TV/DJK Hammelburg - VGF Marktredwitz 3:1 (25:16, 25:21, 22:25, 25:22).
Das Märchen geht weiter. Die Hammelburger Männer schreiben unentwegt an ihrer Erfolgsgeschichte, und die von Spiel zu Spiel größer werdende Fangemeinde huldigt ihrem ausgelassen feiernden Team mit Standing Ovations. Das neueste Kapitel hatte überraschende Wendungen parat. Und die Erkenntnis, dass Volleyballer irgendwie anders ticken.

Sofort im Spiel

Gegen den Tabellendritten waren die Männer von der Saale sofort in der Partie. Ganz anders als die Oberfranken, die gegen das saubere Hammelburger Spiel - sichere Annahme, präzises Zuspiel und effektiver Abschluss - kein Gegenmittel fanden. Neben Kapitän Felix Bendikowski traf vor allem Henning Schulte nach Belieben. Da auch der Block verlässlich punktete, glich der erste Satz über 5:1, 12:6 und 19:10 eher einem Spaziergang.
"Wir haben eigentlich nicht so gut gespielt, aber Marktredwitz war noch schwächer", merkte Trainer Tado Karlovic kritisch an. Schon nach 25 Minuten ging es in den zweiten Durchgang, in dem sich die Fehlerquote häufte und mit dem 7:3 erste strittige Entscheidungen für Unmut auf beiden Seiten sorgten. Zweimal bestraften die Schiedsrichter Aufstellungsfehler, was sehr selten geahndet wird, dazu Netzfehler und ein knappes Aus zum 8:5.

Totenstille in der Halle

Unruhe war zu spüren, die Aktionen wurden hektischer, beim 14:14 schafften die Gäste erstmals den Ausgleich, gingen sogar in Führung (18:17). Doch die Einheimischen fighteten zurück mit zwei gelungenen Blocks von Felix Bendikowski und Friedrich Fell. Fast abgehakt war der erste Satz beim 24:20, als ein spektakulärer Ballwechsel folgte. Das Spielgerät landete an der Decke, am Boden lag Mario Radman, mit schmerzverzerrtem Gesicht. Totenstille in der Halle, dann aufmunternder Beifall, als die Hammelburger ihren Mitspieler in die Kabine trugen.
Radman kehrte zwar noch vor Ende der Partie mit bandagiertem Sprunggelenk in die Halle zurück, aber den Ausfall musste der Tabellenführer erstmal verkraften. Allerdings noch nicht im zweiten Satz, den der Kapitän mit einem fulminanten Smash beendete.

Der dritte Satz wurde zur Nervenschlacht, die Oberfranken wollten sich nicht abschießen lassen und die Gastgeber verloren ihre Linie. Besonders Gästespieler Harry Schlegel heizte mit ständigen Reklamationen und Provokationen die Stimmung auf, sah dafür zunächst die gelbe Karte und beim Stand von 11:16 sogar die rote.

Den Überblick verloren

Heftige Diskussionen folgten, Hammelburg hätte einen Punkt und den Aufschlag bekommen müssen. Die Schiedsrichter verloren etwas den Überblick, der TV/DJK erhielt zwar seinen zwölften Punkt und den Ball, doch der Spielstand wurde auf 12:17 gestellt. "Da habe ich zwar drauf hingewiesen, aber wenn du da lange meckerst, schadet das nur", hakte Tado Karlovic nicht nur den Punkt, sondern wenig später auch den Satz ab. Die Saalemänner mussten jetzt Nervenstärke beweisen, durften sich nicht länger aus dem Konzept bringen lassen. Der Tabellendritte kämpfte dagegen um das 2:2 nach Sätzen, lag immer wieder mit drei, vier Punkten vorne. Erst zur Mitte des vierten Satzes wendete sich das Blatt, Oscar Benner vollendete einen Angriff zum 14:15, besorgte mit einem gelungenen Block auf Außen den Ausgleich. Das war auch der erste Punkt bei Aufschlag Friedrich Fell, der die vorentscheidende Serie hinlegte. Erst beim 21:15 wechselte der Aufschlag wieder. Den Sieg ließen sich die Hammelburger nicht mehr nehmen. Unter dem frenetischen Jubel der Fans legten sie Freudentänzchen hin.
Mithüpfen konnte Mario Radman, dessen Fehlen in der Mitte besonders im dritten Satz auffiel, nicht. Allerdings hatte er seinem Trainer zuvor signalisiert, im finalen Durchgang wieder mitwirken zu wollen. "Ich habe ihm gesagt, was nutzt du mir in dem einen Satz, wenn du dann die nächsten Spiele ausfällst." Der Trainer konnte zwar nicht hundertprozentig Entwarnung geben, aber nach Spielende war nichts geschwollen. "Es schaut ganz gut aus für Mario."

Die zuvor aufgeheizte Atmosphäre unter den Akteuren kühlte sich übrigens schnell wieder ab. "Das war nicht böse gemeint", grinste Harry Schlegel beim Plausch mit Tado Karlovic, der ebenso locker antwortete, "bei mir mussten dann auch die Emotionen raus". Freundliches Schulterklopfen, das war's. Volleyballer sind eben anders.

TV/DJK Hammelburg - SV Hahnbach 3:1 (25:16, 25:11, 22:25, 25:11).
Die Revanche gegen Hahnbach gelang den Saaledamen fast problemlos. "Wir haben uns leichter getan, als wir nach der Hinspielpleite erwartet haben", erzählt Christin Heim von einer leichten Verunsicherung im Team, das nach den Rückschlägen der Vergangenheit in voller Besetzung antreten konnte. Denise Roy spielte nach ihrem Arbeitsunfall im ersten Satz Libera, die noch angeschlagene Tabea Lang konnte zumindest teilweise mitwirken. Im ersten Satz hatten die von Olli Möller gecoachten Gastgeberinnen mit ungewohnten Problemen zu kämpfen. "Da hat jemand die Fenster aufgemacht, da haben wir schon bis zum 6:6 gebraucht, bis wir in der kalten Halle auf Betriebstemperatur gekommen sind", so Christine Fell. Dann lief es wie geschmiert dank der Überlegenheit in Angriff und Block. Beim 14:8 war der Grundstein zum Erfolg gelegt.

"Besonders Christin Heim hat in der Mitte immer wieder die Bälle verwandelt", lobte Christine Fell. Die Gelobte selbst wollte das nicht überbewerten, "Hahnbach hat es uns auch leicht gemacht". Katharina Wehner, die auf Außen ebenso erfolgreich war wie Jana Baumgart, sah im zweiten Durchgang keinen nennenswerten Widerstand der Gäste. "Wir sind gleich mit 4:0 gestartet und haben den Abstand kontinuierlich ausgebaut", umschrieb sie höflich, dass der Gegner förmlich abgeschossen wurde. Ab dem zweiten Satz ersetzte Maxi Bindrum Denise Roy auf der Liberoposition und spulte ihren Part bis zum Ende souverän ab.

"Den Auftakt im dritten Satz haben wir aber komplett verpennt", meinte Christin Heim selbstkritisch. Und Katharina Wehner ergänzte, dass die 2:0-Führung wohl zu leicht gefallen sei. "Da hat es uns an Konzentration gefehlt." Zwar verkürzten die Hammelburgerinnen immer wieder, "doch da hat selbst eine Aufschlagserie von Christine Fell nicht mehr zur Wende gereicht", hakte Christin Heim den Satzverlust ab.

Im vierten Satz zogen die Einheimischen die Zügel wieder an. Im Fünfer-Block schraubten Carina Keilholz, die mit Christin Heim in der Mitte gut harmonierte, Laura Schmitt und Katharina Wehner mit ihren Aufschlägen das Ergebnis schnell auf 20:10. Lediglich einen einzigen Punkt ließen die Saaledamen ihren Gegnerinnen bis zum Schlusspunkt. Ob der großen Überlegenheit bestand immer wieder die Möglichkeit, die jungen Spielerinnen Spielpraxis sammeln zu lassen. So setzte Selina Helfmann als Zuspielerin ebenso Akzente wie Paula Hepp auf der Diagonalposition.

In der Trainerfrage wird sich bis zum Ende der Saison nichts mehr tun. "Das macht wenig Sinn. Und Olli Möller hat sich bereit erklärt, immer das Freitagstraining zu leiten und uns, wenn zeitlich möglich, bei den Heimspielen zu coachen", setzen Christin Heim und Katha Wehner auf die Interimslösung. Dass der Relegationsplatz zwei für die Mannschaft noch machbar ist, ist von nicht so großer Bedeutung. "Wenn das mit Platz zwei klappt, nehmen wir die Relegation mit", hängen die Spielerinnen das Thema nicht so hoch.