Hammelburg Volleys - BadenVolleys SSC Karlsruhe(Samstag, 20 Uhr)

Ausgerechnet an diesem Abend, am Abend der Abschiede wird einer fehlen: Volleys-Kapitän Oscar Benner befindet sich wegen einer Coronainfektion in Quarantäne und kann beim Spiel gegen die Karlsruher dem Hammelburger Publikum nicht Ade sagen. Andere sind aber dabei.

"Das ist natürlich super bitter", sagt Teammanager Olly Wendt über den Ausfall eines Spieler, der wie kein anderer das Hammelburger Team geprägt hat. "Oscar hat alle Bundesligajahre miterlebt, war Integrationsfigur, Typ, Freund und Führungsspieler."

Der Ausfall Benners steht fast exemplarisch für den Verlauf einer Saison, die nicht nur coronabedingt herausfordernd war. "Trotz vieler verletzter Spieler und einer fast vierwöchigen Coronapause ist das Team noch einmal enger zusammengewachsen", blickt der andere Teammanager Frank Jansen zurück.

Auch wenn die Vize-Meisterschaft nun zwischen Schwaig und Mimmenhausen ausgemacht wird, "spielen wir auch in dieser Saison wieder oben mit und freuen uns auf einen stimmungsvollen Volleyballabend", so Jansen. "Alle in die Halle und alle in Hellblau" hatten die Vereinsverantwortlichen als Motto ausgegeben und hoffen auf entsprechende Kleiderwahl bei den heimischen Fans. Eine Zuschauerbeschränkung gibt es nicht mehr und das Tragen einer Maske ist freiwillig.

Stimmungsvoll soll es werden

Dazu haben sich die Spieltagsplaner auch noch das ein oder andere Highlight einfallen lassen. Dass mit Karlsruhe ausgerechnet und zufällig das frisch gebackene Meisterteam in die Halle kommt, ist das Sahnehäubchen. Doch das Sportliche ist an diesem Abend das eine. Vielmehr wird es für insgesamt fünf Akteure und das Trainerduo der letzte Auftritt im TV/DJK-Trikot sein, "auch wenn einige Jungs noch angeschlagen sind und ihnen ihr Einsatz verwehrt sein wird", so Wendt.

Neben Oscar Benner, der sich erstmal auf seine berufliche Karriere konzentrieren möchte, verlassen Moritz Zeitler, Hannes Krochmann, Luca Dierks und Laurentiu Vinatoru das Team. "Über jeden dieser Spieler könnte man tausend Geschichten erzählen", sagt Wendt, der die Akteure im Anschluss an das Spiel verabschieden wird und es mal in einem Satz versucht: "Es gehen Freunde, die wir ins Herz geschlossen haben und die einen großen Teil der Bundesliga-Geschichte in Hammelburg mitgeschrieben haben." Doch wohin verschlägt es die Spieler, die menschlich und sportlich eine große Lücke hinterlassen werden?

Moritz Zeitler, der seit vier Spielzeiten in Hammelburg spielt, wird in Ingolstadt ein duales Masterstudium bei Autohersteller Audi beginnen. "Es war eine super spannende Zeit in Hammelburg, in der wir als Team über die Jahre super krass zusammengewachsen sind, gerade in einer Phase, als die Ur-Hammelburger das Team verlassen hatten", sagt der 27-jährige. "Er hat sich über die Jahre zu einem emotionalen und sportlichen Leader entwickelt", so Olly Wendt.

Bei Laurentiu Vinatoru indes hat in dieser Saison vor allem die Doppelbelastung aus Bundesliga-Volleyball und seiner beruflichen Tätigkeit Spuren hinterlassen. Er wird dem Verein aber als Jugendtrainer weiterhin zur Verfügung stehen. "Lau hat uns signalisiert, dass er jederzeit als Ersatz für unser zukünftiges Bundesligateam einspringen würde", ist Frank Jansen dankbar.

Verletzungen und Studienwechsel

Für Luca Dierks steht auch erstmal das Studium und die Vorbereitung auf sein Staatsexamen im Fokus. "Es war eine geile Zeit in Hammelburg. Leider hatte ich in der Vergangenheit sehr viele Verletzungen, die mich immer wieder zu längeren Pausen gezwungen haben. Natürlich werde ich unsere Heimspiele im Wohnzimmer vor dem geilsten Publikum der Liga vermissen", sagt der Mittelblocker, der gemeinsam mit Nils Rehmeier und Hannes Krochmann vor vier Jahren an die Saale kam.

"Luca ist ein Paradebeispiel unseres Konzeptes, junge, talentierte Volleyballspieler nach Hammelburg zu holen, die hier studieren und sich hier zu gestandenen Bundesligaspielern entwickeln", so Wendt.

Letzter im Bunde ist Hannes Krochmann, der sein Sportstudium in Würzburg beendet hat und nun noch ein Lehramtsstudium beginnen möchte. "Leider gibt es die entsprechende Fächerkombination in Würzburg nicht", so Hammelburgs Regisseur, den man sicher weiterhin an anderer Wirkungsstätte in der 2. Bundesliga sehen wird.

Auch Welter und Rost verabschieden sich

Nach einem Jahr an der Seitenlinie der Volleys wird Hammelburgs Headcoach Thiago Welter seinen Fokus vorerst auf seine berufliche Entwicklung legen. Nach Beendigung seiner Masterarbeit steht für den Brasilianer der komplette Einstieg ins Arbeitsleben an. Insgesamt bewegte sich der Coach wie der gesamte Verein in einem schwierigen Umfeld, schaffte es aber trotz aller widrigen Umstände mit seinem Team lange um die Vize-Meisterschaft mitzuspielen.

"Natürlich ist es schade, dass uns am Ende die Luft gefehlt hat, allerdings hatten natürlich alle Teams mit Corona zu kämpfen. Trotzdem bin ich stolz auf die Jungs, die sich alle weiterentwickelt haben und freue mich nun auf einen stimmungsvollen Saisonabschluss gegen den verdienten Meister Karlsruhe."