Das spektakuläre Hinspiel hatten die "Hawks" mit 6:5 für sich entschieden. Die äußerst kurzfristige Spielabsage im Dezember seitens der Haßfurter aufgrund von Spielermangel hat den Dampf im Derby-Kessel seitdem zusätzlich erhöht, sodass die Eishalle am "ausverkauft" kratzen sollte. Entsprechend frühes Erscheinen wird den Fans daher empfohlen. Nur einen Tag später sind beide Teams erneut gefordert. Die Kurstädter gastieren beim Tabellenzweiten in Höchstadt, die Haßfurter in Regen.

Wie fühlt es sich für Dich an, Trainer und Spieler zu sein?
Marc Hemmerich: Es ist für mich natürlich eine völlig neue Situation, nicht nur Spieler, sondern auch Trainer einer Mannschaft zu sein. Aber ich freue mich sehr, dass mir Verein und Vorstandschaft trotz meines jungen Alters diese Chance und das Vertrauen geben.

War für Dich das Amt des Trainers eigentlich ein Ziel
Im Grunde genommen schon. Ich spiele jetzt seit 25 Jahren Eishockey und habe dem Sport so viele schöne Momente zu verdanken. Also war es auch immer ein Traum, mit diesem Sport mein Geld zu verdienen. Durch meine Tätigkeit als Trainer habe ich nun die Gelegenheit, dem Sport, den ich so liebe und der mir schon so viel gegeben hat, etwas zurückzugeben. Ich dachte zwar nie daran, dass ich so früh das Amt des Trainers ergreifen werde, bin aber dennoch glücklich darüber, dass sich die Dinge so entwickelt haben und die Entscheidung auf mich gefallen ist. Immerhin kann ich ja trotz meines Alters auch eine gewisse Erfahrung im Traineramt vorweisen. Ich habe in den letzten vier Jahren in den USA für eine Organisation - Planet Hockey - Nachwuchs-Camps geleitet und war dort als Nachwuchs-Trainer engagiert.

Kannst Du aus Deiner Sicht noch einmal schildern, wie Du vom Rücktritt von Trainer Falk Ozellis erfahren hast und wie Du dann als Nachfolger ins Spiel gebracht wurdest?
Falk hat mit uns als Mannschaft gesprochen und uns über die geplante Veränderung informiert. Wir alle haben großen Respekt vor dem, was Falk in den letzten drei Jahren hier aufgebaut hat. Und vor allem, wieviel Zeit er für diesen Sport investiert hat. Man kam dann von Seiten des Vereins auf mich zu und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, das Traineramt zu übernehmen.

In Sachen taktischer Ausrichtung: Was übernimmst Du? Wo willst Du eigene Akzente setzen?
Falk war ein Fachmann. Er hatte nicht nur eine großartige Karriere als Spieler, sondern auch einen sehr großen Erfahrungsschatz als Trainer vorzuweisen. Deswegen versuche ich im Großen und Ganzen, sein Trainingskonzept beizubehalten. Allerdings habe ich auch zahlreiche eigene Ideen und Erfahrungen, beispielsweise aus meiner Zeit in Mannheim bei den Jungadlern, die ich einfließen lassen werde. Zum Beispiel schnelleres und härteres Hockey.

Verteidiger und Führungsspieler warst Du ja schon in Kissingen. Ist es jetzt als Trainer doch anders auf dem Eis?
Ja, ein wenig schon. Zwar wurde ich als Leistungsträger zu den Wölfen geholt, der Routine und Erfahrung mit in die Mannschaft bringt. Doch zum Glück haben wir eine Menge sehr guter junger talentierter Spieler in unseren Reihen, so dass die Last und auch die Aufmerksamkeit auf viele Schultern verteilt ist. In meiner jetzigen Doppelfunktion schaut man aber vielleicht noch ein bisschen mehr auf mich. Da kann ich eigentlich nur mit einem amerikanischen Sprichwort drauf antworten: "Leadership by Example", was ich als mein Motto verstehe. Denn auch die Jüngeren orientieren sich an mir. Ich kann nichts von anderen verlangen, was ich nicht selbst bereit bin zu geben/zu bringen.

Du hast den Ruf, ein sehr lebensfroher Zeitgenosse zu sein, der jetzt Disziplin einfordern muss. Entdecken Mitspieler und Freunde jetzt neue Seiten an Marc Hemmerich?
Zunächst hoffe ich, dass meine Lebensfreude mir nicht negativ ausgelegt wird. Wie bereits gesagt, durfte ich eine Menge toller Momente und Erfahrungen in meiner Karriere sammeln und habe viele interessante Menschen kennengelernt. Zugegebener Maßen war es gerade als junger Spieler für mich oftmals nicht einfach, den vielfältigen Ablenkungen zum Trotz auf Eishockey fokussiert zu bleiben und richtige Prioritäten zu setzen. Zwischenzeitlich denke ich aber, sehen meine Mitspieler in mir einen jungen Mann, der sein Leben fest im Griff hat und der seiner Mannschaft immer mit Rat und Tat zur Seite steht.

Zum Spiel gegen Haßfurt: Wie schaut die personelle Situation aus? Was macht die Genesung von Marvin Moch?
Die Mannschaft ist gut drauf und personell gut aufgestellt. Der Verlust von Marvin aufgrund seiner Verletzung war natürlich ein harter Schlag, aber ich denke, es hat die Jungs näher zusammmengebracht. Man kann einen Marvin Moch nicht eins zu eins ersetzen. Aber er ist auf dem Weg der Besserung und steigt diese Woche schon wieder ins Mannschaftstraining ein. Wer weiß, vielleicht sehen wir ja eine Überraschung.

Du hast unter anderem mit den Schweinfurter Mighty Dogs schon so manche Schlacht geschlagen. Kribbelt es dennoch ein bisschen, auch wenn dieses Derby "nur" in der Landesliga stattfindet?
Die Zeit in Schweinfurt war für mich als damals junger Spieler natürlich eine sehr schöne. Die Fans haben mich super empfangen und toll unterstützt. Ich wünsche den Dogs nur das Beste und dass sie den Aufstieg in die Oberliga schaffen. Das würde der ganzen Region zugute kommen und man könnte dann auf beiden Seiten eventuell profitieren. Wie bei einem Farmteam eben. Natürlich hoffe ich, dass wir es mit Kissingen auch mal soweit schaffen und es nochmal zu einem Derby kommt.

Können wir Dich zu einer Einschätzung verleiten? Wo liegen die Kissinger, wo die Haßfurter Stärken?
Die Kissinger Stärken liegen ganz klar beim Coach (lacht) und in der Unbekümmertheit der Mannschaft. Wir sind Aufsteiger und haben bis dato eine tolle Saison gespielt. Wir sind jung und hungrig, haben aber eben auch die individuelle Klasse. Ganz klar ist, dass wir sehr oft über den Kampf in die Partien kommen. Haßfurt hat einen erfahrenen Coach und ein paar abgezockte Routiniers. Doch ich denke, ihr Spiel ist meist zu statisch und kopflos. Auch den Wechsel auf der Ausländer-Position halte ich persönlich für unnötig. Petr Macek hat nicht das Format eines Martin Lamich. Und ich denke, in einer Liga, in der nur ein Ausländer spielen darf, sollte man jemanden haben, der einem Punkte auf die Tafel zaubert. Aber das ist nicht meine Aufgabe, diese Verpflichtung zu bewerten.

Haßfurt wird von Deinem ehemaligen Schweinfurter Mitspieler und Trainer Sergej Waßmiller gecoacht. Habt Ihr noch Kontakt? Auch vor diesem Spiel?
Ja. Sergej und ich haben über die gesamte Zeit, seit ich ihn kenne, immer wieder Kontakt. Man tauscht sich aus und spricht über alltägliches. Man könnte sogar sagen, wir sind Freunde. Aber vor einem so wichtigen Spiel spricht man eigentlich eher nicht. Ein kurzes Hallo, und dann ist man für die nächsten zweieinhalb Stunden nur auf sich und seine Mannschaft konzentriert. Danach werden wir aber sicher ein Bierchen trinken und über den Ausgang des Spiels reden.

Nach der kurzfristigen Verlegung des Derbys aufgrund von Haßfurter Spielermangel ging es ja hinter den Kulissen ordentlich zur Sache. Wie hast Du die Angelegenheit gesehen?
Ich denke, das Thema ist jetzt vom Tisch. Ich habe nicht alle Informationen zu den genauen Umständen und denke, der Verband hat da die richtige Entscheidung getroffen. Wir freuen uns jetzt einfach auf einen tollen Eishockey-Abend vor hoffentlich vollem Haus.

Ein bisschen Ballyhoo kann dem Derby aber nicht schaden. Wie stellst Du Deine Truppe ein: Cool bleiben oder aggressiv bis Anschlag?
Klar schadet das einem Derby nicht. Aber man darf die Sache auch nicht überbewerten. Es ist ein wichtiges Spiel, aber eine Niederlage bedeutet nicht das Ende aller Tage. Ich werde meine Mannschaft bestmöglichst vorbereiten und einstellen. Ich denke, heiß sind die Jungs genug, daher sollte man sie eher ein wenig ausbremsen. Wir werden konzentriert, engagiert und mit vollem Einsatz in die Partie gehen.

Dein Tipp?
Sowas sollte man ja eigentlich nicht tun. Denn jedes Match muss erst gespielt werden. Aber natürlich hoffe ich nach 60 Minuten hartem Kampf auf einen positiven Ausgang für die Kissinger Wölfe.