Das hatten sich die Kicker des SV Garitz sicher deutlich anders vorgestellt: Zur Winterpause zieren die Bad Kissinger Stadtteilkicker das Tabellenende. Elf Punkte aus den absolvierten 19 Partien sind deutlich zu wenig für das Garitzer Gemüt. Verletzungen, studienbedingte Absenzen, ein überraschender Trainerabgang und teilweise fehlende Cleverness sind einige Gründe, die den Meister von 2013 tief in den Abstiegssog hineinmanövrierten. "Es ging schon in der Vorbereitung los, da standen uns bei weitem nicht alle Spieler zur Verfügung. Spieler wie Arthur Gerlinger, Johannes Schlossbauer oder Marius Renninger mussten aus verschiedenen Gründen passen, auch ein Marcel Rudolph stand erst in der zweiten Vorrundenhälfte wieder zur Verfügung.
Und ehe wir uns versahen, war der Stotter-Start perfekt", resümiert der zweite Abteilungsleiter Johannes Werner.
Zu Beginn gab Herbstmeister DJK Schwebenried/Schwemmelsbach seine Visitenkarte ab und demonstrierte beim 4:0 seine Titelambitionen. Es folgten das 0:3 in Wiesentheid und ein 2:2 beim SV/DJK Unterspiesheim, welches nach einer 2:0-Pausenführung und dem Unterspiesheimer Ausgleich in der achten Minute der Nachspiel in die Kategorie "bitter" geschoben werden muss. Insgesamt auffällig - alle neun Gegentore in den ersten drei Partien fielen nach dem Pausentee. Gegen den TSV Unterpleichfeld feierte Philipp Werner, er kam zu Saisonbeginn für den an der Schulter verletzten Christoph Werner ins Tor, das erste von bisher zwei Spielen ohne Gegentor in der laufenden Saison. Lohn der Mühen war der erste Dreier. Der junge Keeper stand im Übrigen als einziger Akteur jede Minute auf dem Platz. Eine einzige Spielminute verpasste Tobias Ehrenberg aufgrund seiner gelb-roten Karte in der 90. Minute am 13. Spieltag in Mühlhausen.

Saison für Flassig wohl beendet

Nach dem ersten Saisonsieg folgte eine ärgerliche 0:1-Niederlage in Großbardorf. "Wir hatten viele enge Spiele bisher. Dieses war auch ein typisches 0:0, dann kriegen wir kurz vor Schluss ein blödes Gegentor. Vorher verletzt sich Alexander Flassig schwer am Knie und auch die Verletzung von Tobias Ehrenberg sah zunächst schlimm aus", so Johannes Werner. Für Flassig ist nach einem Kreuzbandriss die Saison wohl beendet. Bei Ehrenberg bewahrheiteten sich die Befürchtungen nicht, er konnte schon im nächsten Spiel gegen Euerbach (1:2) wieder mitwirken und ist mit sechs erzielten Treffern bester Torschütze des SV vor Manuel Krieter. Nach dem 3:2-Derbysieg in Riedenberg verpasste die Elf des damaligen Trainers Detlef Schäfer beim 4:4 gegen Geesdorf durch den "Last-minute"-Ausgleich der Gäste vielleicht einen entscheidenden Befreiungsschlag. Nach vier Niederlagen in Folge mit der 0:1-Heimpleite gegen den ebenfalls kriselnden Stadtrivalen FC 06 Bad Kissingen als "Tüpfelchen auf dem i" reifte in Detlef Schäfer der Entschluss, sein Amt niederzulegen. "Das kam für uns total überraschend und es war natürlich nicht einfach, in kurzer Zeit einen Nachfolger zu präsentieren", sah Johannes Werner die sportliche Leitung in einer schwierigen Situation.
Dennoch konnte man nach dem immens wichtigen 3:0-Erfolg beim SV Mühlhausen/ Schraudenbach, mit Franz-Carl Baier als Interimscoach, schnell einen neuen Trainer präsentieren. Der Schwebenrieder Michael Beyfuß übernahm fortan den Platz auf der Kommandobrücke und fühlt sich trotz der schweren sportlichen Situation dort gut aufgenommen. "Einige Spieler kannten mich bereits, das hat mir den Einstieg erleichtert. Zudem tun die Abteilungsleiter Bernhard Schmitt und Johannes Werner ihr Übriges, um sich als Trainer im Verein wohl zu fühlen. Auch Vorstand Thomas Leiner kannte ich im Vorfeld bereits, da wir Kollegen bei der Bundespolizei waren." Für Werner ist Beyfuß trotz des Negativlaufs ein Glücksfall. "Ich bin froh, dass wir diesen Mann kriegen konnten, denn er macht das sehr, sehr gut, ob auf dem Trainingsplatz oder in der Einstellung. Im Moment tut er mir wirklich leid."
Sechs Niederlagen setzte es für die Garitzer noch bis zur Winterpause, fast alle mit einem Tor Unterschied außer beim 1:3 in Dampfach. Man hielt zumeist mit, doch die Punkte blieben eben beim Gegner. Wie beispielsweise beim 2:3 in Schwebenried, als man dem Spitzenreiter alles abverlangte und nach der eigenen Siegtorchance spät in einen Konter lief. "Das war von den Spielen unter meiner Regie das beste. Sowohl taktisch als auch kämpferisch haben wir da überzeugt und unglücklich verloren. Aber klar ist auch, dass die Situation weder für die Mannschaft noch für mich zufriedenstellend ist", stellt Beyfuß klar und möchte durch eine konzentrierte Vorbereitung den Bock umstoßen. "Da wollen wir mit einer hoffentlich hohen Trainingsbeteiligung die Grundlage für das neue Jahr legen. Wir haben dabei auf höherklassige Mannschaften verzichtet, um zum einen unser Spielsystem besser zu verinnerlichen und zum andern möglichst durch Erfolgserlebnisse das Selbstbewusstsein zu stärken." Der SV-Coach sieht im Übrigen im Kampf um den Titel seinen Ex-Verein DJK Schwebenried/Schwemmelsbach vorn. "Sie sind konstanter als alle anderen Mannschaften." Im Tabellenkeller erwartet Beyfuß einen harten Kampf seiner Truppe mit Mühlhausen, Großbardorf II, Bad Kissingen und Unterspiesheim um den Relegationsplatz und den letzten direkten freien Platz in der Bezirksliga.
Und den soll möglichst der SV Garitz einnehmen, wenn es nach Abteilungsleiter Werner geht. "In so einer extremen Ausgangsposition waren wir wahrscheinlich noch nie. Ich hoffe, es hat bei jedem Klick gemacht und wir erwischen nach einer, hoffentlich, verletzungsfreien Vorbereitung einen guten Start in die Punktspiele nach der Winterpause. Die Moral stimmt jedenfalls in der Mannschaft und die Stimmung ist trotz des letzten Tabellenplatzes gut. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass wir die Klasse halten können." Zu- bzw. Abgänge wird es nach derzeitigem Stand bei den Grün-Weißen nicht geben.
Früh im Januar beginnt der SV Garitz seine Vorbereitung mit einem speziell für Fußballer entwickelten Powerprogramm, bei dem Kräftigung, Koordination und Stabilisation im Vordergrund steht. Geplant ist zudem ein Trainingswochenende mit zwei Spielen und drei Trainingseinheiten auf heimischem Geläuf. Testspielgegner sind die DJK Wülfershausen/SW, SV Albertshausen, FC Reichenbach, SV Ramsthal und die SG Schleerieth. Zudem nimmt man am Hallenturnier des TSV Münnerstadt teil.