Nüdlingen
Fussball

Jan Hofmann: Mit dem Fuß unberechenbar

Der 22-jähige Nüdlinger kam eher zufällig zur Torhüter-Position. Warum auch er den neuen Weg beim FC 06 Bad Kissingen verkörpert, erklärt er im Steilpass-Interview.
Jan Hofmann vom FC 06 Bad Kissingen in Aktion. Der 22-jährige Nüdlinger macht bei dieser Parade  alles richtig. Aktuell kämpft er sich nach einer Operation zurück. Foto: Laurens Lutz
Jan Hofmann vom FC 06 Bad Kissingen in Aktion. Der 22-jährige Nüdlinger macht bei dieser Parade alles richtig. Aktuell kämpft er sich nach einer Operation zurück. Foto: Laurens Lutz

Jan Hofmann zählt sicherlich zu den eher modernen Torhütern, auch wenn er selbst zugibt, dass er mit den Füßen manchmal etwas unberechenbar ist. Der 22-Jährige verkörpert den neuen Weg des FC 06 Bad Kissingen. Mit vielen jungen Spielern aus der eigenen Jugend will der Verein sein Legionärsimage nun endgültig ablegen. Wie es in den Jugendteams häufig so ist, wurde damals in Nüdlingen ein Torhüter gesucht und in Hofmann gefunden. Er meldete sich freiwillig und steht seitdem zwischen den Pfosten. Nach einer Operation an beiden Knien kämpft er sich aktuell wieder zurück und hofft, dass er bald wieder schmerzfrei ins Geschehen eingreifen kann.

Herr Hofmann, wer hat Sie angespielt?

Jan Hofmann: Mit David Büchner habe ich damals zusammen in der U19 der SG Bad Kissingen gespielt. Danach hat es ihn aber wieder zu seinem Heimatverein nach Thulba verschlagen. Auf und neben dem Fußballplatz sehen wir uns öfters und es ist immer wieder ein Vergnügen mit ihm.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Meine Jugendzeit habe ich beim TSV Nüdlingen und beim TSV Großbardorf verbracht. Nach zwei weiteren Jahren in Nüdlingen bin ich zur SG Bad Kissingen gewechselt und spiele seit 2019 bei den Herren des FC 06 Bad Kissingen.

Warum ausgerechnet Torwart? Was reizt Sie an dieser Position?

Damals bei den U11-Junioren in Nüdlingen wurde ein Torwart gebraucht. Da man keinen anderen gefunden hat, habe ich mich freiwillig gemeldet. Allerdings durfte ich in den folgenden Jahren immer noch als Feldspieler auflaufen. Als letzter Mann kann man seinen Mitspielern häufig "den Allerwertesten retten". Das reizt mich als Torhüter bis heute besonders.

Sind Sie noch Mitglied im E-Football-Team des TSV Arnshausen?

Beim E-Football bin ich noch dabei. Jedoch ist dort Sommerpause, wie im normalen Fußball auch. Bis es wieder los geht, dauert es noch ein bisschen.

Lieber auf dem Platz stehen oder doch an der Konsole zocken?

Ganz klar. Ich bin lieber auf dem Platz. Die Konsole ist für mich nur ein Lückenfüller in der Freizeit und kann den echten Sport nicht ersetzen.

Der FC 06 Bad Kissingen setzt verstärkt auf die eigene Jugend, anstatt, wie in der

Vergangenheit oft geschehen, viele Spieler zu holen und nach einer Saison wieder

abzugeben. Wie finden Sie den eingeschlagenen Weg des Vereins?

Ich finde es optimal. Der Verein setzt auf junge Spieler aus und um Bad Kissingen. Es ist auch für die Jugendspieler wichtig zu sehen, dass man eine Chance bei den Herren bekommt, wenn man sich reinhängt. Wir sind so viele junge Spieler und unternehmen auch abseits des Platzes viel miteinander. Das stärkt den Zusammenhalt und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich alle bei uns wohlfühlen.

Mit der damaligen Personalpolitik war der Verein nicht immer sehr beliebt. Wie sind Ihre aktuellen Erfahrungen im Umgang mit dem FC 06. Hört man noch oft Vorurteile gegenüber dem Stadtverein?

Das Modell, auswärtige Spieler zu verpflichten und zu bezahlen, kann sich auch als Todesurteil für Vereine erweisen. Beispiele sind Euerbach oder Wiesentheid. Ganz selten werden wir noch von Spielern anderer Mannschaften darauf angesprochen, dass man in Bad Kissingen doch viel Geld bekäme. Wenn einem der Gegenspieler während des Spiels zuflüstert, dass man ein geldgeiler Legionär sei, können wir also nur drüber lachen. Ich hoffe und glaube, dass sich das Image des Vereins deutlich verbessert hat. Wir engagieren uns als Verein sowie als Mannschaft auch sozial. Wie zu Beginn der Corona-Pandemie oder beim Ukraine-Krieg.

Was sind Ihre sportlichen Ziele in dieser Saison und in der Zukunft?

Ich befinde mich zurzeit leider noch im Aufbautraining, da ich an beiden Knien operiert wurde. Somit ist meine Zielsetzung für diese Saison, erstmal wieder den Weg in die Mannschaft zu finden und ohne Schmerzen meinem Lieblingshobby nachgehen zu können. Für mich persönlich wäre es gut, eine komplette Saison ohne Rückschläge zu spielen und an die vergangenen Leistungen anzuknüpfen.

Was trauen Sie der Bezirksliga-Mannschaft zu?

Wir haben uns mit ein paar Spielern verstärkt, weshalb ich unserer Mannschaft sehr viel zutraue. Wir sind jung und entwicklungsfähig. Alle haben richtig Bock und ziehen mit. In der Vorbereitung sind wir immer mindestens 20 Spieler beim Training. Ich persönlich möchte in der Bezirksliga oben mitspielen und am Ende schon unter die ersten drei Mannschaften kommen.

Torhüter, sagt man, sind ja spezielle Spieler. Was ist an Ihnen so speziell?

Am Fuß bin ich manchmal unberechenbar. Die Bedeutung dieser Aussage überlasse ich aber lieber den Lesern und meinen Mannschaftskollegen (lacht). Ich bin vom Typ her ein eher offensiver Torwart, der nicht gerne einfach so auf der Linie stehen bleibt. Wenn es die Situation zulässt, greife ich gerne ins Geschehen ein.

Welchen Torhüter haben Sie als Vorbild?

Die neu ausgelegte Torwartposition von Manuel Neuer, als spielerisch starker Torhüter, gefällt mir natürlich sehr gut. Dazu kommt auch ein Yann Sommer. Da er ein eher kleinerer Torwart ist, schätze ich seine Leistung umso mehr. Er zählt sicherlich mit zu den Besten auf seiner Position.

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele an Tim Schmid weiter. Er spielt Tennis in der ersten Herrenmannschaft des FC Viktoria Poppenroth und ist auch als Tennistrainer unterwegs. Ich habe ihn über meinen Kumpel Fabian Geipel kennen gelernt, mit dem ich beim FC 06 Fußball spiele.