"Ein besonderer Dank gilt den zahlreichen Helfern, ohne die es nicht möglich wäre, dieses tolle Event durchzuführen." Martin Fürst, der Vorsitzende des RFV Sulzthal, weiß, bei wem er sich bedanken muss. Bei frühsommerlichen Temperaturen zeigten über 150 Reiter auf mehr als 250 Pferden ihr Können. Mitte Februar begannen Martin Fürst und seine Helfer mit den Vorbereitungen für das traditionsreiche Vielseitigkeitsturnier auf der "Steige". Um perfekte Reitsportbedingungen zu ermöglichen, tat das Organisationsteam alles. Die Hindernisse mussten renoviert werden, Strom- und Wasserversorgung wurde eingerichtet und das leibliche Wohl kam ebenfalls nicht zu kurz. Die Teilnehmer reisten aus zahlreichen Bundesländern an, um ihre Leistungen darzubieten.

Rund um das Turnier waren zahlreiche Personen im Einsatz. Die Malteser genossen den Sonnenschein. "Wir hatten nur zwei kleinere Stürze, alles in allem ist es sehr ruhig", sagte ein Sanitäter ganz gelassen. Auch Hufschmied Volker Memmel aus Ballingshausen zeigte sich entspannt. "Bei nassem Boden kommt es wesentlicher häufiger vor, dass Eisen fliegen", so der 42-Jährige, der selbst aktiv reitet.
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arcours-Chef Johann Niedermaier, der seit 1978 regelmäßig auf der Sulzthaler Steige im Einsatz ist, genießt trotz der vielen Arbeit vor allem den Charme, den das Sulzthaler Gelände bietet. "Das Reitgelände genügt zwar nicht mehr den modernsten und hochklassigsten Anforderungen, doch die einzigartige, natürliche Atmosphäre macht dieses Turnier immer wieder zu einem Highlight." Der 74-jährige Passauer sitzt zwar seit einer Hüft-OP nicht mehr selbst im Sattel, der Begeisterung für den Wettstreit der talentierten Reiter tut dies keinen Abbruch. Der ehemalige Skilehrer besitzt ein technisch hochwertiges Equipment, mit dem er in der Reitsaison jedes zweite Wochenende auf Turnieren unterwegs ist. Der ebenfalls 74-jährige Turnierrichter Dieter Hesselbach schwärmt von den alten Zeiten, als auf der Sulzthaler Steige Olympia-Sichtungen durchgeführt wurden. Doch seiner Meinung nach ist das Turnier perfekt als Einstieg in die Freiluftsaison: "Die Reiter haben noch nicht so viel im Gelände trainiert, deshalb ist dieses Turnier als Saisonauftakt prädestiniert, da die Herausforderungen nicht ganz so schwierig sind."

Die ehemals erfolgreiche Reiterin Sabine Noack aus der Nähe von München sichtet auf der Steige junge Reiter, die die bayerische Mannschaft auf Bundesebene vertreten sollen. Besonders angetan ist sie von den Dressurprüfungen. Bei den Gelände- und Sprungprüfungen sah sie Luft nach oben. "Der RFV ist ein toller Verein, der sich unheimlich bemüht, beste Bedingungen zu schaffen", so die 39-jährige Besitzerin einer Reitschule.
Martin Fürst ist sich bewusst, dass das Reitgelände viel zu bieten hat. "Die natürlichen Gegebenheiten wie Steigungen, Wald und der tolle Boden machen diese Strecke einzigartig und unterscheiden die Steige von den künstlichen modernen Geländestrecken." Der Stadtlauringer, der selbst elf Pferde besitzt, hat auch seine Kinder mit dem Reitsportvirus infiziert. Sein 15-jähriger Sohn Tim führt die Familientradition fort und trat am Wochenende bereits in der Klasse E im Geländeritt an. Besonderes Lob verdient haben sich seiner Meinung nach Kristina Schmittfull und Felix Sulzer. Kristina Schmittfull freute sich über ihren Sieg im L-Springen am Samstag. Die Sulzthaler Steige liegt ihr anscheinend besonders. "Ich genieße das angenehme Flair auf meiner Heimstrecke", so die 21-jährige Reiterin des RFV Sulzthal. Ihren Angaben zufolge ist sie mit "Sattel auf die Welt gekommen".

Der große Gewinner des Reitsportwochenendes war Felix Sulzer, der Doppelsieger in der L-Vielseitigkeitsprüfung. Der ehemalige Schweizer Meister war 2000 für die Olympischen Spiele in Sydney qualifiziert und erkrankte 1999 vor den Spielen an "Morbus Reiter", einer seltenen unheilbaren Krankheit. "Ich konnte nicht mehr aufstehen, konnte nichts mehr machen, doch mein Arzt Dr. Hans Rhyner hat es geschafft, mich ins Leben zurückzubringen." Dennoch musste Sulzer seine Reitsportkarriere an den Nagel hängen. 2006, als er mit seiner Reitkarriere bereits abgeschlossen hatte, kaufte er sich in Irland sein Pferd Lord Hayagriva als nicht anreitbares Pferd. "Es war Liebe auf den ersten Blick, er ist der Grund, wieso ich wieder in den Reitsport zurückgefunden habe", so der 39-Jährige. Einen großen Anteil am Erfolg gebührt auch seinem Trainer. "Mein Coach Oliver Granicky hat mich für Dressur begeistert, und auch menschlich passt es zwischen uns", bedankte sich der Schweizer. Wie fast alle teilnehmenden Reiter ist auch Yogalehrer Sulzer begeistert vom Gelände hoch über Sulzthal. "Die Steige gibt mir Energie."

Der Doppel-Erfolg von Felix Sulzer in der Vielseitigkeitsprüfung der Klasse L war für den RFV Sulzthal der Höhepunkt in sportlicher Hinsicht. Auf Lord Hayagriva siegte der Schweizer und wurde Zweiter auf Cheers. Rang drei sicherte sich Stephanie Engel-Hoffmann (PSC Neudorf). Für weitere Podestplätze für den Reit- und Fahrverein sorgten Kristina Schmittfull mit dem Sieg in der Punktespring-Prüfung der Klasse L vor ihrem Vereinskollegen Emil Menig, Maria Meusert (3.) in der Vielseitigkeitsprüfung der Klasse A*, Kristina Schmittfull (3.) in der Dressurprüfung Klasse A* sowie Magdalena Winkler mit ihrem Sieg in der Führzügel-Wertung Cross-Country, wo Vereinskollege Julian Krückel Dritter wurde.