Das Hotel? Hat Peter Schaupp schon vor Wochen gebucht. Die Eintrittskarte? Hat sich der 53-jährige über einen glücklichen Zufall besorgt. Und so wird der Mann, der im Landkreis Bad Kissingen aufwuchs und den alle "Freddy" nennen, dabei sein. Dann, wenn seine Schnüdel an diesem Samstag, 13 Uhr, im Rückspiel gegen Havelse um den Aufstieg in die Dritte Liga kämpfen. Als einer von nur 1100 Zuschauern.

Der Optimismus - er scheint Freddy Schaupp mitgegeben worden zu sein. Nicht nur, weil der gebürtige Hofheimer, der in Fuchsstadt aufwuchs, zwischenzeitlich nach Maßbach verheiratet war und jetzt in Bergrheinfeld lebt, fest an einen Sieg seiner Nullfünfer glaubt - und damit den Aufstieg in Liga 3. Und dass trotz der Hypothek der unglücklichen 0:1-Heimniederlage im Willi-Sachs-Stadion.

Schaupp hat auch immer geglaubt, dass er tatsächlich zum Rückspiel fährt. Deswegen hat er auf Verdacht ein Hotel in Barsinghausen gebucht, kurz nachdem bekannt wurde, dass es am 19. Juni in Garbsen vor den Toren Hannovers stattfindet. Da konnte der 53-Jährige weder wissen, ob Zuschauer zugelassen sind, noch wieviele.

Doch das war ihm egal. Freddy Schaupp spekulierte nur, dass es am Samstag eng werden würde mit der Anreise. Erstens hätte er für die vierstündige Auswärtsfahrt sehr früh aufstehen müssen. Und zweitens hätte ja ein Stau oder eine Autopanne oder etwas anderes Unvorhersehbares dazwischenkommen können. So reist der 53-Jährige einen Tag früher an und muss Samstagfrüh nur gemütliche 21 Kilometer von Barsinghausen nach Garbsen "rüberschüsseln".

Sein Weg führt ihn aber nicht in den Block der 165 glücklichen Schnüdel-Fans, die eine Karte ergattern konnten. Schaupp setzt sich mitten unter die Havelser Fans. Ein grün-weißer Tupfer unter lauter Rot-Weiß, sozusagen.

Denn Schaupp bezog sein Ticket nicht über seinen Lieblingsverein. Er verdankt es einem Zufall. Beim Hinspiel war er für den FC 05 als Ordner tätig, recht prominent auf der Haupttribüne sogar (wodurch er vom Spiel einige Szenen mitbekam).

Irgendwo zwischen Block A und C lernte er zwei Havelse-Fans kennen. Einer davon verschaffte ihm die Eintrittskarte. Über Schweinfurt hatte er sich wenig Hoffnung gemacht, an eine Karte zu kommen. "Da wurden sicher die Dauerkarten-Inhaber bevorzugt."

Seine Emotionen will er nicht zurückhalten zwischen all den gegnerischen Anhängern, falls der FC 05 ein Tor schießt. Oder sogar der Traum von der Dritten Liga wahr wird.

Im Hinspiel konnte er sich als Ordner nur bedingt auf das Geschehen auf dem Rasen konzentrieren; jetzt kann er sein Fansein voll ausleben. "Ich werde mich wohlfühlen zwischen den ganzen rot-weißen Havelsern", sagt er und ergänzt: "Ich gönne es denen genauso. Wenn sie die bessere Mannschaft sind, ist das eben so."

Was erwartet Freddy Schaupp vom Spiel? "Havelse wird sich hinten reinstellen und auf Konter lauern. Sie haben schnelle Leute."

FC 05 muss alles raushauen

Von seinen Schweinfurtern erhofft er sich, dass sie alles raushauen, rennen und kämpfen. "Da haben sich im Hinspiel einige zu wenig bewegt." Wenn man kämpfe und laufe und dann trotzdem verliere, sei das okay.

Da deckt sich seine Meinung übrigens mit der von 05-Spieler Kristian Böhnlein, der gegenüber dieser Zeitung sagt: " Im Hinspiel hat uns vielleicht etwas der Mut gefehlt und wir haben nicht zu unserem Spiel gefunden. Da haben wir es ab und an vergessen zu zeigen, dass wir es mehr wollen als der Gegner und ihm auch mal wehtun."

Böhnlein ist überzeugt, "dass wir die Partie noch drehen werden. Es ist ja erst Halbzeit."

Freddy Schaupp setzt auf ein frühes Tor seiner Schnüdel, die damit zumindest das Hinspielergebnis ausgleichen würden. ""Dann fällt bestimmt das zweite und dritte gleich hinterher." Wie gesagt, Schaupp ist Optimist.

Egal, ob der Aufstieg gelingt oder nicht: Der 53-Jährige, der auch schon mal Betreuer bei den Kissinger Eishockey-Wölfen war, wird nach dem Spiel nicht gleich das Weite suchen. Er wird mit seinen neuen Havelser Freunden noch Einen trinken gehen. Denn verbissene Gegnerschaft lehnt der Bergrheinfelder strikt ab.

Diese Zeitung wird Peter "Freddy" Schaupp nach dem Aufstiegsspiel wieder befragen. Wie hat er das Match erlebt? Und wie fühlt er sich nach den Auf- oder Nichtaufstieg seiner Schweinfurter Schnüdel?