Die Vielfalt der Wettbewerbe im Bogenschießen ist für den Laien verwirrend. Da gibt es nicht nur verschiedene Altersklassen, sondern auch noch unterschiedliche Bögen und Wettbewerbe. Von Haus aus den Überblick haben muss da ein Kampfrichter und Thomas Wenzel ist einer von ihnen im Landkreis. "Das ist alles geregelt in der Sportordnung des Deutschen Schützen-Bundes (DSB)", ist für ihn die Sache ganz einfach. Die allgemeinen Regeln sind im Teil 0 festgelegt, der Teil 6 regelt alle Details für die Bogenschützen. Alles klar, denkt man sich und schaut sich das Regelwerk genauer an - und ist ob des Umfangs erstaunt. "Das ist doch nicht umfangreich, umfangreich sind die Regeln des internationalen Verbandes FITA, der DSB hat da nur einen Teil für sich ausgesucht", erläutert Thomas Wenzel und merkt an, dass die FITA mittlerweile offiziell WA heißt.

Die Einteilung in Altersklassen kennt man in anderen Sportarten auch, bei den Bogenschützen sind es 15, inklusive einer Behindertenklasse. Dass da auch aus unterschiedlichen Entfernungen geschossen wird, versteht sich.

Gewicht statt Visier

Doch es gibt ja nicht nur einen Bogen, sondern vier verschiedene. "Die einfachste Form ist der Langbogen, der aus einem Stück besteht und im Prinzip dem Bogen entspricht, mit dem wir als Kinder Indianer gespielt haben", erklärt Wenzel. Der Recurve-Bogen unterscheidet sich dadurch, dass er zwei abnehmbare Wurfarme mit zurückgebogenen Wurfarmenden und ein Visier hat. Nimmt man das Visier weg, hat man den Blankbogen. Bei dem Umbau zum Blankbogen kann das Visier durch ein Gewicht ersetzt werden. "Das dient der Dämpfung, darf aber eine bestimmte Größe nicht überschreiten", erklärt er den Sinn eines Ringes aus Metall mit einem Durchmesser von 12,2 Zentimeter, den er bei sich trägt. "Durch diesen Ring muss der Bogen passen, dann ist er regelkonform." Fehlt noch Bogen Nummer vier, das High-Tech-Gerät, der Compound-Bogen. Wichtigste Zusatz-Ausstattung zum Recurve-Bogen sind die Umlenkrollen an den Wurfarmen. Dadurch reduziert sich die aufzuwendende Zugkraft für den Schützen um bis zu 80 Prozent. Zudem wird der Pfeil nicht mit der Hand losgelassen, sondern per Knopfdruck mit dem sogenannten Release. Das erhöht die Zielgenauigkeit deutlich.
Nun gibt es für die Bogenschützen noch unterschiedliche Wettkämpfe, zum einen die Meisterschaften, bei denen sich die besten Schützen im Verein Gau, Bezirk und Land bis zu den Deutschen Meisterschaften qualifizieren können - im besten Fall bis zu den Olympischen Spielen. Dazu kommen die Hallenmeisterschaften und Feldbogen. Feldbogen bedeutet, dass im Gelände - ob eben, bergauf oder bergab - aus zwölf bekannten und zwölf unbekannten Entfernungen auf die Ziele geschossen wird.
Bei diesen zahlreichen Varianten leuchtet ein, dass die Ausbildung zum Kampfrichter Zeit in Anspruch nimmt. "Dazu zählt, dass man zwei Jahre Kandidat ist, das heißt man ist quasi Lehrling eines Kampfrichters", berichtet Thomas Wenzel, der seit November 2009 als nationaler Kampfrichter in Bayern im Einsatz ist. 2013 hat er dann eine weitere Prüfung in Wiesbaden abgelegt. "Der Wettkampf läuft rund, wenn ich nicht gebraucht werde", beschreibt der Kampfrichter sein Ideal. Vor dem Wettkampf muss er umfangreiche Kontrollen durchführen, das reicht von der Platzabnahme, über die Bögen bis hin zu den Pfeilen. Das dient zum einen der Sicherheit und zum anderen der Chancengleichheit.

Keine Diskussionen

Bei den Wettkämpfen selber gehen die Schützen nach jeder Passe, das sind drei Schuss, gemeinsam zur Trefferaufnahme. Nur bei Streitigkeiten muss der Kampfrichter entscheiden. "Dazu brauche ich einen Zirkel und eine Lupe mit Beleuchtung. Entscheidend ist, wo der Pfeilschaft steckt und nicht, wo das Papier der Scheiben-Auflage eingerissen ist. Ich treffe dann prinzipiell nur eine Entscheidung", lässt sich der Kampfrichter auf keine Diskussionen ein. Ein Einspruch bei der Jury ist möglich, kostet aber 25 Euro. "Wir entscheiden doch nach bestem Wissen und Gewissen und verstehen uns als Partner der Schützen", betont Thomas Wenzel, der selbst 2004 bei seinem Heimatverein der Schützengilde Poppenroth mit dem Bogenschießen angefangen hat. "Wenn die Schützen Probleme haben, können sie zu uns kommen. Sei es, weil sie Zeit für einen Bogen-Reparatur brauchen oder auf die Toilette müssen. Dann dürfen sie am Ende des Durchgangs schießen."

Bluejeans verboten

Wenig Spaß versteht der Verband bei der Kleiderordnung. Die Schützen sollen in Weiß antreten oder in Vereinskleidung, geschlossene Schuhe sind Pflicht. "Bluejeans sind nicht erlaubt, auf Landes- und Bundesebene wird das rigoros umgesetzt", berichtet Thomas Wenzel, der als Kampfrichter ein rotes Sacko, ein weißes Hemd , eine blaue Krawatte und eine hellgraue Hose zu tragen hat. "Nur wenn man sich selbst daran hält, kann man das auch durchsetzen", erlaubt er sich da keine Ausnahmen. Und machte damit durchaus unangenehme Erfahrungen. "Bei den letzten Bayerischen Meisterschaften in Germering wurden wir von einer Schnakenplage heimgesucht, mein ganzer Rücken war durch die Jacke zerstochen. Die Schützen haben mich an meinem Stand nur noch Thomas bei den Mücken genannt." Er selbst konnte einem Bogenschützen helfen, cremte ihn mit einem Mückenschutz ein. "Das war der Alexander Dittmer aus Sail auf, der ist dann sogar Meister geworden und hat sich anschließend herzlich bei mir bedankt", freut sich Thomas Wenzel.