"Ein Traum ist heute wahr geworden", konnte Manuel Stöckert vom SC Ostheim/Rhön sein Glück kaum fassen. Der 26-Jährige ist neuer deutscher Crossmeister auf der Langstrecke der Männer. Stöckert rannte die 10,4 Kilometer lange Strecke im oberbayerischen Markt Indersdorf in 35:07 Minuten. 23 Sekunden nach ihm kam Marcin Blazinski (LG Nordschwarzwald) als Zweiter ins Ziel, Dritter wurde Stefan Hubert (SV Sömmerda/35:52).
Im letzten Rennen des Tages fiel bei milden Temperaturen der Startschuss der 10,4-Kilometer langen Strecke für den Ostheimer. Auf den ersten Metern noch im Gerangel um eine gute Position, sortierte sich der 26-Jährige zunächst an Position acht bis neun ein, ehe er sich gegen Ende der ersten von neun Runden auf Platz vier vorschob, um Anschluss zur Spitze zu halten. Vorne bestimmte der zu diesem Zeitpunkt unbekannter Blazinski das Tempo.
Durch die hohe Geschwindigkeit des Führenden zog sich das Feld innerhalb kürzester Zeit ein gutes Stück auseinander, doch den Ostheimer konnte er nicht abschütteln.

Harte Konkurrenz aus Polen

Nach knapp drei Runden war Stöckert bereits auf Rang zwei vorgelaufen, nur wenige Meter vor ihm der Nordschwarzwälder. "Den hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung", beschrieb der SC-Läufer seine Gedanken während des Rennens, "ich wusste auch erst wer er ist, als der Sprecher seinen Namen durchgesagt hat". Der bis 2011 für Polen startberechtigte Marcin Blazinski, deutscher Vizemeister im Crosslauf 2012 und Marathonläufer mit einer Bestzeit von 2:14 Stunden, war dem Ostheimer fortan aber kein Unbekannter mehr.

In Runde vier schloss der Rhöner zum Führenden auf und zog kurz darauf mit kraftvollen Schritten an Blazinski vorbei. "Ich wusste, wenn ich vorbei gehe, muss ich auch gleich ein Stück wegkommen, sonst hängt er sich bei mir hinten rein", erklärte Stöckert seine Taktik. Gesagt, getan. Ein Vorsprung von etwa 20 bis 30 Metern zog sich über die nächsten zu laufenden Runden, wobei der lockere Laufstil des Ostheimers für Außenstehende bereits erahnen ließ, wer die größeren Reserven übrig hatte. "Alle haben mir reingerufen, ich habe 20 Meter Vorsprung, nur mein Trainer Eberhard Helm hat gesagt, es sind 30 Meter," schmunzelte Stöckert, das hat er nur gemacht, damit ich ruhig bleibe." Stöckert hielt das Tempo konstant hoch und der Vorsprung wuchs.

Ebenso wie die berechtigte Hoffnung auf den größten Crosserfolg seiner Karriere. Unter kräftigen Anfeuerungsrufen der Zuschauer war es auch Manuel Stöckert, der die Faust in die Luft recken konnte. "Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, aber gehofft habe ich es schon", sagte der Ostheimer, "Ich freue mich riesig, aber ich bin auch froh, dass es jetzt vorbei ist, weil ich doch ziemlich unter Druck stand. Das fällt jetzt natürlich alles ab."
Durch den Gewinn der Goldmedaille ist nun die Sammlung der nationalen Crossmedaillen des Ostheimers komplett. Nach Silber im Jahr 2013 und Bronze 2010 erfüllte sich der Polizist seinen großen Traum vom Titel.
Wie schnell Stöckert unterwegs war, verdeutlichen die Zwischenzeiten. Nach gelaufenen 4,4 Kilometern - die Distanz der Männer-Mittelstrecke - war Stöckert nur knapp zehn Sekunden langsamer unterwegs als der Sieger dieses Rennens.
Im Anschluss an die Dopingkontrolle ging es für den Rhöner zurück in die Heimat, um bereits am Montag ins nächste Trainingslager zu starten. Ein zweites Mal zieht es Manuel Stöckert in die Höhe Kenias, wo er sich in den nächsten vier Wochen den letzte Schliff für einen erfolgreichen Marathon im Bereich von 2:15 Stunden auf den Düsseldorfer Straßen holen will. Auf dem Weg dorthin nimmt Stöckert als letzten Wettkampftest die Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon am 11. April in Husum ins Visier, zu denen er als Titelverteidiger anreist.

Die maximale Ausbeute

Als souveräner Lauf kann auch das Rennen der Brückenauer Manfred Dormann und Reinhart Vogler beschrieben werden. Auf der sechs Kilometer langen Strecke bestimmten die beiden Rhön-Saale-Läufer, die seit jeher das Maß aller Dinge im nationalen Seniorenbereich sind, das Tempo mit. Mit der zweitschnellsten Gesamtzeit von gerade einmal 26:31 Minuten stoppten die Uhren für den in der M-65 siegreichen Dormann, ehe sein Teamkollege Vogler nur sieben Sekunden dahinter sich über die Vizemeisterschaft und damit der maximalen Ausbeute der Brückenauer freuen durfte. "Ich bin schon fünf Mal hier gelaufen, aber die neue Strecke hat mir bis jetzt am besten gefallen", erzählte Manfred Dormann dem Stadionsprecher kurz nach Zieleinlauf.