Zwei Jubiläen gab es beim Mattenskispringen um den Kloster-Kreuzberg-Pokal: Zum einen gibt es die Sprungschanzen am Kreuzberg seit 60 Jahren an dieser Stelle, und das Springen um den Kloster-Kreuzberg-Pokal wurde bereits zum zehnten Male ausgetragen. Insgesamt flogen 47 Springer über die Schanzen K-16, K-30 und K-50.

Aufwändige Pflege

Um ein Matten-Springen zu veranstalten, genügt es nicht, die Hähne der Bewässerungsanlage aufzudrehen. In vielen Arbeitsstunden und hauptsächlich in Handarbeit wurden mehrmals die Grashänge neben den Anläufen und im Auslauf gemäht. Morsche Bretter der Seitenbegrenzungen müssen regelmäßig ausgetauscht, Stufen des Anstieges befestigt und erneuert werden. Das Material wird oft mit Sponsoren-Unterstützung besorgt. In den letzten Jahren wurden alle drei Schanzen so komplett überarbeitet.

Eine Frage wird Schanzenwart Hans Beck immer wieder gestellt: Warum gibt es keine Skisprung-Veranstaltung im Winter? Der Grund sind die mittlerweile sehr unbeständigen Winter in der Rhön. Die Matten der Schanzenanlage müssten mit speziellen Netzen bespannt werden, damit der Schnee liegen bleiben kann. Für die Präparation des Aufsprung-Hügels und des Auslauf-Hanges gibt es keine Maschinen. Und bei kurzfristig einbrechendem Tauwetter kann sich aller Aufwand schnell als umsonst erweisen.

Im hohen Alter aktiv

Einer der teilnehmenden Sportler des Jubiläumsspringens war Johannes Orschel vom Tabarzer SV. Der 63-Jährige sprang bereits als kleiner Junge über die K-50-Schanze (!) seines Heimatvereines. Als er als Jugendlicher eine Ausbildung begann, wurde ihm von den Verantwortlichen des damaligen DDR-Sports die Möglichkeit verwehrt, weiterhin den Sprunglauf zu betreiben. Er wurde Alpinskifahrer. Seit 15 Jahren fliegt Johannes Orschel aber wieder über die Schanzen. Beim Haselbacher Springen landete er in seiner Altersklasse vor seinem Vereinskameraden Wolfgang Schramm, der auch mit 67 Jahren noch aktiv seinen Sport lebt.

Ein junger Mann, der am Rande der Schanzenanlagen stand, ist im letzten Jahr noch aktiver Skispringer gewesen. Auf die Frage, warum er nicht selber springt, erklärte Benedikt Bauer, dass er das Skispringen aufgegeben hat. "Ich bin jetzt 15 und müsste auf der nächstgrößeren Schanze springen, traue mich aber nicht", gab er ohne Umschweife zu. Er ist immer noch Mitglied in seinem Verein, dem SC Neubau und unterstützt die Fichtelgebirgsadler, wenn sie trainieren oder zu Wettkämpfen fahren.

Die Rhönadler waren natürlich an ihrer Heimatschanze vertreten. Der talentierte Franz Eisenmann vom WSV Oberweißenbrunn sprang auf der K-16 zwölf Meter weit. "Ich bin aber schon mal weiter gesprungen", kommentierte er die bewundernden Worte des Beobachters. Man darf auf die Zukunft des jungen Sportlers gespannt sein. Der zweite hoffnungsvolle Rhöner Nachwuchsspringer Roman Groß enttäuschte ebenfalls nicht und flog mit 29,5 Metern auf der K-30 auf den ersten Platz seiner Klasse. Das derzeit einzige Rhöner Mädchen, das an Wertungssprüngen teilnimmt, ist Laura Kemmerzell vom WSV Oberweißenbrunn. Sie springt erst seit einem Jahr, allerdings mit wachsender Begeisterung.

Über 50 Meter ging es weit

Den weitesten Sprung auf der K-50 machte Simon Hüttel vom WSV Weißenstadt mit 52 Metern. Mit dem Kloster-Kreuzberg-Pokal fand gleichzeitig das Auftaktspringen zur Franken-Minitournee statt. Die Sprünge fließen in die Tournee-Wertung ein, deren nächstes Springen bereits am 21. September in Bischofsgrün veranstaltet wird. Die Siegerpokale hatte wieder das Kloster Kreuzberg um Schirmherrn Matthias Johannes gesponsert. Zur Einweihung nach dem Komplettumbau der Kreuzbergschanzen im Jahre 1998 knüpfte der RWV erste Kontakte zum damaligen Guardian Pater Alexander. Später entstand das Kloster-Kreuzberg-Pokal-Springen mit der kräftigen Unterstützung des Klosters.

Der Vorsitzende des Skiverbandes Unterfranken, Winfried Pöpperl, selbst 16 Jahre lang Vorsitzender des RWV Haselbach, konnte gemeinsam mit dem jetzigen Vorsitzenden Michael Beer zwei legendäre Skispringer aus der Anfangszeit der Kreuzbergschanzen begrüßen. Norbert Purmann und Gottfried "Fritz" Groß gehören zu den Pionieren der Kreuzbergschanzen und waren bereits beim Eröffnungsspringen 1953 dabei. Die Begabung des Großneffen Roman Groß liegt also in der Familie.

Ergebnisse im Internet unter www.rwv-Haselbach.de.