habe trotz der nun ausweglosen Lage im Kampf um das ursprüngliche Saisonziel Aufstieg zwar "0,0 Bedenken, dass wir einbrechen und spielen, als ginge es um nichts mehr". Seine Vorstellung, wie sich die Mannschaft in noch 15 zu spielenden Partien motivieren soll, wirkte jedoch ziemlich konstruiert: "Wir müssen neue Motivationsansätze finden. Wir wollen uns verbessern, uns weiterentwickeln."

Ob der BFV-Pokal, in dem am 8. März im Sachs-Stadion das Viertelfinalspiel gegen Drittligist Würzburger Kickers ansteht, absolute Priorität genieße: "Nein, ich handhabe das anders als andere Trainer vor mir. Es wird keine Rochaden oder Schonungen geben. Wir werden jedes Mal bestmöglich aufstellen. Wir wollen ja nicht Fünfter werden."

Freche FCN-Talente zeigen Kampf

Ein hehres Ansinnen. Bleibt nur die Frage, inwieweit sich die Spieler, die in Nürnberg einen exzellent bespielbaren Platz vorfanden, auf Platz drei fokussieren können. Der bedingungslose Einsatz um die klitzekleine Chance Richtung Tabellenspitze war ihnen am Sonntagnachmittag nicht anzumerken. Da ließen sie sich von einem frechen FCN-Talentschuppen, in dem Neuzugang und Routinier Fabian Menig überragend von hinten heraus lenkte, an der Nase herumführen. Außenverteidiger Jannik Hofmann und Castrop machten den 05-Profis vor, wie man um jeden Ball kämpft.

Weil den Schweinfurtern das ansatzweise erst in der Schluss-Viertelstunde gelang, merkte Jabiri (bei seiner einzigen Chance, köpfte er einen Tick zu hoch; 60.) frustriert an: "Wir brauchen nicht nach vorne schauen. Wir müssen eher nach Illertissen oder Aubstadt schauen." Der Abstand zum Vierten und Fünften beträgt nur einen/drei Punkte.

Schweinfurt: Zwick - Billick, Rinderknecht, Grözinger - Kraus, Böhnlein (78. Schuster) - Haas (61. McLemore), Cekic (55. Fery), Zietsch (57. Jabiri), Thomann - Slenderovic (61. Pieper).